abigott

Den einen mögen sie sehr, ihn himmeln sie sozusagen an, mit seinem Stellvertreter haben sie's nicht so, der paßt irgendwie so gar nicht in ihr Bild vom akzentfreien Glauben an den da oben Schwebenden. Das dürfte eher weniger mit seiner ursprünglichen Nationalität zusammenhängen, denn das alte Feindbild existiert entgegen aller Clichés schon lange nicht mehr. Und wenn doch Antipathien zwischen Nachbarn, dann ließe sich das auch daran aufhängen, daß er als römischer Quasi-Italiener auch nicht gerade beliebter ist oder wäre als der rechtsrheinische.

Für sie sei er der Unaussprechliche, sagt Florence, die diese himmlischen Tierchen zuzubereiten weiß (na ja, himmlisch eigentlich erst dann, wenn sie aus ihrem submarinen Reich herausgefangen und anschließend in den kochend heißen Himmel erlöst wurden). Nicht nur, daß man sich bei seinem deutschen Namen die Zunge zu einem dieser seltsamen Röllchen aus bröseligem Schinken und nach Blech schmeckendem Spargel verbiege, die sie mal mal habe essen müssen, als sie zu Besuch bei ihrer zu den Barbaren hingeheirateten Schwester in dieser ebenso nahezu unaussprechlichen Stadt namens Stugaa oder so ähnlich war. Auch der, den er sich anschließend zugelegt habe, komme bei ihr nicht eben sonderlich gut an. Als dieser verkünde er von seinem ewigen Monte Cassino herunter letztendlich genau das Gegenteil dessen, was das Leben eines guten französischen Katholiken et vice versa ausmache: höchstens eine Hauptmahlzeit pro Tag, kein wunderbares und -schönes Rindvieh aus dem Charolais, zu festen Zeiten und genausviel beten wie die Muselmans, arbeiten und ein bißchen Schlaf. Nun gut, letzteres sei ohnehin nicht zu ändern, wolle man sich was ordentliches von dem gönnen, das er ablehnt oder von dem er obendrein nichts verstehe: etwa sich die Füße und was sonst noch alles wärmen an ihrem Antoine und ihr Antoine an und in ihr. Und warum solle der sich nicht einen ansüffeln mit ein wenig mehr Nektar als benediktisch befohlen hier aus dem Bergerac oder anderswoher, wo's ja auch ordentliches Gewächs gebe, wenn er den ganzen Tag geackert und auch noch die Gänse für einen schließlich bevorstehenden fröhlichen Noël gefüttert habe.

Man könne ja über all das hinwegsehen oder es einfach ignorieren, auch seine mère immaculée sei ihm gegönnt. Aber davon verstünde er, wie gesagt, ohnehin nicht sonderlich viel, allenfalls, daß man damit ordentlich Bewegung schaffen könne in die da unten, in diese Prostitutionsmaschine, in dieses trou perdu, diesen finstren Geldschlund in den Pyrénées, wo die armen Verirrten abgekocht würden, anstatt ihnen Leibliches zuzuführen, auf daß sie auf natürlichem, also irdischem Weg wieder zu Kräften kämen. Daß sie aus dem Bauch ihrer Maman gekrochen sei, das wisse sogar ihre alte Tante Claire, die nun wirklich gerne in die Kirche gehe und auch Maria durchaus leiden möge, aber nicht als Übermutter eben, diese abseitige Frömmelei gehe selbst der ab, da sei sie sozusagen eher abigott.

Ganz schlimm sei, was dieser Unaussprechliche fordere: daß die Kirche wieder mehr Einfluß ausüben solle auf den Staat. In Frankreich. Ein Land, das deshalb so gut katholisch sei, weil es den Katholizismus über eine lange historische Periode auf seine Weise mitgeprägt habe und deshalb die geheiligte Dreieinigkeit in eben dieser Trennung bestehe: der liebe Gott, der Staat und dann, weiter hinten, vielleicht die Kirche. Fein säuberlich auseinandergehalten das alles. Heutzutage.

Und Narkozy nicke dazu wie ein Altvater. Puuhh ! Man könnte meinen, er wolle für seine Zukunft nach seiner Abwahl vorsorgen (für die sie, Florence, persönlich sorgen werde). Aber den Unausprechlichen ablösen, das gehe nunmal nicht. Dazu sei er zu oft verheiratet, meint sie, und wirft noch zwei dieser Tierchen aus dem Wasser ins Wasser. Und bereitet die Crème bavarois vor. Extra für ihn. Als Dank dafür, daß er endlich wieder zurückgefahren sei mit seinem Papamobil auf seinen Monte Cassino, um seine Mission von mehr Kirche im französischen Staat mit Narkozy als Botschafter des Vatikans zu verkünden.
 
Mi, 17.09.2008 |  link | (2267) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Linksrheinisches


nnier   (17.09.08, 09:49)   (link)  
Dazu passt vielleicht die ausnahmsweise mal ganz witzige Fotostrecke der sonst eher tristen Spiegel-Satire-Abteilung.

Unaussprechlich? "Derr bess-te vec narr ..." oder so hieß es mal in einem ganz einfachen Lautschriftbüchlein für französische Soldaten auf (befreundetem) deutschem Boden, über das ich vor Jahren eine kleine Notiz las. Vorschlag für die Tierzubereiterin: Yoseph ratte-cine-guerre?


jean stubenzweig   (17.09.08, 11:08)   (link)  
Strahlen
überkommt uns, der Sonne wegen, die warm auf venezianischen Breitengraden wandelt, und angesichts der himmlischen, vom irdischen Staat getrennten Bilder. Vor allem das erste hat es, zumal die Dame rechts eine gewisse Ähnlichkeit hat mit Florence, wenn die auch nicht ganz so bulimisch herumstehen würde. Aber sie entstammt ja auch nicht dem eigentlichen Land der Nouvel cuisine, der zeitgenössischen französischen Küche für deutsche Kunsthändler und deren kreativem Anhängsel sozusagen, die ja von dieser Medici aus Florenz eingeschleppt wurde, die (in grober Übersetzung) gesagt haben soll: Diese gallischen Bauernfraß fresse ich nicht. Wobei die eine Sprechblase nicht minder zutreffend ist: Deutsche Männer wollen immer nur das eine: Schweinsbraten mit ganz viel Sosze und Knödeln. Und ohne Kondom.

«Yoseph ratte-cine-guerre» ist beste Phonetik-Schulung. Sehr gut! Eine Nation bedankt sich.

Alles per elektronischen Rauchzeichen.















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