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Automobilgeriatrisches Wegen vielfacher (Such-)Anfragen Zwei alte französische Schachteln, fernab der Heimat. Die Historie der beiden Schwestern, überhaupt ihrer Familie ist Legende. Gebaut wurden diese beiden bis 1990 (links), die andere bis 1991. Manchmal knirscht und klappert es arg im Geläuf, und wenn's gar nicht mehr geht, dann müssen sie eben in die geriatrische Klinik. Bei dieser hier handelt es sich um Die Auto-Schmiede im holsteinischen Sirksfelde. Dort beschraubt Johann A. Berlenbach quasi in kollegialer Hilfe auch schonmal die nicht eben in der Nachbarschaft beheimatete (Leasing-)Ente vom Dannek Josef, dem Entenmann aus dem oberpfälzischen, also südostbayerischen Regensburg, das noch ein klein wenig älter ist als seine Enten. Dort werden die nicht nur dem rauhen Klima des Vor-Baltikums angepaßt und wieder TÜV-, sondern auch, und nicht zuletzt, erneut rasant-fahrtauglich gemacht. Allerdings ist die berlenbachsche Auto-Schmiede im Norden beileibe keine Klinik nur für ständig frierende Südländerinnen, die es in der Barbaren Land verschlagen hat. In seinem Altensanatorium bekommt alles aus der automobilen Rentnergeneration die Pflege, die den Betagten gebührt. Da gibt's auch schonmal ein liebevoll überholtes Hüft- oder Fußgelenk, und es wird, wenn's denn sein muß, auch das Herz herausgerissen, selbiges ordentlich durchgewalkt und anschließend zur Wiederbelebung und unter Neuanschluß aller notwendigen Arterien und sonstigen Kanülen an die angestammte Position zurückversetzt. Johann A. Berlenbach gehört eben nicht zu diesen heimatabgewandten Chauvinisten, denen nur das Fremde nicht fremd ist, die sich emphatisch lediglich über englisch-französisch-italienische oder sonstige verrottete Altersbauchhöhlen beugen (zumal er durchaus auch Jüngeren Hilfe angedeihen läßt). Auch manch ein deutscher Veteran kam nach der Verjüngungskur — nach der er wieder aussah, wie hier in metereologisch naheliegender, randatlantischer Umgebung abgelichtet — bei ihm wieder fröhlich über die herzöglich-lauenburgischen Hügel geflogen. Wie das alte Landeier-behältnis in seiner Heimat, bis weit in den Süden. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei hier angefügt: Weder Johann A. Berlenbach noch Josef Danneck wissen von diesem kleinen Lob hier, können es also nicht in Auftrag gegeben haben (was auch kaum viel brächte bei dem hiesigen Zehn-Subskribenten-Blättchen). Es handelt sich also nicht um bezahlte Public Relation oder gar hochhonorierte Werbung, wohl aber um eine gerne gesungene, gagenfreie Hymne, aus schierer Freude darüber, daß es noch Menschen und Maschinen gibt, die noch nicht von Profitdenken (oder Rost) zerfressen beziehungsweise computergesteuert daherkommen.
Le Parking Im schönen, geschätzten, bisweilen geradezu liebreizenden Hamburg, sei es, um mal wieder die Tuben und Döschen mit dem anthroposophischen Hautbalsam des schwäbischen Produzenten mit dem Vertriebenennamen einzukaufen oder auf dem Weg über den Jungfrauensteig in andere Konsumfallen zu stolpern und vielleicht auch noch ein bißchen Kähnchen zu fahren, steure ich in der Regel das Parkhaus am Fischmarkt an. Wenn anderswo alles dicht ist, gibt's dort meist noch ein Plätzchen für die Landeierbeförderungskiste. Zudem liegt es für uns via Großensee und Wandsbek einreisende Ossis ideal. Einmal zwischen Deichtorhallen und Kunstverein geradeaus durch, die gute alte Zeit mit ihrem hanseatisch-telegenen Dachrundgang für Alt- und Neuherausgeber links hinter mir und die Wissenschaftliches im Namen führende Sekte rechts liegen lassen und hinein. Für die Büddenwarderin ist das jedesmal so eine Art Dom-Erlebnis. Zwar würde sie nie in so ein Gerät einsteigen, das anderen Fahrvergnügen bereitet, aber hier muß sie in der Spirale mit hinauf in die fünfte Etage oder weiter. Dem sich ankündigenden Jahrmarktjuchzen anderer ähnlich gibt sie auch jedesmal bereits bei der Einfahrt diese tiefen Einatmungsgeräusche von sich, die den kommenden Streßprozeß erleichtern sollen, aber letztlich doch eher nach einem Seufzen klingen, das das bevorstehende Ende alles Irdischen ankündigt. Von der späteren Ab- beziehungsweise Höllenfahrt ganz zu schweigen. Ein wenig fehlt mir dann doch immer wieder das Verständnis, gehört diese An- und Abreisearchitektur dieses insgesamt ausgesprochen übersichtlichen Parkhauses doch zur großzügigeren ihrer Art. In deutschen Landen ward dem Automobil ohnehin immer ausreichend Raum eingeräumt. Das erklärt auch die Farbpaletten an den Wänden der Ein- und Ausfahrten französischer Parkhäuser. Hier dürften sämtliche, in den letzten Jahrzehnten für den deutschen Markt zusammengemischten Lackierungen dokumentiert sein. Nun gut, französische befinden sich schon auch darunter, aber um so einen kleinen Schrammer am nicht so heiligen Blechle wird hier eben nicht so ein Gewese gemacht. Das hat jedoch sicherlich auch damit zu tun, daß es in Frankreich immer schon andere Vorstellungen von Repräsentation bestehender oder vermeintlicher Vermögensverhältnisse gegeben hat. Wie der eine oder andere Sehrvielbesserverdienende seine Behausung hinter einer mindestens zweimannshohen Hecke versteckt, hält er sich mit dem Hinweis auf Verdienste auch im Straßenverkehr zurück. Zumindest läßt er den etwas größeren Hubraum hinter seiner dichten Flora stehen und fährt mit dem handlicheren Gefährt vom Saône-Tal nach Lyon hinein. Großstädtisch sieht man eigentlich ohnehin vor allem in Paris die ausladenderen Kutschen. Aber das ist ja auch nicht Frankreich. Hier gab's schon zu Zeiten, als landesweit ganz wenige der Sindelfinger Vertretungen ihren Service anboten — Lille, Bordeaux, Lyon, Paris, Marseille und, wie anders, Cannes beziehungsweise Nizza —, ein wesentlich größeres Angebot an Fahrzeugen, in deren Fond ein zeitungslesender Herr saß. Manchmal steuerte er auch selber, wenn auch nicht zeitungslesend. Aber in der Regel gab und gibt es für die etwas längere Voiture auch einen eigenen Parkplatz. Wenn nicht, dann klemmt eben grundsätzlich einer dieser Papillons zwischen Scheibenwischer und Windschutzscheibe. Wer tatsächlich einen Platz ergattert hat, für den nicht der Stundenautomat zu bedienen ist, läßt seinen Wagen am besten für alle Zeiten dort stehen. Wobei er es es höflicherweise unterläßt, die Handbremse anzuziehen. Denn wie anders soll sonst der andere in den vor oder hinter dem Dauergeparkten freigewordenen Parkraum rein- oder wieder rauskommen? Wer gar mit einer Stuttgarter L-Version aus dem Rechtsrheinischen kommt, der fragt bei der Hotelbuchung am besten und vorsichtshalber zunächst mal nach der Größe der Tiefgarageneinfahrt. Sonst kann es ihm wie an der Place d'Italie passieren, daß er mit Hilfe eines PKW-Fahrstuhls ins unterweltliche Le Parking einreisen muß, bei dem rechts und links der Außenspiegel gerademal je zwei oder auch drei Zentimeter frei sind. So er heil angelangt ist im Totenreich für Automobile, läßt er die für das Land zu lang geratene Limousine am besten bis zur Abreise stehen und bewegt sich mittels Metro oder lernt, wenn er über viel Zeit verfügt, die Stadt via Autobus kennen. Einer der anregendsten Plätze auf solchen Entdeckungsreisen ist der vorn, mit Fahrerblick. Wer dort gesessen hat, der wird sich nie wieder eines dieser Computerspiele zulegen, mit dem Autorennen simuliert werden. Auch wird er zukünftig darauf verzichten, sich Formel 1-Rasereien anzuschauen. Denn die Fahrkünste der Pariser Buspiloten sind nicht zu überbieten, jedenfalls innerhalb der Metropolen Europas. Wobei nicht vergessen werden darf, daß dem Riesengefährt auch absolute Priorität eingeräumt wird (was indessen auch für andere Städte gilt). Fährt dieses Gerät los, tritt jeder andere mächtig auf die Bremse. Aber auch anderswo ist es, schon aus Entspannungsgründen, angeraten, das Auto im Parkloch verschwinden und es dort stehen zu lassen. Eine Büddenwarderin läßt man vorsichtshalber vorher aussteigen und sie im salle de réception ein Gläschen nehmen. Das hat zum einen den Vorteil, eine eventuelle Hyperventilation zu vemeiden — oder zum anderen deren Lachanfall, der die Rangierbemühungen (hier mit dem Kleinwagen) des versierten Tiefgaragenpiloten auslösen könnte, der seine eigenen Warnungen nicht ernst genug genommen hat. Sei es im Hotel direkt neben der imposanten Cathedrale von Rouen oder dem am Cours Palmarole, ein paar Schritte von Perpignans knuddeliger Altstadt entfernt. Ein Vivat! auf die deutsche Parkhausarchitektur. — Aber mit der nächsten Generation dürfte eine Anpassung an die linksrheinische wohl ihren Lauf nehmen.
Diese Nullen Das mußte längst mal gesagt werden: «es geistern ja momentan sehr viele nullen durch die nachrichten, diese sind auch noch englische, deutsche oder amerikanische nullen. das macht die sache zwar nicht kompliziert, aber etwas vorsicht ist geboten»: Alles weitere bei kenzaburo
Spenglers Oswald und der Untergang. Zu dem machen wir gerne unsere Randbemerkungen (nein, Mark, das zielt nicht direkt auf Sie, sondern es hat mich, auch aus aktuellem, um nicht zu sagen akutem Anlaß, arg ins Grübeln gebracht). Mir ist nicht klar, ob er nicht darauf bestünde, recht gehabt zu haben im Zusammenhang mit den zeitgeistigen Beschäftigungen des 21. Jahrhunderts. Mit seiner sich selbst variierenden Umtitelei Die Vollendung der abendländischen Kultur hätte er das sicherlich nicht bezeichnet. Und in einem Punkt ist er nachgerade aktuell: das angelsächsische Trust-System hat Krieg gebracht, sowohl auf den Feldern als auch in den Spielstuben der Experimentierfreudigen. Ob aber die Welt an einem sicherheitsorientierten deutschen (preußischen) Wesen genesen wird, ich weiß es — oder glaube es eher nicht. Nun habe ich nicht unbedingt bei Herrn Spengler (alleine) gelernt, daß alles miteinander zusammenhängt. Wenn diese Wissenskette aber bewußt geschwächt wird, dann kann es durchaus zu einem Entgleisen des einigenden Zusammenhalts kommen (wenn letzterer überhaupt angestrebt wird). Wobei ich allerdings unschlüssig bin, ob die deutsche Mentalitätskraft alleine ausreichen könnte, die Lokomotive wieder in die Schiene zu heben. Und möglicherweise gar dem Geleis eine andere Richtung zu geben. Das dürfte, so, wie's aussieht, jedoch kaum gewollt sein. Hier nicht und dort auch nicht. Es muß ja geradeaus vorangehen. Wir wollen ja ein sichtbares Ziel haben. Und das liegt nur in einer Direktion. Es dürfte sich um eine Tatsache handeln, daß es überwiegend Menschen — aus allen möglichen (Einkommens-)Schichten oder auch gesellschaftlichen — mit Bildungs-, davor vielleicht auch noch mit Intelligenzdefizit sind, die sich in ein höfisches Leben mit seinem grandiosen Luxus sehnen. Und für den die etwas weiter unten in der Nahrungskette Angesiedelten unendliche Schulden anzuhäufen bereit sind. Da werden Kredite aufgenommen fürs klein Häuschen, obwohl alles darauf hindeutet, daß der Arbeitsplatz, wenn nicht unbedingt in Gefahr, aber dann unter Umständen doch demnächst in einer gänzlich anderen Geographie angesiedelt sein könnte. Urgroßvater und der Nachbar haben's vorgemacht, also muß man auch so eine Hütte haben. Mein Heim ist meine Burg, auch wenn's die Billigversion ist. Die mich dennoch die nächsten dreißig Jahre in der Schuldenfalle unentrinnbar festhält. Eine ordentliche Kalesche neben der leicht angerotteten für die Gattin und den Kinderfahrdienst möcht's auch noch sein, wenn der nebenan schon mit seinem Sechspänner rumfährt. Auch hier zwangsläufig die preiswerte Version aus dem Land, wo längst auch Nachbars Großkarrosse produziert wird. Dazu braucht's dann noch ein Navi, auf daß man sich nicht verfahre auf dem Weg in die zubetonierte grüne Wiese, wo der Billigheimer ja ständig seinen Marktplatz ändert. Nicht zu vergessen die unbedingt benötigten Gerätschaften, mittels derer einem die Bedürfnisse vorgeführt werden, die man gefälligst zu haben hat, soll es weitergehen mit der Wirtschaft. Denn die kommt schließlich uns allen zugute. Nieder mit dem höfischen Geprasse, haben wir mal sehr laut gebrüllt, und dann den Adel aufs Blutgerüst geschleppt. Und doch möchten wir selber irgendwie blaublütig sein, wenigstens in einer Nebenlinie, und ein bißchen was davon haben, von diesem LifeStyle. Man gönnt sich ja sonst nichts ... Vielleicht bin ich ja einfach nur müde.
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