Mit dem Radio durch die Galaxie

Nahezu schicksalhaft tauchte dieses Textlein aus dem Fundus auf, wohl die selige Erinnerung an eine Zeit gemahnend, als ich noch nicht verunsichert war von schwarzen Löchern wie etwa dem, das inmitten unserer Milchstraße ruhend darauf lauert, sie in einigen Jahren zu schlucken, während ich mir ernsthaft Gedanken darüber mache, ob die Wahlen des kommenden Wochenendes in Frankreich, Griechenland und Schleswig-Holstein Veränderungen bringen werden.

Endlich ist es soweit: Die Antwort auf die Frage nach «dem Leben, dem Universum und allem» kann man vom 28. Dezember (1981) an im Bayerischen Rundfunk erhalten. In sechs Folgen zu je fünfzig Minuten versucht der britische Hörspielautor Douglas Adams mittels seiner Sience-fiction-Satire Per Anhalter ins All erschöpfend Auskunft geben über die brennenden Probleme der Menschheit: Warum wir leben, warum wir sterben und warum wir zwischendurch soviel Zeit mit Digitaluhren an Handgelenken verbringen. Der Bayernfunk hat mit diesem Sechsteiler sein bislang teuerstes Hörspiel produziert, die etwas später sendenden SWF und WDR steuerten als Coproduzenten bei zu dem 150.000-Mark-Projekt.

Das Spektakel beginnt mit der Apokalypse und bringt gleich britischen Humor ins Spiel. Arthur Dent, ein Erdling wie wir, sieht sich eines Morgens Preßlufthämmern und Bulldozzern gegenüber: Sein Haus soll abgerissen werden, um Platz für eine Umgehungsstraße zu schaffen. Seinen Sitzstreik beendet Arthur allerdings nach wenigen Minuten, da sein Freund Ford Prefect auftaucht und ihm klarmacht, es gäbe Wichtigeres: Die Welt geht unter, weil draußen im All eine Bauflotte der Vogonen, eine Art milchstraßiger Techno-Faschisten, den Auftrag hat, die Erde zu beseitigen, um eine intergalaktische Umgehungsschneise zu hauen. Und es passiert tatsächlich: Unser Planet wird zerstört. Arthur und Ford können gerade noch per Anhalter mit einem Raumschiff ins All entwischen.

The Hitchhiker's Guide To The Galaxy bescherte der BBC 1978 die bis dahin höchsten Einschaltquoten. In deutschen Binnenlanden wurde man erst zwei Jahre später wach, als Hans Pfitzinger den Stoff der Hörspielabteilung des Münchner Senders vorschlug. Er rannte offene Türen ein. Science-fiction, und auch noch komisch — das zündete endlich mal. Ernst Wendt, Regisseur und Chefdramaturg der städtischen Kammerspiele, übernahm die Regie, und eine Reihe prominenter Mimen trat die Sprachreise durchs All an: Dieter Borsche, Bernhard Minetti, Markus und Rolf Boysen, Hans Korte, Klaus Löwitsch, Felix von Manteuffel, Hans Reinhard Müller und Helmut Stange. Die Frauen in der Galaxie sprechen Barbara Freier und Doris Schade, die Musik komponierte Frank Duval, und die Effekte, mit denen das ganze Audio-Unternehmen steht und fällt, stammen von dem Toningenieur Günther Hess.

Die beiden Helden abenteuern vorwärts und rückwärts durch Raum und Zeit, bedienen sich des galaktischen Kreuzers «Herz aus Gold» und der neuesten Entwicklung auf dem Gebiet der Fortbewegung, dem Unwahrscheinlich-keitsantrieb. Sie erfahren, daß der Mensch nicht, wie bisher angenommen, nach den Delphinen das zweit-intelligenteste Lebewesen der Erde war. Die Mäuse, jene Nager, die zur Tarnung in den wissenschaftlichen Laboratorien in Laufrädchen herumrannten, hatten ursprünglich unseren Heimatplaneten maßschneidern lassen. Sinn des Vorhabens war: Die Erdkugel sollte als gigantischer Computer die Antwort auf die Frage aller Fragen finden. Dummerweise schlugen die Vogonen fünf Minuten zu früh zu. Den Mäusen bleibt nichts anderes übrig, als noch einmal von vorn zu beginnen. Slartibartfast, Spezialist für Küstenlinien, einst Gewinner eines Preises für die Gestaltung Norwegens, macht sich wieder an die Arbeit.

Bis sie die Antwort, die 42 lauten wird, erfahren, müssen Arthur und Ford noch mit allerlei lebensgefährlichen Begegnungen fertig werden, lernen den Erfinder des stärksten Drinks aller Zeiten, den Pangalaktischen Gurgelsprenger kennen und landen schließlich auf einer prähistorischen Erde, die von Sekretärinnen und Versicherungsvertretern bevölkert ist.

Wenn das Spektakel einschlägt, plant der Bayerische Rundfunk fünf weitere Folgen im neuen Jahr. Titel der Fortsetzung: «Das Restaurant am Ende des Universums.»


Flohmarkt: savoir-vivre, 1981
 
Do, 03.05.2012 |  link | (3297) | 18 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Kopfkino


kopfschuetteln   (03.05.12, 17:38)   (link)  
wenn ich an die geschichten von douglas adams denke, bekomme ich sofort gute laune. danke fürs aufheben.
und.
ich sag nur: frankreich.


jean stubenzweig   (04.05.12, 10:55)   (link)  
Gute Laune bekomme
ich ebenso dabei, hin und wieder schaue ich auch hinein in diese Bücher. Aber dieses Hörspiel bleibt mir unvergessen, und es dürfte in dieser Qualität unerreicht bleiben, da kommt meines Erachtens auch die gewiß hervorragende Fernsehproduktion der BBC nicht hin. Nun gut: derart dramatisiert kommt es dem Kopfkino Buch ohnehin am nächsten.

Ich hatte die Ehre oder auch das Glück, damals bei der Produktion dabei sein zu dürfen. Es war, bei aller konzentrierten Arbeitsamkeit, eine Stimmung wie im All, in dem die Planeten lachend zu explodieren schienen; Bombenstimmung klänge schlicht zu banal. Mit erfurchtsvollem Entzücken erinnere ich mich alleine daran, wie Bernhard Minetti bestimmt zwanzig Male den durch den Raum «sinkenden» Babelfish sprach, bis er bei donnerndem Applaus durch Kolleginnen und Kollegen samt der technisch Mitwirkenden definitiv angekommen war. Das waren die Kammerspiele, seinerzeit unter dem ebenfalls mitwirkenden Intendanten Hans Reinhard Müller ohnehin eines der besten Theater der Republik, in Höchst-, in Studioform eben. Der leider viel zu früh gestorbene Ernst Wendt hat damals einen Pfahl eingerammt, der in der Mondlandschaft der heutigen Avantgarde die Fahne geradezu verschwörerisch wehen lassen dürfte; auch hat Günter Hess sie kunsthandwerklich der analogen Zeit weit voraus, getönt, quasi gedengelt wie ein Sensenblatt, das durch die Wahrnehmung schneidet. Ich habe auf Cassette noch Mitschnitte von Sendungen aus der Mitte der siebziger Jahre (die im übrigen einwandfrei klingen, während diverse CD längst in schwarzen Löchern der Nicht-mehr-Hörbarkeit entschwunden sind), aber ausgerechnet diese Bänder finde ich nicht mehr in meiner von Umzügen geschaffenen Unendlichkeit der Fundi, die ich zur Weihnachtszeit 1981, trotz beinahe tödlichen grippalen Infekts, aus dem Radio gesaugt habe. Es handelt sich dabei mit um den größten Verlust meines Lebens.


jean stubenzweig   (04.05.12, 12:29)   (link)  
Frankreich vergessen
habe ich. In einem dieser schwarzen Löcher dürfte nun — hoffentlich! — Sarkozy verschwinden. Lange genug habe ich's ersehnt. Ich hoffe allerdings — wenn die Hoffnung auch zuletzt stirbt, aber sie tut es eben doch — für alle Zeiten dem Sein entschwunden zu sein, wenn eintreffen sollte, was Wahrsager für die nächste, übernächste Wahl menetekeln: Marine Le Pen als Präsidentin. Da krieg' ich Bauchgefühle: Eingeweideschauder. Das Babylonische ist mir gewiß näher.

Meine allzeit um mich besorgte Lebensberaterin Frau Braggelmann, das nebenbei, meinte soeben allerdings, ich benähme mich zusehends weltfremder, denn diese ominösen Gebilde aus Plasmen gäbe es in Wirklichkeit nur in der Waschmaschine, um darin Stinkesocken verschwinden zu lassen.


kopfschuetteln   (04.05.12, 21:36)   (link)  
nun, ich kann das nur lesenderweise, wenn überhaupt in irgendeiner weise, nur aus der ferne beurteilen. ich habe das gefühl: sie sehen am klarsten hier. vielleicht braucht man dazu auch eine art weltfremdheit?

ich las heute in der berliner zeitung: Der Wahlsieger in Frankreich wird damit leben müssen, dass sein Erfolg auch vom Votum einer erstarkten nationalistischen Rechten abhängt, die die französische Politik künftig stärker als zuvor prägen dürfte.
frankreich, das wahlergebnis wird auch für europa von immenser bedeutung. (ich meine griechenland, auch wenn es traurig ist, ist doch schon den bach runter. davon was die wahl hervorbringen wird, mal ganz abgesehen.)
wenn hoffentlich hollande gewinnt, werden wieder die märkte reagieren: hektisch, aufgeregt, dann kommen die wirtschaftsressorts wieder mit ihren wahnsinnigen metaphern (so wie immer eigentlich). anstatt, daß die märkte regiert werden. ach, es ist ein leid.

wir wollen uns lieber dem phantastischen zuwenden. denn da habe ich gleich eine frage, wenn sie gestatten. ich bin bei der suche nach dem titel per anhalter ins all auf cds gestoßen, in der rubrik audiobook. unter angabe genau der protagonisten, die sie nennen. ist das eine gekürzte oder überarbeitete fassung? ich habe ja mit dem hörbuch nicht so viel am hut, lieber höre ich einen podcast oder eine sternstunde unterwegs. aber das würde ich mir sofort zulegen, wenn es die aufzeichnung ist, die ich leider nicht kenne.

beste grüße aus kurz-vor-moskau.


jean stubenzweig   (05.05.12, 11:45)   (link)  
Zur bitteren Realität
zuerst. Die Anhänger von Marine Le Pen, gegen deren 2002 in die Stichwahl gekommenen Vater, aber auch gegen Sarkozy ich vor der letzten Wahl auf die Straße gegangen bin, gehen davon aus, daß sie spätestens zur übernächsten Madame le Président werde. Nun gut, was die Fangemeinde sich so ausmalt. Aber die Gefahr ist groß, ein bißchen übel wird mir dabei durchaus. Schon zu ihres Vaters Jean-Marie Regentschaft war es zum Beispiel in Marseille schier unmöglich, einen der kleineren Läden zu mieten, etwa Bar-Tabac, Journal et cetera, im 1. Arrondissement, also im Zentrum, im weitläufigen Bereich des alten Hafens bis hinauf in den multikulti-geprägten, ältesten Stadtteil Panier, aber durchaus auch in weiter weg gelegenen Quartiers, war man nicht Mitglied oder zumindest Sympathisant des Front National. Tochter Marine hat ihn nun mit Weichmacherparolen geöffnet. Doch manch einer derjenigen, die gewiß oder eigentlich überhaupt nicht in das Weltbild dieser Hasser all dessen passen, was ihnen fremd erscheint, hat sich ihm bereits zu Papas Zeiten zugewandt. Es gab viele Schwarzfüßler und sogar einige Beur, die für Rechtsaußen gestimmt haben, also für die, die sie dorthin zurückjagen wollen, wo sie nach Meinung der Frontkämpfer hergekommen sind, nach Afrika, unabhängig davon, ob sie fürs Land in den (Algerien-)Krieg gezogen sind, im Heimatland geboren und auch dessen Staatsbürger sind. Die sowie überhaupt viele Kleinstbürgerliche etwa aus dem Lager der Ladenbesitzer, da wären Bar-Tabac, Zeitungen oder Kleinwerkstätten, aber eben auch die Bevölkerung der kleineren Städte und der Provinz, die von der ruhmreichen Kolonialgeschiche des Landes nichts oder nichts mehr wissen wollen, machen einen großen Teil der potentiellen Wählerschaft aus. In diesem Gewässer hat Sarkozy nun um die Gunst des Èlecteur gefischt. Das hat ihm noch einmal ordentlich Gegensturm ins Segel geblasen, so daß gar der durch-und durch-altbürgerliche Bayou (wie Madame le Pen selbst) zur Stichwahl die Empfehlung verweigert hat. Ob's zur Abwahl reicht, bleibt offen, aber ich bin guter Hoffnung für morgen. Die gegen vermutlich erhebliche Stimmengewinne von Marine le Pen in fünf oder zehn Jahren ist allerdings bereits entschwunden. Auch hierbei bin ich froh, nicht mehr zu den Jungen zu gehören, nicht nur zu denen, die der amtierende Monsieur le Président einst wegkärchern wollte.

Dann das Phantastische.
Dieses Hörspiel auf CD? Ouf ! Das wäre doch einmal etwas, das mir das positive Denken anerziehen könnte. Ich habe mich ohnehin immer darüber gewundert, daß von den Rundfunk- und Fernsehanstalten mittlerweile alle möglichen mehr oder minderwertigen Produktionen verhökert werden, aber so manches Glanzlicht nicht. Mir (wie anderen auch) wurden damals gar bei meinen eigenen Produktionen schwerste bürokratische Hürden inart diverser Formulare in den Weg gestellt, wollte ich an einen Mitschnitt gelangen. Deshalb habe ich das Hörspiel auch selbst auf Cassette aufgenommen.

Nun hätte ich mich also zu korrigieren. Wenn es sich namentlich um identische Personen handelt, die als Mitwirkende ausgewiesen sind, dann dürfte es sich um besagte Produktion handeln; entscheidend ist dabei: es muß die von BR/SWF/WDR aus dem Jahr 1982 unter der Regie von Ernst Wendt sein. Ob es sich um eine gekürzte Fassung handelt, kann ich nicht beurteilen, es mir aber schlecht vorstellen, denn es wäre unsinnig, da es ja kaum Aufwand ist, so etwas auf CD zu kopieren. Die Urfassung umfaßte sechs Folgen à, wenn ich mich recht erinnere, sechzig Minuten.


kopfschuetteln   (05.05.12, 19:59)   (link)  
auch bitter: dieser kommentar
trifft es, finde ich, auf den punkt: Die offensichtliche Anbiederung von Nicolas Sarkozy an den Front National wirkt hemmungslos. Warum eigentlich regt sich bei den EU-Regierungen kein Widerspruch?
populismus aus reinem machterhalt, nur trägt der populismus leider früchte. und weil der artikel oben (ich hoffe, es ist ok, daß ich ihn verlinkt habe) überschrieben ist mit: doppelter tabubruch - das ist (auch) so ein "thema", welches nicht mehr thematisiert wird, wenn oder weil es zweckmäßige tabubrüche gibt, und dann doch wieder absolute tabus? das tabu an sich ist schon problematisch, wenn aber es verordnet wird und nicht mehr inhaltlich diskutiert. gute nacht.

in eine bessere galaxie: es sind 6 cds, über die spielzeit erhalte ich verschiedene angaben, mal 300 mal 375 minuten, dagegen stimmt: BR/SWF/WDR; deswegen auch die frage. und na ja gekürzt oder nicht. das ist so eine sache. das einzige hörbuch, das ich vollständig gehört habe, um (dann doch das buch wieder in die hand zu nehmen) im buch immer die passage für den nächsten tag vorzulesen, das war angeblich nicht gekürzt, trotzdem fehlten sätze.

aber, eine kürzung würde bei einem hörspiel freilich keinen sinn machen. nur, wer weiß schon...
ich habe mal bei mir einen link zur hörprobe des hörverlages (dhv) verlinkt (drücken sie bitte oben links auf das notenzeichen). scheinbar hat man sich 2005 für eine vermarktung entschieden.
(und ich habe da so eine idee, aber das mag ich hier so öffentlich nicht schreiben, weil ich das auf keinen fall mißverstanden wissen möchte.)


jean stubenzweig   (06.05.12, 12:28)   (link)  
Dieses Paket
dürfte es sein. Wenn ich die Hörprobe auch nicht unbedingt für einen guten Ausschnitt halte. Sie scheint mir doch arg auf ein heutiges, jüngeres Publikum, auf nächtlichen Waschsalon-Spaß zugeschnitten zu sein. Mir hätte beispielsweise Bernhard Minetti mit seinem großartigen, überragenden Monolog des untergehenden Babelfishs besser gefallen. Oder eine Passage mit dem nicht minder herausragenden Hans Korte, mit dessen unvergleichlicher, geradezu ätzerischen Stimme (ich erzittere heute noch, wenn ich an Horst Schlötelburgs lange Rede Von der Würdelosigkeit des Schreibens denke, den er im Bayerischen Hörfunk vorgetragen hat). Aber gut, altersweise Philosophie steht heutzutage nicht mehr sonderlich hoch im Kurs. Und wer weiß noch, wer Minetti oder Korte waren, deren Namen ohnehin nur Theatergängern in den Ohren klangen? Diese eben im Ausschnitt plappernden, erst im zusammenhängenden Ganzen verstehbaren Mäuslein bieten den meisten kurzweiligere Unterhaltung. Insgesamt ist es das ja auch, doch eben nur am Stück, das als Ganzes gehört werden will. Aber die Damen und Herren vom Marketing wollen wohl auf Nummer sicher(er) gehen, da reißt man eben ein Zitat aus dem Gebilde. Wie bei den Klappentexten der Bücher, die werden schließlich auch so gut wie nie von den Autoren verfaßt, sondern meistens von solchen, die mit dem ganzen Werk am wenigsten vertraut sind. Das hält nur auf. Früher wurde das mal von Lektoren mit Sitzen in den Verlagen erledigt, die auch die Bücher betreut haben. Die gibt's auch immer weniger.

Wie auch immer: Das scheint die Produktion zu sein: sechs CD, das käme hin. Und wenn ich mich recht erinnere, gingen solche Produktionen meist an den Hörverlag. Mir hat jedenfalls eine der Oberinnen dieses Hauses mal mitgeteilt, daß man einen Vertrag mit der ARD habe. Doch das liegt auch schon wieder eine ganze Weile zurück, ob das noch Gültigkeit hat, entzieht sich meiner Kenntnis, zu viele Sterne haben sich längst im Universum aufgelöst. Auch liegt es schier ewig zurück, daß ich das letzte Mal hineingehört habe, ich zehre letztlich von der Erinnerung. Dennoch nährt Ihr Hinweis meine Überlegung, mir die gebündelten CD anzuschaffen, und sei es aus nostalgischen Gründen. Nostalgie, laut Wolfgang Ruppert: Verklärung der Erinnerung. Ich könnte emporschweben ins Universum meiner seligen Zeit beim Rundfunk.

Als irritierend empfinde ich allerdings das Datum der Herausgabe: 2005. Entweder es geschieht wie am Buchmarkt, daß alles verschleudert wird, es möglicherweise nun einfach billig zu haben war. Oder es ist jemand «wach» geworden und/oder hat gemeint, auf das Trittbrett des Dauerbrenner-Buches aufspringen zu müssen. Als ärgerlich empfinde ich die dünnen Informationen zur Produktion. Doch auch dabei unterwirft man sich einer Entwicklung in der Mediengesellschaft, in der Abspanne durchrasend, also kaum lesbar, oder überhaupt nicht mehr gezeigt werden. Das ist eine schier unglaubliche Ignoranz der immerfort Information brüllenden Gesellschaft gegenüber den wirklich Kreativen.

Auf Frankreich komme ich gesondert zurück. Noch bevor die Entscheidung gefallen ist.


kopfschuetteln   (07.05.12, 20:00)   (link)  
ob der ausschnitt gut ist, das kann ich eben nicht beurteilen.

ich hab! (bestellt). irgendwie wundere ich mich (auch), daß eine einfache suche einen nicht direkt dorthin führt (oder ich war wieder zu blond) und mich, mit den unterschiedlichsten - und, ja sie sagen es: ignorant dünnen und dürftigen - angaben fast verzweifeln läßt ließ.

2005: das ist wohl 2005 noch einmal über den oder die? (kopfschuettel!) sender gelaufen und der kinofilm lief 2005.

ich freue mich jedenfalls auf das ganze werk, als gesamtwerk.


jean stubenzweig   (08.05.12, 14:26)   (link)  
Von dem Kinofilm
habe ich gar nichts oder nur so sehr am Rand etwas mitbekommen, daß ich's längst wieder vergessen habe. Sicher, das könnte das Trittbrett sein, auf das der Hörverlag sich gewungen hat. Und die Sender haben daraufhin eben ins Hörarchiv gekuckt. Aber allzu groß scheint das Interesse am Produkt nicht gewesen zu sein, sonst würde es nicht so lieb- und kraftlos offeriert. Doch die zumindest ausreichende Information dürfte der Zahn der Entwicklung weggenagt haben, es scheint, wie erwähnt, kaum noch jemanden zu interessieren.

Hoffentlich werden Sie nicht enttäuscht von diesem Klassiker des Hörspiels! (Auf Ihre eMil komme ich noch zurück. Jetzt muß ich erstmal aufs Renter-Heia-Sofa.)


kopfschuetteln   (08.05.12, 19:07)   (link)  
ich laß mich überraschen.

und, machen sie sich keinen stress.


jean stubenzweig   (08.05.12, 19:37)   (link)  
Den hab' ich schon.
Da ist doch tatsächlich so etwas wie Arbeit hereingekommen, und dann auch noch Schnellschnell. Ich habe es nie verstanden, wenn etwas auf den letzten Drücker geschehen mußte. Mangelhafte Koordination nenne ich das, unaufgeräumtes Hirn. Dabei wollte ich doch nie, nie wieder arbeiten, sondern nur noch auf Hängematte und Liegesofa machen.

Also, morgen dürfte ich wenig Zeit haben. Aber übermorgen. Voraussichtlich.


kopfschuetteln   (12.05.12, 14:17)   (link)  
nur ganz kurz angemerkt:
keine enttäuschung, überhaupt nicht. mehr ein riesenspaß und gute laune.


g.   (04.05.12, 04:16)   (link)  
Man muss sich übrigens nicht vor schwarzen Löchern fürchten, man kann auch hoffen, vorher von der Kontinentaldrift erwischt zu werden.


enzoo   (04.05.12, 07:34)   (link)  
mit der kontinentaldrift
kann man, die nötige geduld und lebensdauer vorausgesetzt, auch ordentlich an den flugticktes sparen, indem man sich an den rand der eigenen kontinentalplatte setzt und wartet, bis sie mit dem rand der zielplatte zusammenstösst und anschliessend trockenen fusses den zu bereisenden kontinent betritt. vielleicht ist das sogar, wenn schon nicht geschäftsidee für eine neue, ziemlich ökologische reisebranche, dann zumindest stoff für einen neuen roman: "per kontinentalplatte über den planeten".

über die ersten douglas adams bücher lache ich, der "raumschiff orion" und captain-kirk-seher-generation entstammend und dem absurden noch nie abhold, noch heute, wenn ich mal wieder einen blick reinwerfe. diese bücher haben unser leben zwar nicht verändert, aber doch beeinflusst, und das ist für einen satirischen roman schon bemerkenswert. beinahe jeder kennt die antwort "42" und woher sie stammt, sogar google spuckt das als antwort aus, wenn man die frage nach "answer to life, the universe and everything" stellt. aber nicht nur. selbst der ratio-verliebte konzern ibm taufte einen ihrer grossrechner, der den schachspielern der welt das fürchten lernen sollte, "deep thought", so also wie den computer im buch, der die berühmte antwort 42 von sich gab. (der name des computers "HAL" in stanley kubricks "2001 - a space odyssey" entstand übrigens durch verschieben der buchstaben IBM um je eine stelle nach vorne) - und schliesslich gab es, bevor leo.org und translate.google.com ihren siegeszug antraten, mit "babelfish.altavista.com" einen online-übersetzungsdienst, der nach dem babelfish, den man sich in adam's buch zum zwecke der verständigung mit den vogonen und anderen aussergalaktikern ins ohr steckte, benannt war.

soweit die trivia des tages.


jean stubenzweig   (04.05.12, 15:04)   (link)  
Kontinentalplatten-Verschiebungen
braucht es, bester Hinkebote, noch nicht einmal. Auch bei binnenirdischem Abkrachen ins Innere der Erde, zum Beispiel als Auffüllmaterial von Bergwerksstollen des Erzes oder sonstiger wertvoller, millionenjahrealter Stoffe wie Kohle oder Salz, kann man rasch in einem Loch verschwinden, das zwar kein schwarzes ist, aber so tief, daß man darin endet. Überhaupt: Kontinentaldrift ist mir hier zu irdisch, ich strebe nach Höherem außerhalb der Atmosphäre. Das Erdinnere hat doch mittlerweile jeder erkundet, der nur ein wenig weitblickender in die Ferne schaut als in die Milchstraße der täglichen Seifenopern. Längst sind intergalaktische Umgehungsstraßen durch das Universum Realität. Dort ist man mit acht Millionen Kilometern in der Stunde (Minute? Sekunde?) unterwegs.

Aber gewiß, das ist erdene Wirklichkeit: Täglich fahren Franzosen bei Lauterbourg oder Strasbourg oder Mulhouse über die Grenze, um auf der rechtsrheinischen Autobahn nach merkelschem Modell mal zweihundert Sachen brettern zu können, weil sie zuhause quasi rückwärtsgerichtet mit nur hundertdreißig gebremst werden und sich ängstigen, dort von einem hollandischen Krater verschluckt zu werden. Aber gerade das hat sein Gutes: So entsteht viel Platz für Langsamtuer, die Erkenntnisse sammelnd gemütlich von Péage zu Péage voranenteln.

Ich bitte um Vergebung, doch diese Thematik hält mich zur Zeit gänzlich im Bann. Dennoch muß der Rentier jetzt erstmal nickern. Ich bitte Enzoo also um etwas Geduld.


g.   (05.05.12, 05:57)   (link)  
Jetzt haben Sie mir wieder einige Bilder in den Kopf gespült, vom Bleistiftanspitzer in der Kommandozentrale der Orion bis zum Tanz im Starlight Casino. Und HAL und Dr. Strangelove poppt auch gerade hoch. Herrje.


jean stubenzweig   (05.05.12, 14:09)   (link)  
Ein Verfahren
zur viel- oder auch gernzitierten Entschleunigung wäre das unter Umständen, bester Enzoo. Einfach hinhocken und warten, bis die nächste Platte vorbeikommt, vergleichbar mit Busreisen auf dem Land: irgendeiner wird irgendwann schon mal kommen. Oder wie weiland Ödön von Horvath in Paris unter den Bäumen des Champs-Élysées flanieren, bis ein Ast uns erschlägt. So lernt man Geduld. Bis zum weltlichen oder Weltenende. Ich probier's einstweilen in meiner Lieblingsposition, dem Liegen. Vieleicht kommt ja die Decke runter. Alt genug wäre die Revolutionskate.

Diese Schöpfungen waren mir zwar allesamt bekannt, aber die Alltäglichkeit haben sie wohl ins temporäre Löchlein meines scheinbar nur noch mittelfristig funktionierenden Langzeitgedächtnisses entschwinden lassen. Aber wenigstens ist das ist kein schwarzes Loch, vor dem ich mich fürchten muß. Noch scheine ich zwar mein Erinnerungsvermögen nicht gänzlich ausgelagert zu haben in die Aufbewahrungswolke eines fremden Dienstleisters. Da ich dennoch Ihrer Hilfe bedurfte, bedanke ich mich herzlich fürs Wiederhervorholen aus dem Fundus.


enzoo   (08.05.12, 15:43)   (link)  
so richtig
mühsam wirds für die kontinentalplattendriftreisende und den kontinentalplattendriftreisenden ja erst, wenn sie mal eine kontinentalplatte versäumen und dann auf die nächste, die vorbei kommt, warten müssen. verdammt, was hat dieser wegener da bloss erfunden!















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