Verliebtheit, Ekstase, Hypnose und Amnesie

«Es gibt keine mystische Entzückung der Seele ohne vorherige Entleerung.»1

Eine Liebesheirat? Nach einiger, nicht bestimmbarer Zeit entzieht er sich so langsam der magnetischen Energie des reinen Gefühls, in dem es ein leichtes ist, in vernunftwidrige Rauschzustände zu geraten. Eine Liebesheirat? Gibt es heutzutage denn einen anderen Grund, zu heiraten? Gibt es überhaupt einen Grund, in den Heiligen Stand der Ehe einzutreten? Mit Gütertrennung und sonstigen präjudikativen Absicherungen? Ehevertrag! Einbeziehung des möglichen, fast sicheren Zerreißens eines gesegneten Bandes. Jedem Anfang wohnt ein Ende inne? «Die neueren Theorien», schreibt José Ortega y Gasset, «haben den kosmologischen Gesichtspunkt verloren und sind fast ausschließlich psychologisch geworden. Die verfeinerte Psychologie der Liebe hat, indem sie eine scharfsinnige Kasuistik ausbildete, unsere Aufmerksamkeit von der kosmischen, der elementaren Seite der Liebe abgelenkt.» Wie recht er hat! 1933 hat er das veröffentlicht. Meine Güte — wenn der geahnt hätte, was da noch alles den Lauf der Liebe bestimmen würde! Wenn er nur daran denkt, wie dieser Mann verunglimpft wurde während seiner späten Jugend, also während des Studiums. Es war unter den Sozialisten, denen er angehörte, sozusagen ein Verbrechen, den überhaupt zu lesen. Dabei hat dieser Klarseher davon geschrieben, daß er die Liebe meint und nicht die Verliebtheit, diese «psychische Angina». Es ist wie heute — man sagt Erotik und meint die Sexualität. Damals sprach man vom Bumsen und meinte — heimlich — die Verliebtheit. Rausch eben. Aber Liebe? Das war ein absolutes Tabu. Zumindest in unserem Elfenbeinturm der gebildeten Abgeklärtheit. Liebe hatte ein Anachronismus zu sein. Und Stendhal — den Theoretiker des Don-Juanismus, nicht etwa den geradezu glorifizierten Erzähler! — hat Ortega y Gasset ebenso der Unfähigkeit zur wirklichen Liebe geziehen wie auch Platon mit seinem platonisch-naiven, ja theoretischen Geplappere. Doch auch den durfte man ja nur aus der Perspektive der reinen Vernunft, für die Festigung der Gegentheorie lesen. Zu Diskussionszwecken eben. Also haben — mal wieder — ein paar Zusammenhänge gefehlt. Und dann wundert man sich, daß unsere Kinder die Blaue Blume mit der Roten Rose im Knopfloch verwechseln. Aus der Möglichkeit, das Leben als Roman, als Liebe zu leben, wird ein Leben, von dem man den brunftigen Klappentext hernimmt. Da werden dann Anzeigen geschaltet, in denen von einem säuselnd zärtlichen Abendessen vorm kerzenscheinbestandenen Kamin bei einem Glase roten Weines visioniert wird. Dabei war's arschkalt an den Kaminen der Romantik. Aber man fühlte sich eben hoffnungslos glücklich, weil man die Kälte der Beziehungslosigkeit nicht kannte und die innere Zimmertemperatur eher damit aufheizte: «Über den Turbinen und Maschinen mannigfaltiger Art, die wir in den Strom hineinsenken, dürfen wir nicht seine uranfängliche Kraft vergessen, die uns geheimnisvoll umgibt.» Das hat Ortega geschrieben, als das zweite Jahrtausend bereits gute dreißig Lenze zählte. Das also könnte ein Anlaß zur Heirat sein! Heutzutage. Wieder? Das ist durchaus eine Erkenntnis. Und vielleicht war es ja genau das, was geschah und sich lediglich aus einem bedauerlichen biologischen Ereignis heraus seiner Kenntnis entzieht. Aber damals?

Hatte er nach der Scheidung, deren eigentlichen Gerichtstermin er damals wegen des eindeutigen Tatbestands des «Böswilligen Verlassens» gar nicht hatte wahrnehmen müssen, nicht die ersten eigenen Gedankens meines Lebens produziert: Nie mehr! Es war auch zu absurd gewesen. Auf ihn, den doch arg jungen Studenten, ach was, das Jüngelchen, hatte die noch Jüngere blondäugige Blitze geworfen, auf den überdurchschnittlichen Rock’n-Roller, als der er sich sah. Dieser Tanz war zu dieser Zeit sein einziges Aphrodisiakum. Es funktionierte passabel. Sie fielen übereinander her, wie wegen des Saftüberdrucks kurz vor dem Platzen stehende junge Menschen sich eben ineinander verschlingen. Sie blieben länger in dieser wirren Körperhaltung, als er es gewohnt war. Es war nicht unangenehm gewesen. Denn als sie ihre meerwasserblauen Augen in seine nicht ganz so reinrassigen ähnlicher Pigmentierung versenkt hatte, um ihm zu eröffnen, daß sie gedenke, bei ihm zu bleiben, kam durchaus Wohlgefühl auf. Dies würde ihn wohl aus dem Gefühl der heimlichen Einsamkeit befreien, das ihn seit seiner frühesten Kindheit peinigte. Er gab seine Bude in der entgegen seiner Behauptung den Mitbewohnern gegenüber tatsächlich rein wirtschaftlich oder auch um nicht zu vereinsamen mitbegründeten Wohngemeinschaft in Charlottenburg auf, da man dem jungen Paar eine kleine Wohnung vermietete, obwohl es nicht verheiratet war. Berlin war in den späten sechziger Jahren dabei, sich an seinen Ruf als ehemalige Metropole de tolérance zu erinnern. Ach, Studenten, die sind eben anders, und wenn dann auch noch eine dabei ist, die richtig arbeitet, also offiziell als Lohnsteuerzahlerin gemeldet ist, also Geld verdient! Vielleicht war es auch einfach nur die Not des Vermieters, die Wohnung nicht so ohne weiteres für teures Geld vermieten zu können. Der große Treck aus West-Deutschland war damals noch nicht so recht in Schwung gekommen. Man richtete sich ein. Das erste Asko-Regal wurde gekauft, das Mobiliar der damaligen Besserverdienenden. An Geld mangelte nicht — Mama konnte es nicht verhindern, daß Papa den Sohn wahrlich nicht darben ließ. Nach drei Monaten kam das jüngste Gericht in Form eines Paares über sie. Es kam aus einer nordhessischen Kleinstadt. Er stand in der Mitte des Zimmers und dirigierte Mutter und Tochter mit einer einzigen Armbewegung in Richtung Tür. Solange ihr nicht verheiratet seid, lebt ihr auch nicht zusammen! Die verweinten Augen der Jüngeren und die wohl im Weiblichen begründete Sanftmut der Älteren stimmten den Feldherrn der Moral unter der Bedingung um, daß innerhalb von zwei Monaten geheiratet würde. Es geschah der Wille des Herrn. Da der Aussteuerschrank, der im Zonenrandgebiet stand, von beachtlicher Größe war, mußte die Wohnung im Umfang angepaßt werden. Auch die Umgebung wurde einem jungen, solventen Ehepaar gerecht, dem die Zukunft gehörte. Der Mietpreis für die hundertzehn oder hundertzwanzig Quadratmeter des inzwischen zu Schrebergärten parzellierten Jugendstilhauses befand sich wie die Ortslage außerhalb der gesetzlichen Preisbindung. Sie paßte zur Entfernung zum Zentrum der Stadt, wie die Nachbarn im Kopf nicht weit entfernt vom evangelischen Johannis-Stift, dahinter war die Welt zu Ende, dann kam der falsch oder nicht verstandene Kommunismus. Spandau bei Berlin, sagte der Busfahrer beim Grenzübertritt. Und wenn er besonders berlinisch eingefärbt und auch noch Eingeborener war, rief er in der Gegenrichtung in der Ruhlebener Straße: Berlin bei Spandau. Doch das junge Paar machte seine mitternächtlichen Zwanzig-Kilometer-Ausflüge zur Bowling-Bahn am Lehniner Platz — dort, wo das ehemalige Revolutionstheater ‹Schaubühne› von Peter Stein eine postmoderne neue Heimat gefunden hat — mit dem väterlichen Geschenk männlicherseits, mit dem Volvo. In diese mittelständische Karosse war er, weitere drei Monate später, dann auch eingestiegen, nachdem er sich von der jungen Ehefrau, bis übermorgen, verabschiedet hatte. Um in einer anderen großen Stadt als in einem Vaterschaftsprozeß auszusagen. Sein Wunschkind mit, das einer anderen Frau war zu diesem Zeitpunkt etwa ein Jahr alt. Zu den beiden fuhr er nach der Gerichtsverhandlung. Ehefrau und Schwiegermutter gaben eine Vermißtenanzeige auf.

Wiederholt Geschichte sich auch im Mikrokosmos? Gibt es kein Entrinnen auch aus den unangenehmen Faktoren der Erbanlagen oder der Sozialisation? Er wußte es nicht. Denn im Gegensatz zu der gut fünfunddreißig Jahre zurückliegenden Station konnte der Seefahrer sich an die jüngste Reise nicht erinnern. Hatte er, nur um einen ihn nicht anerkennenden Heimathafen anzulaufen, so sehr allen Stürmen zu trotzen versucht, daß ihm deshalb und dabei der Himmel auf den Kopf gefallen war? Ohne jeden Zweifel lag ein Dysfunktion des Gehirns vor. Das hatte er schriftlich vom Chefarzt einer Universitätsklinik. Von einer Amnesie hatte der nichts gesagt. Aber der weiterbehandelnde Neurologe hatte immer dann herumgedruckst, wenn das Thema angesprochen worden war. Weitere Fragen hatte er sich dann erspart und war überhaupt nicht mehr zum Arzt gegangen. So folgte auf die Amnesie die Auto-Amnestie wenigstens aus dem Gefängnis der grüblerischen Selbstdiagnose. Denn daß ihm etwas fehlte, das wußte er. Er wußte nur nicht, was ihm fehlte. So spannend empfand er's dann auch nicht.

Möglicherweise war es diese Frau, die sich aus seinen Ganglien davongemacht und lediglich Duftpartikel in ihnen zurückgelassen hatte. Doch allem Anschein nach war er es, der nach einem schlimmen Unfall mit erheblichem Personenschaden die Flucht ergriffen hatte.


Zwei Tage • Eine sentimentale Reise • Fragmente eines Romans. 2002
 
So, 01.01.2012 |  link | (2372) | 7 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Werbende Wirklichkeit

Von allem der Anfang

Betrachtete ich mich selbst, ich sähe mich in einem dieser Werbefilme, in denen die Männerwelt noch in Ordnung ist. Zumindest die des materiellen Mittelstandes. Ich liege in einer eigenartigen Wirklichkeit — in einem lichtdurchfluteten sogenannten Designerbett, inmitten eines großen, nahezu dekorationsfreien, in der Sprache der bei der Kunst klauenden Werbetexter und ihrer journalistischen Nachplapperer also minimalistischen Zimmers, das infolge dieser Logik lediglich von hochwertiger Unterhaltungselektronik illustriert ist und auf dessen gleißend weißen Wänden sich eindeutig die Mittelmeersonne bricht. Wie die Gestalter diese symbolhafte Ausleuchtung zuwege gebracht haben, ist mir quasi nicht ganz einleuchtend. Und als Eyecatcher haben sie noch eine riesige, halb heruntergebrannte, wachsfarbene Kerze installiert, die zweifelsohne den sakralen Charakters dieses Raumes betont. Sehr publikumswirksam. Und es ist ein Duft, den man meiner leicht bewegten Nasenspitze ansieht und der sehr langsam, aber mit ausreichender Geschwindigkeit, demnach kosten- und zuschauergerecht mein linkes Augenlid nach oben fahren läßt. Der verbale Spot kommt von einer zauberhaft méditerranen Stimme, die in undinengleichem, aber dennoch erdennahen Ton einer Polyglotten, also vermutlich Stewardess oder Fremdenführerin, verkündet, der Café sei fertig. Das Werbefilmchen endet mit dem Eintreten der Person, die zu den Flötentönen gehört, sozusagen meine persönliche Melitta. Selbstverständlich ist sie mit einem weißen Unterhößchen und einem T-Shirt gerade noch gewandet. Hierbei muß dem Requisiteur allerdings ein Fehler unterlaufen sein, der ihn den Job kosten könnte. Es sei denn, eine andere Firma hat sich an den Produktionskosten beteiligt. In unübersehbaren Kapitälchen auf den augenfängerischen Wölbungen des bis zum Bauchnabel reichenden Hemdchens wird in Abwandlung der Immunschwächenwarnung verkündet: Gib GATES keine Chance! Wie auch immer — es muß sich um eine unvergleichliche Nacht gehandelt haben. Der Fernsehzuschauer kann gar nicht anders denken. Und ich nicht minder. Ich schalte wohl besser diese durch mein Hirnkino laufende Seifenoper ab und versuche wenigstens auf die vor mir stehende Realität einzugehen. Daß die Natur bisweilen kitschiger ist als deren Abbildung, das erschwerte ein Gespräch und ließ mich fast wieder zurücksinken ins Kissen weichgespülter Erinnerung.

Langsam erinnere ich mich genauer. Ich hatte ihr damals gar nicht richtig zugehört. Ich wollte, aber konnte den Blick nicht abwenden von diesen fast schwarzen Augen in Form der Landkarte Armeniens. Das war viel mehr, als mich taggeträumt hatte. Da stand dieses Modell einer Marseillaise vor mir. Das war die Ausgeburt der von vielen rechts des Rheins so gefürchteten Hölle Multikulti, die im südwestlichen Europa nicht nur zum Alltagsbild gehört, sondern ohne insofern unvorstellbar ist, als sie sonst gar nicht die erforderlichen Temperaturen produzierte. Und es war wieder mal typisch für mich fleischgewordenen Schwarzseher. Anstatt den einstmals geplanten Eroberungsgedanken wenigstens ansatzweise umzusetzen, schoß mir die Frage durch den Kopf, wer mit dieser pechfarbengekräuselten, zu Lande schwebenden Wasserfrau wohl das Leben teilen darf. Welcher bachmannsche Hans* ihr wohl dieses Leben zur Hälfte nahm. Doch diese Nixe würde ihren Trottel vermutlich auch noch lieben, weil ihr seine Eitelkeitsseele wurscht war. Daß ich einmal dieser Hans sein sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt, nach der Mitte der neunziger Jahre ja noch nicht ahnen.

«Ich weiß von einem angenehmen, privat geführtem Haus mit identischem Komfort, dort drüben, gegenüber, an an der Ecke, am Quai du Port. Hôtel Residence», sprach sie mittenrein in meine orientierungslos verstörten Augen. Es sei auch etwas günstiger. Etwas. «Dort haben Sie auch einen Blick auf den Hafen, auf das Meer. Ich kann es Ihnen besorgen. Mit einem Balkon.» Dann war es das erste von vielen späteren Malen, daß sie mich mit leicht spöttischem Blick auf meine Absenz aufmerksam gemacht hatte. Ob sie so undeutlich spreche, ob ich sie nicht verstanden hätte? flüsterte sie mir ihre Ironie direkt in meine herumirrend abwesenden Augen. Nein-nein, doch-doch, hatte ich gestottert und mich wagemutig entschuldigend zu einer Bewunderung ihrer Erscheinung aufgerafft, daß ich gerade zwischen ihren elektronischen Briefen, die sich aus einer einstigen Korrespondenz mit ihr als Mitarbeiterin des Tourismusbüros ergeben hatten, und ihrem Äußeren eine nachgerade phänomenale Übereinstimmung festgestellt hätte. Daß meine Wunschvorstellungen von ihrer Erscheinung völlig überrollt wurden, verheimlichte ich. Ein anderer würde es strategisch-diskret nennen. Bei mir handelte es sich um schiere Feigheit. Oder um Angst, etwas Falsches zu äußern. Und ohne sichtbar auf einen Erfolg aus zu sein, hatte ich ihn offensichtlich. Denn die Reaktion war ein zauberhaftes Lächeln. Ich hätte das ausnehmend schön gesagt, und es würde ebenso mit meinen Briefen konform gehen, die ich ihr gesandt hätte und über deren ungewohnte Ausgeschriebenheit für einen rein geschäftlichen Vorgang wie den einer Hotelbuchung sie erstaunt gewesen sei. Dennoch sei ihre Frage damit nicht beantwortet. Nun erinnere ich mich sogar peinlich genau, daß ich ziemlich dümmlich gefragt hatte, um welche Frage es denn ginge, bitteschön. Da hatte ich dieses herzerfrischende, fröhliche Lachen, diesen von Alt bis Sopran schwingenden multiplen Glockenklang zum ersten Mal gehört. Sie hatte dann ihre Frage in etwas einfacherer Form wiederholt, mich noch mehr verunsichernd, da ich meinte, leicht spöttische Blitze in ihren Höllenaugen gesehen zu haben.

Dann hatte ich ihr Banales von meiner ambivalenten Beziehung zu dieser Hotelkette erzählt, die allüberall im Land zentral gelegenen alten Familienbesitz aufgekauft hatte, von meiner Neigung zu großen, komfortablen und auch insgesamt Freiraum bietenden Zimmern. Ohne Familienanschluß. Ihr leichtes Schlucken nach der letzten Anmerkung hatte ich nicht interpretieren können und es deshalb sofort aus möglichen Zerwürfnissen gedrängt. Drei Tage später war ich dann umgezogen — sozusagen worden — in ein für ein für mein sonstiges Hotelprogramm geradezu gigantisches, wunderbar helles, außerordentlich dezent komfortables Zimmer, in das andere Mercure, dem im Börsen-Zentrum, in architektonisch gleichermaßen nicht sonderlich gelungener baulicher Einheit mit den Nouvelles Galeries, in dem nicht so viele Halstuchträger herumstolzierten und Kofferträger oder Chauffeure zwischen Hotel und Garage standen. Es war mehr eine Arbeits- und Kurzreisendenherberge, gerne frequentiert auch von nordafrikanischen Gästen. Das war mir tatsächlich eindeutig sympathischer. Und auch nochmal hundert Francs günstiger als der Meeresblick in der Gründerzeit-Schatulle am Quai des Belges, wo man für den Luxus knarzender Dielen und fehlender Steck- oder Telephondosen gesondert zahlen durfte. Wie im Libertel Beaux-Arts Tradition an der Place des Jacobins in Lyon auch. Nach ganz weit oben hatte sie mich verfrachtet, mir eines dieser sogenannten Club-Zimmer organisiert, mit Blick auf Notre-Dame de la Garde beziehungsweise Altem Hafen und dem Tor zum Château d'If oder nach l'Estaque oder den von mir ganz persönlich entdeckten Îles de Frioul, der Île Pomègues, aus deren Turm ich von einem Saint-Louis befreit worden war, noch bevor ich diese andere, mit ihm verwandte Sehenswürdigkeit kennenlernen sollte, die hier vor mir stand und die ich offensichtlich irgendwann geheiratet hatte. Daß ich später, wieder ohne Familienanschluß, einmal in einem dieser Türme vis-à-vis ganz oben landen würde, war noch nicht einmal von Ahnungen eingekreist.

Zuvor hatte sie noch ohne irgendwelche Ausflüchte oder sonstiges Aufheben meine vorsichtig-höfliche Frage nach einem gemeinsamen Essen und ungewöhnlich knapp beantwortet und mich damit in völlige Verstörtheit geschickt: Ja, sehr gerne. Heute abend? Sie kenne ein angenehmes kleines Restaurant hier in der Nähe. Oder ob ich mehr die gehobene Ausstattung wünsche? kam's noch leicht süffisant hinterher. Dann müßten wir allerdings umdisponieren. Oder so ähnlich. Gelächelt hatte sie dabei, daß ich nicht wußte, ob sie mich nun veräppelt oder einfach nur nett zu mir ist. Ich war völlig fertig mit den Nerven. Was würde sie wohl ihrem Hans* an Ausreden vorlügen? dachte ich so für mich hin. Geschäftsessen? Na ja, was anderes wäre es auch ja nicht. Dennoch war ich so außer mir, daß ich gar nicht mehr wußte, wohin ich zuerst hinrennen sollte, um die zwei Stunden bis zu unserem Rendez-vous totzulaufen. Eine Seefahrt kam ja nicht infrage. Da war mir die Gefahr zu groß, während der fünfzehn Minuten zwischen Château d’If oder dreißig zwischen den Île des Frioul und dem Quai des Belges zu kentern und somit die zarten Anfänge einer Begegnung über Bord zu werfen. Also kreiste ich, angebunden an die Leine der Hoffnung, wie ein Satellit weiträumig um ihren Standort, der Anlaufstelle für Touristen. Für alle meine anderen ziellosen Ziele würde ich Zeit genug haben, wenn sie mir gesagt haben würde, daß sie sich für den schönen Abend bedanke und dann doch endlich zu Mann und Kinderchen zurückkehren müsse. In meine Hoffnungsschimmer getaucht, wollte ich keinen Menschen sehen. Also würde ich nicht zu meiner Aussichtsplattform vor dem Bar-Tabac an der Ecke Rue Pythéas an der Bushaltestelle gehen. Das wäre mir zuviel Reizüberflutung gewesen. Nur an sie wollte ich denken, mich von den anderen Urbanantilopen nicht ablenken lassen. Nach einer eventuell mißlungenen Verfolgung dieser einen würde ich meiner Augenjagd ausreichend frönen können. Einen schöner, angenehm ruhiger Platz nistete sich alsbald in meinen Gedanken ein. Nistplatz Place de Lenche.

Und heute, fast vier Jahre später, wurde ich also von meiner langjährigen Ehefrau sogar zum Aussichtsturm gesandt. Die Erinnerung daran, daß er zugleich unser gemeinsamer Treffpunkt war, daß dort ein braver Ehemann seine Gattin in der Regel von der Arbeit kommend erwarten würde, die hatte noch nicht so recht Einzug gehalten.

Doch ich bin sicher, daß auch dieses Geheimnis sich lüften ließ. Denn immer mehr heben sich die Schleier. Und fühle mich so gut, daß ich es schon wieder mit der Angst zu tun bekomme. Einen Narren würde sie mich jetzt schelten. Als ich dann langsam, aber um so heftiger Sehnsucht nach ihr bekomme und inmitten dieses Einsamkeitsanfalles in Richtung Canebière schaue, hat Gott Schicksal — nein: Göttin Schicksal, Déesse, die Schwester des gleichnamigen Automobils DS 21, Déesse Destinée also! — tatsächlich Mitleid mit mir und läßt sie mich erblicken. Doch sie bewegt sich, entgegen ihrem sonstigen Eilschritt, ungewohnt langsam. Rennt sie nur so, wenn sie mich am Bein hat? Ständig schaut sie nach unten, dreht sich dann wieder um. Doch nun sehe ich des Rätsels Lösung. Sie spricht mit jemandem. Nun denn. Sie ist hier zuhause. Gott und die Welt kennen meine Göttin. Bei mir wird das noch ein Weilchen dauern mit dem Kennenlernen der neuen Welt. Ich schaue kühl in die Zeitung und tue so, als ob mir das Herz eben nicht zerspränge ob ihrer Ansicht. Und tatsächlich sehe ich in Marseillaise einen Vorbericht auf La Marseillaise, diesem riesigen, klassischen, knapp einwöchigen Pétanque-Turniers mit über zehntausend Spielern, das jedes Jahr im Juli im Parc Borely mit Finale am Alten Hafen stattfindet. Immer ein paar Wochen vor der Meisterschaft des Jeu provençale, das im Gegensatz zur Rentnerversion Pétanque mit Zwanzigmeteranläufen gespielt wird. Pétanque ist die einzige Sportart, die mich ein bißchen interessiert. Wohl deshalb, weil ich die Kugeln auch einigermaßen zum Ziel hin bewegt bekomme, dem Cochonnée, dem Schweinchen. Und weil ohne Pastis nichts geht? Früher war's jedenfalls so. Da mochte ich dieses anisgetränkte Zielwasser im Übermaß. Als ich wieder aufblicke, steht in etwa zwei Metern Entfernung meine Elfe und lächelt. Meine Güte, sie steht vor mir wie im Traum. Sie war zuhause und hat ihr dunkelblaues Kleid mit den weißen Punkten angezogen. Obwohl es noch recht frisch ist. Auch das Kleid. Oder hat sie es mal eben in den Nouvelles Galeries aufgetrieben? Es ist ihr zuzutrauen. Nein, es ist kein Traum. Doch, es ist ein Traum. Er findet allerdings in der Wirklichkeit statt. Ich lächle begeistert zurück. Ja, das ist diese Entzückende, die ich vor vier Jahren ganz hier in der Nähe geküßt habe. Die mich geküßt und dann geheiratet hat. Der Vorhang hebt sich zusehends. Meine Güte, habe ich ein Glück! Ich bin zurück. Mitten im Kitsch.

* ... daß ein Mann Hans heißen muß, daß ihr alle so heißt, einer wie der andere. Es ist immer nur einer, der diesen Namen trägt. Ingeborg Bachmann: Das dreißigste Jahr, in: Das dreißigste Jahr, Erzählungen, Piper-Verlag, München 1961

Zwei Tage • Eine sentimentale Reise • Fragmente eines Romans

 
Sa, 23.07.2011 |  link | (1232) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Das Doppelleben des Herrn Palomar

oder Vom Verlust der Sinne
«Die Gegenwart aber, die in der Mitte liegt, ist so kurz und unfaßlich, daß sie keine Länge annimmt und nicht mehr zu sein scheint als die Verbindung des Vergangenen und Künftigen und außerdem auch so unbeständig, daß sie nie am selben Ort ist; und alles, was sie durchläuft, nimmt sie von der Zukunft weg und legt es der Vergangenheit zu.»
Henri Bergson, Zeit und Freiheit, Paris 1920. Frankfurt am Main 1989, S. 171

Als wenn es das Zu-Ende-Spielen der Tonleiter bedurft hätte, versteht er — mit einem Mal? — diese Intentionen. Gewiß, erkennende Schmunzeleien ergaben sich bereits bei Italo Calvinos hilflos in sich und der Literatur Verlorenem, der die Welt wahrlich hätte begreifen können, aber dann doch die ‹virtuelle› der Literatur bevorzugte. Ob Dummheit oder Lebensuntüchtigkeit den von diesem Buch Ergriffenen davon abhielt, mit Genuß in den dargereichten Apfel zu beißen, oder schlichte, vom Kardinalsmantel des an der Literatur Interessierten einhüllende Schüchternheit, das läßt der Italiener die Treppe der ironischen Distanz hinunterfließen.

Das definitive Urteil quillt ohnehin aus allen Furchen der eigenen Erfahrung, verknüpft mit diesem schiefen deutschen Sprichwort vom Spatz in der Hand und der Taube auf dem Dach. (Ist der kleine Sperling nicht ohnehin sehr viel begehrenswerter? Sollten wir nicht seinetwegen aufs Dach schielen? Doch vermutlich ist er zu flatterhaft, zu sprunghaft, zu behende, zu flink, und so träumen wir von der scheinbar Unerreichbaren hoch oben in der Ferne und bilden uns in unserer Bequemlichkeit ein, dieses feiste, gerade mal ein wenig mehr schillerndere Tier verkörpere die Sehnsucht.) Doch da ist doch noch diese ganz andere, sehr viel tragischere, im nachhinein sicher auch um so komischere, also tragikomische Erinnerung: die ausreichend Möglichkeiten bietet, diese männliche (?) Unbeholfenheit zu interpretieren.

Hier die in der Anfangsblüte stehende Schönheit und dort diejenige, die bereits die Nacht in der Hand des Verkäufers durchlebt hatte, dessen feingeschnittenes Gesicht eben jene, seiner Ware ähnlichen, Pigmentierung kennzeichnete, die aus Säften entstanden ist, deren Wurzeln aus tiefem Sand gerissen und zwischen den Kalkstein und den Lehm des französischen Jura verpflanzt worden waren.

Heute ist ihm klar, daß der senegalesische Herrscher über die weibliche Welt seines Reiches, die kleine Bar, es arrangiert hatte. In fürstlicher Gastfreundschaft hatte er dem Besucher gestattet, im dargebotenen Zelt die Jungblüte zu bewässern. Und wie reagiert der? Er wendet sich in stoischer Dämlichkeit der bereits fest im Beet Verankerten zu, ihr, die bereits Literatur war. Der aufscheinende Glanz der Zukunft hatte ihn derart geblendet, daß ihm auf einmal auch die Gegenwart in die uneinholbare Vergangenheit entflattert war. Der Gedanke an die so nahe, neben ihm sitzende Taube in der Hand war offensichtlich reizvoller, und weg war er, der Spatz, und putzte sich oben auf dem Dach fröhlich sein Gefieder.

«Es wurde dunkel. Unten endeten die Felsen, schräg abgleitend, in einer kleinen Bucht. Sie war jetzt dort hinuntergegangen und stand im Wasser. ‹Komm her, laß uns noch einmal schwimmen ...› Amadeo biß sich auf die Lippen und zählte die Seiten, die er bis zum Schluß noch zu lesen hatte.»*

Eigentlich fehlte nur noch der in Calvinos Palomar personalisierte Härtefall, jener «diskrete Zeitgenosse», der «weiß, daß Frauen in solchen Situationen, wenn ein Unbekannter daherkommt, sich häufig rasch etwas überwerfen», daß «aus halbrespektierten Konventionen mehr Unsicherheit und Inkohärenz im Verhalten als Freiheit und Zwanglosigkeit erwachsen», der seinen wiederholten Wandel-Gang über das immerselbe Stück Strand begründet: «Das dürfte genügen, um die einsame Sonnenbadende definitiv zu beruhigen und alle abwegige Schlußfolgerungen auszuräumen. Doch kaum naht er sich ihr von neuem, springt sie auf, wirft sich rasch etwas über, schnaubt und eilt mit verärgertem Achselzucken davon, als fliehe sie vor den lästigen Zudringlichkeiten eines Satyrs.» Und so quadratiert er sein ‹moralisches› Kreisen denn: «Das tote Gewicht einer Tradition übler Sitten verhindert die richtige Einschätzung noch der aufgeklärtesten Intentionen.»**

Dabei ist's ihm wohlergangen. Denn er vermochte sich vor der Brandung anlandender Aufwallung hinter dem Fels verbergen, dem ihm sein bißchen bürgerlich-aufgeklärte Erziehung hingestellt hatte. Gänzlich hilflos wäre er gewesen als jener in den Servennen. Als dieser hätte er die langen Philosophenwege am Ufer des Flüßchens erst gar nicht auf sich genommen, sondern hätte, seinem hugenottischen Gedankenfluß folgend, den Fels in dessen Einzelteilen protestierend genutzt und damit die ruchlose Nacktheit in die züchtige Bekleidetheit zurückgejagt. Die Gegenwart köchelte nach wie vor im Tiegel einer Vergangenheit, die selbst einer noch glimmenden Schlafzimmerglut den Hut der apodiktischen Dunkelheit aufsetzt. Unvorstellbar ist es für diesen ‹Traditionalisten›, daß es eine Gegenwart gibt, in der eine zweisame Nacktheit im grellen Bühnenlicht und noch dazu von einer Frau gesungen wird: «Pépère tellement pépère / Pas pressé d'arriver /Se laisser la riière / Gentiment déborder / Nager c'est magnifique / Même s'il y a qu'l'océan / Qui reste pacifique / Et pas pour très longtemps. // Reste sur moi / Que je respire avec toi /Reste sur moi / Que je respire avec joie.» (Ruhig, ganz ruhig / Es nicht eilig haben, anzukommen /Den Fluß ganz langsam / Übertreten lassen / Schwimmen, das ist herrlich /Auch wenn nur / Das Meer friedlich bleibt /Und das nicht für sehr lange Zeit. // Bleibe auf mir / Damit ich mit dir atme / Bleibe auf mir / Damit ich mit dir Freude atme.)*** Dies bedeutet ihm das Höllenfeuer Zukunft. Ihm ist die Vergangenheit immerwährende, gültige Gegenwart.

Palomar darf sich also glücklich schätzen, nicht in einer solchen festen Burg wohnen zu müssen. Palomar darf sich überall in seinen geistigen Umwandlungen ergehen — und auch inmitten der großen Stadt wieder in sein Fazit zurückgejagt werden. Da war er, von der idealen Aussichtsplattform eines Straßencafés aus, gerade dabei zu konstatieren, daß, «obwohl Angehöriger einer älteren Generation, für welche sich Nacktheit des weiblichen Busens mit der Vorstellung liebender Intimität verband, dennoch mit Beifall diesen Wandel der Sitten begrüßt, sei's weil sich darin eine aufgeschlossene Mentalität der Gesellschaft bekundet, sei's weil ihm persönlich ein solcher Anblick durchaus wohlgefällig erscheinen kann», daß es ihm also «gelingen möge, genau diese uneigennützige Ermunterung in seinem Blick auszudrücken». Die Hoffnung auf eine demgemäße Erwiderung für diese erbrachte ihm die wild um sich blickende Flucht des Objekts seines Urteils «vor den lästigen Zudringlichkeiten eines Satyrs» in ein nebenliegendes Ladenlokal. Vielleicht war die Ermunterung in seinem Blick falsch ausgelegt worden? Und sehr verwirrt erschien ihm Herr Palomar auch, als sich die Stimme eines Körpers, der seinen bewegungsreichen, lasziven Gang direkt im Stuhl neben ihm beendet hatte, auf sein Ohr zubewegte und ihm bedeutete, es sei wohl eine angenehme Tagesbeschäftigung, den Mädchen, den Frauen zuzuschauen.

Herr Palomar tat ihm nachgerade leid. Wie er seine Anordnungen auch reihte, sie schienen zu mißlingen. Dabei hätte er sich nur erinnern müssen. Er hatte sich in der Cafeteria eines Kaufhauses einen dieser Säfte aus der Auslage genommen, die vornehmlich der Gesundheit vorbehalten waren (und dennoch durchaus schmackhaft waren). Und als er den Kopf wieder gehoben hatte, stand sie auf einmal da. Da er sich der Gefahr bewußt war, wiederum als Satyr eingestuft zu werden, wandte er den Kopf rasch zur Seite, wobei sein Blick allerdings hineingerieht in eine ganze Ansammlung von Anmut und Schönheit. Da die drei Generationen jedoch ins Gespräch vertieft waren, ließ er seinen betörten Gedanken auf ihnen ruhen und faßte dann den Mut, sich wieder umzudrehen in der Hoffnung, die dunkelhäutige Schönheit könnte sich bereits an einen anderen Ort begeben haben. Doch schier verzweifelt stellte er fest, daß sie, wohl nach dem passenden Getränk suchend, noch immer vor der Kühlvitrine verharrte. In einem Anfall von Mut ruhte sein nachgerade verstörter Blick eine Weile auf ihr — den sie erwiderte. Nein, sie lief nicht weg. Sie bedeckte nicht ihren Busen (was derzeit auch nicht unbedingt notwendig gewesen wäre) oder ihr vollendet geschnittenes Gesicht. Sie schaute ihn an. Und als sie an dem Platz vorbeikam, an dem er sich niedergelassen hatte, erwiderte sie seinen Blick nicht nur nochmals, sie lächelte ihn gar an. Dabei stand in seinem Gesicht sicherlich nicht unbedingt jene uneigennützige Ermunterung, sondern vermutlich eher eine ratlose Hilflosigkeit, wie sie einen befällt, wenn man nicht Herr seiner Sinne ist.


*Italo Calvino: Abenteuer eines Lesers, in: Der verzauberte Garten, Berlin 1998, S. 48
**ders., Der nackte Busen, a. a. O., S. 9 f.
***Patricia Kaas, Je te dis vous, 1993

Zwei Tage • Eine sentimentale Reise • Erzählungen

 
Mi, 16.02.2011 |  link | (2481) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Spiegelei

Nun lacht es schallend aus ihr heraus. Und was war das für ein Lachen! Hatte ich so etwas je gehört? War das ein Klang. War das ein Lied. Sie lacht ein Solo, wie Léo Ferré es hätte nicht komponieren können, damals in Avignon oder einer anderen Kathedale, für eine Stimme und seine drei Symphonieorchester, die zwar auf ihren Einsatz warteten, aber genau wußten, daß sie diesen Mezzosopran nicht würden überklingen können und deshalb gleich schwiegen und warteten, bis des Meisters gesungenes Maschinengewehr den endgültigen beethovensch' fragenden Brüller gab: Muß das sein? Sie hält sich am Rand des Waschbeckens fest, und es schüttelt sie. Und wieder strömen bächeweise Tränen aus ihr. Doch es sind schallend gelachte Tränen, mehr Krach konnte auch ein Bataillon aus Anarchisten nicht veranstalten. Und wieder bin ich es, der begossen dasteht und nicht begreift, um was es geht. Und wieder kommt ein Wust an Wut in mir auf, der sich gleich verbal Platz schaffen würde. Doch ich komme nicht zu Wort.

Wie denn auch. Das bißchen, kommt es kleinlaut in mir auf, das ich weiß, steckt tief in dem Modder einer sogenannten alten Welt, in den eine Moderne mich tief versenkt hat, in den paar Relikten, die unsere Ausgräber aus den sehr viel älteren Kulturen herausgekratzt und als ihre Weisheiten vermittelt und in meinem Museumskopf ausgestellt haben.

Sie kenne eigentlich nur ein Bild von mir, sagt sie. Das im Spiegel. Aber zu gerne spräche ich von einem einzigen, das andere hätten, hielten sie es in eine Leinwand aus Fernsehen. Und diesen Narzißmus würfe ich ausgerechnet ihr vor. Aus dem Griechischen käme das. Nárkissos. Krampf oder Lähmung oder Erstarren. Dabei sei ihre Sprache älter als der Keil, der nicht nur das Rad in die Geschichte gespurt habe. Obendrein sei eine Blume daraus entstanden. Zwar würde sie in Europa bevorzugt den Toten gewidmet. Sie aber lebe. Sie sei schließlich auch und immer noch ein Teil Tunesiens und Persiens. Integriert sei sie zwar ins Land. Aber eben nicht assimiliert. Wie das so viele gerne verwechselten.

Ich stehe im Badezimmer und betrachte den Spiegel.


Zwei Tage • Eine sentimentale Reise • Erzählungen
 
Di, 18.01.2011 |  link | (888) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Schrei der Vergangenheit

Sie habe noch drei Kollegen, die bei seiner Hochzeit mitgefeiert hätten, erwähnt sie wie beiläufig, sie könne das durchaus belegen, wenn es sein müsse, einer der Mitakteure befinde sich ebenfalls in der Stadt. Heftig war's. Drei Tage lang. Oben an der Place de Lenche. Er meint, leichte Verzückungen in ihren Mundwinkeln zu sehen, während sie spricht, die Lippenmuskulatur scheint über das gewohnte französische Formen von Sprache hinaus zu sprechen, das Gesicht nahezu spitzmündig ganze Nächte genüßlich nachzuschmecken, als ob sie sich über ein Wochenende dort hätte einschließen lassen, wo der Champagner in den Trüffeln wächst.

Photographie: Jean-Pierre Jeannin CC

Erstaunt schaut er seine Gesprächspartnerin an, mit der er in der kleinen Bar sitzt, wie auch die Cafés hierzulande genannt werden, nachdem sie ihn im Panier an seiner alten Dame-des-Accoules angesprochen, ihn eine Weile angeschaut und dann gefragt hatte, ob er sie nicht wiedererkenne. Entschuldigt hatte er sich und es auf sein schlechtes Personengedächtnis geschoben. Nur allzu vage, von zu weiter Ferne her schien ihm da etwas auf. Es war ihm letztlich dann aber nicht schwergefallen, auf das Angebot der sympathischen, leicht angegrauten, jedoch überaus frischen und obendrein erfrischenden Dame einzugehen, sich auf eine kleine Plauderei niederzulassen.

Sie war nach einigen Jahren wieder zurückgekehrt ans Criée, dem Nationaltheater von Marseille. Überdruß am alles einebnenden Zentrum da oben, meinte sie, vielleicht auch ein wenig einem allgemeinen Strom des Ruhesuchens in der Provinz folgend, möglicherweise die alte Liebe der Pariser zum Mittelmeer, das ja mittlerweile so rasch erreichbar sei mit dem TGV und weniger umständlich und auch nicht zeitaufwendiger als mit dem Flugzeug, von Stadtmitte zu Stadtmitte, in drei Stunden nur. Auch werde damit der abseitige Ruf der Stadt ein wenig korrigiert, die Distanz zu Afrika etwas vergrößert. Das sei diskutabel, aber für viele Motivation zum Aufbruch ins südliche Abenteuer. Nachmittags in den Zug steigen, Zeitung lesen oder auch im Buch, das lange schon bereitläge, gut essen, dann in eine Aufführung hoher Güte gehen, anschließend die Nacht durchfeiern, und morgens früh wieder zurückfahren. Oder sich gleich ein Appartement zulegen. Sie wohne aus Kostengründen zur Miete, wenn das mittlerweile zwar auch schon abenteuerlich, aber nicht zu ändern sei. Entscheidend sei jedoch, daß sie vermutlich endgültig zurückgekehrt ist in das lebendige Haus am Quai de Rive Neuve. Auch wenn die Stadt sich extrem wandele und zusehends einem europäischen Wolkenkratzer zu ähneln beginne, so habe sie sich ihren familiaren Charakter doch bewahrt. Ihr Engagement bis vor gut zehn Jahren sei ihr in zu guter Erinnerung gewesen. Und damit verbinde sie auch die erwähnten drei Tage. Er möge sich jedoch den Kopf nicht weiter zermartern, wisse sie doch, daß der nach diesem wunderschönen Ereignis in ein enormes Amnesieloch gefallen und er deswegen längere Zeit in einem Hospital gewesen sei. Die andere Hauptakteurin habe ihr davon berichtet.

Von der mittlerweile im fernen überseeischen Westen Ansässigen wußte er, daß damals mächtig was losgewesen sein mußte an dem kleinen Platz oben im Panier. Und er mittendrin, als direkt Beteiligter. Ebenso erinnerte er sich an die mehrfache Erwähnung, nach der das halbe Théâtre La Criée ebenfalls teilgenommen und das zweite Arrondissement leergetrunken habe. Das Ereignis selbst war noch immer nicht in seiner Erinnerung angekommen und würde es, wie manch anderes an Vergangenheit, vermutlich auch nicht mehr. So war er gezwungen, zu glauben, was ihm erzählt wurde. In gewisser Weise hatte er sich daran gewöhnt. Zumal dieses aktuelle Zusammentreffen vertrauenswürdig schien, auch wenn er ein wenig den Verdacht schöpfte, es könnte arrangiert sein. Aber diese Eindrücke holten ihn ohnehin immer wieder ein seit der denkwürdigen Begegnung Anfang des damals neuen Jahrtausends. Ein paar Jahre fehlten ihm schlichtweg. Sie wurden nach und nach aufgefüllt — allerdings hauptsächlich durch die Schilderungen anderer. Und so erfreute er sich am zunächst beiläufig eingestreuten, dann jedoch ausführlicher werdenden Bericht seiner einstigen Trauzeugin. Zudem hörte er ihr gerne zu in ihrem gelösten Theaterfranzösisch. Als ob Anne Brochet ihn ein wenig mit Rostand erheitern wollte, leicht durchsetzt von einem bißchen Molière.

Lächelnd erwähnt sie die Äußerung des Standesbeamten gegenüber dem Kollegen, wenigstens einer der Beteiligten trage hinten einen Namen, den er auszusprechen in der Lage sei. Getobt habe der Brautvater, wenn auch später, außerhalb der amtlichen Räume. Seit tausenden von Jahren werde hier in dieser Stadt zumeist anderes als französisch gesprochen und geschrieben, nur im Geist dieses barbarischen Xénophobe in Amtsschärpe sei das noch nicht angekommen. Nun benötige er, der Bräutigam, auch vorne noch einen aussprechbaren Namen, habe der geistiger Getränke Ungewohnte noch nachgeschickt. Und immer wieder hoch das Glas, Santé, Santé, Santé, Champagner sei schließlich kein Alkohol, man müsse nur ganz fest glauben, die Wurst sei aus Fisch, wie seine jüdischen Freunde ihn, den nicht so ganz Bibelfesten des Koran, aufgeklärt hätten.

Jetzt, da sie das erzählte, erinnerte er sich daran, wenn auch weniger als Teilnehmer, sondern mehr aus den Erzählungen seiner damals mit ihm Wiedervereinigten. Sie hatten ein zweites Mal geheiratet, wenn auch nicht amtlich, das hatte die Behörde nicht gestattet, war die Ehe doch besiegelt. Romantische Regungen und behördliche Vorgänge schlössen einander aus, meinte der Amtmann damals mit einem Lächeln, aus dem zunächst nicht ersichtlich war, ob es von Hilflosigkeit begleitender sanfter Ironie oder beißendem Sarkasmus geprägt war. Doch dann setzte er nach, lediglich für eine Scheidung dürfe man diese Akte wieder aus dem Trésor holen, für die Verbindung von Romantik und Ehe müßten sie selber sorgen, Betriebsanleitungen hole man sich am besten im Theater, das örtliche sei sehr zu empfehlen, habe er gehört.

Zwar hatte man vor, das rauschende Fest ihm zuliebe zu wiederholen, wohl auch in der Hoffnung, die ins Stocken geratene Erinnerungsapparatur wieder ingang zu setzen. Aber ein solches Stück ließ sich eben nicht wieder aufnehmen, darüber war man sich bald im klaren, zumal es die Akteure in die weite Theaterwelt zerstreut hatte. So blieb es bei einer eher stillen Feier im familiaren Kreis, wie es beispielsweise bei Beerdigungen heißt. Und ein bißchen was davon hatte es letztlich auch, denn nach der Zusammenführung dessen, das zusammengehört, schloß das Paradies seine Pforten dann doch recht bald wieder. Seit langem schon liebte man sich auf Distanz, besuchte einander hin und wieder und lebte nach langen Flügen in langen Gesprächen von dem, was einmal war oder von dem, wie es einmal gewesen sein könnte. Daß es nie wieder so werden würde, darüber herrschte beredtes Schweigen. Vielleicht würde es tatsächlich eines Tages wenigstens zurückkommen in sein Gedächtnis, würde es aus der Langzeiterinnerung wieder aufleben. Aber bis dahin mußte er sich eben auf das verlassen, was ihm angeboten wurde als Baustein zur Vergangenheit.

Fortwährend habe dieser fröhliche Muselman versucht, das Brautpaar zu verscheuchen, in dessen nahegelegene Wohnung, ein paar Schritte nur von der Place de Lenche in die Rue de l’Évêché, neben dem vermutlich ältesten italienischen Restaurant der Neuzeit, in dem, so würde kolportiert, offenbar auch Jean-Claude Izzo manchmal seinen Wurzeln nachschmeckte. Sie erinnere sich nicht, inwieweit ihm das gelungen sei, aber diese dreitägige Festivät, die sicherlich zumindest einmalig mit der später legendären Fiesta des Suds in Konkurrenz treten konnte, habe ihre Aufmerksamkeit doch recht in Anspruch genommen seinerzeit, so daß sie es nicht genau schildern könne. Aber eines sei ihr nie aus dem Sinn gegangen: der Grund der Verschickungswünsche des Brautvaters. Nachdem seine Tochter ihn immer wieder darauf hingewiesen habe, sie habe den arabischen Nachnamen abgelegt und trage nun einen aus der Lorraine stammenden, der allerdings keinerlei deutlichen Hinweis auf die Pied-noirs zulasse, auch wenn er das noch so herbeisehne, was ihn jedoch nicht davon abhielt, mittlerweile stimmüberschlagend, immerfort zu krächzen: Egal, es gibt überall wunderbare Pied-noirs, auch in der Lorraine, man muß nur für Nachwuchs sorgen, sie dürfen nicht aussterben, Hauptsache sie werden andere Franzosen als die jetzigen.

Es wurde ein überaus kurzweiliger Nachmittag. Er wurde abrupt beendet von einem Mobiltelephon, aus dem der Leidens-, ja Todesschrei einer Frau klang, der ihn wie auch die anderen Gäste des Cafés aufschreckte. Keine Sorge, meinte sie knapp, während sie in die dicke Jacke geradezu sprang, sie schreit nur einmal. Es war der Ruf zur Probe von Cyrano de Bergerac, die sie vergessen hatte, ihren Einsatz als Roxane. Übrigens, schickte sie, fast in der Tür, noch hinterher, die Wiederaufnahme der elf Jahre alten Inszenierung. Man habe sich ihrer erinnert, er möge das doch auch tun, damit habe schließlich alles seinen Lauf genommen. Und weg war sie. Die Vergangenheit. Aber er war sich sicher: sie würde wiederkommen.


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Fr, 13.11.2009 |  link | (1875) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Elfenbein und Meeresschaum




Bevor sie ins fensterlose Badezimmer seiner kleinen Fluchtburg hoch oben in der Rue Monge im Fünften ging, meinte sie noch beiläufig oder auch verschmitzt lächelnd, Liebe suche die Einheit, und die heiße nunmal Heirat und folglich Ehe. Daran führe kein Weg vorbei, jedenfalls in ihrem Blut einer Beurette, das immer aus der Moderne zurückfließe in die Behaglichkeit des Altbewährten. Ihm war gar nicht wohl bei diesem Gedanken. Sicherlich wünschte er sich kaum anderes, als weiterhin von den Gezeiten dieses Gefühlsozeans hin- und hergeworfen zu werden. Aber er fürchtete ebenso, darin qualvoll unterzugehen. Spätestens seit seinem letzten, nicht sonderlich lang anhaltenden, dafür aber weit zurückliegenden Versuch, Teil einer solchen Einheit zu sein, lebte er in einer Rüstung. Die hatte er nach seiner Flucht aus der Enge des Einsseins ausgerechnet dort gefunden, wo die Liebe zuhause sein soll. Doch immer wurde jeder Wunsch nach Berührung seinerseits zunehmend von der Angst vereitelt, sich verlieren zu können. Und nun sollte er freiwillig dort ins Wasser gehen, wo die Meere unterschiedlicher Kulturen zusammentreffen und deshalb die Wogen am höchsten hinaufschlagen?

War er anfänglich noch ein temporärer Besucher des einen oder anderen befriedigenden Hauses, reduzierte sich das Verlangen in dem Maß, als er endlich begreifen lernte, daß es sich dabei eben um nichts anderes handelte als um professionelles Anfassen. Doch eine Erinnerung hatte sich eben recht lange gehalten, die an eine Frau um die Dreißig, an eine, die auf dem unordentlichen Lager geäußert hatte, diese Zärtlichkeit sei sie nicht gewohnt. Sie hatte es genossen, und er nicht minder. Doch wahrscheinlich war das im Gewerbe eigentlich strikt untersagt und sie einfach noch zu unerfahren gewesen. Vermutlich wurde sie, wenn sie's denn überhaupt berichtet hatte, von den Kolleginnen gerügt. Es könnte jedoch auch so gewesen sein, daß auch sie in privaten Räumen gerade niemanden für die andere Liebe zur Verfügung hatte und sich ein wenig davon kommen ließ. Wie auch immer, es hatte sich eingegraben in ihn. Es war ein so herrlich angstfreier Austausch von stofflichen und nichtstofflichen Entäußerungen. Er hatte seine sanften Berührungen bekommen und konnte anschließend wieder gehen. Es gab keinerlei Verpflichtung, sich auch noch um das Innenleben dieser Person kümmern zu müssen. Allerdings hätte auch kein Jota Energie zur Verfügung gestanden. Sein Mikrokosmos hielt noch den geringsten Teil des ohnehin schon reduzierten Gefühlshaushaltes als eiserne Reserve für die Abwehr der Angriffe von außen zurück. In der Ökologie der Gefühle war die Seelenkraft für das Wesentliche reserviert: für das Ich.

Nach zwei, drei weiteren Versuchen, dieses Erlebnis über die Mär von der käuflichen Liebe aufzufüllen, hatte er es aufgegeben. Es mußte sich um einen Ausnahmefall gehandelt haben. Dieser köstliche kleine Tod, wie man ihn hier nennt und wie er ihn für sich erweitert hatte, war ohne ein intensives Miteinander offenbar nicht zu sterben. Denn das erfordert Hin-, wenn nicht gar Aufgabe. Doch eine solche Kraft brachte er nicht auf. Also lenkte er den Energiefluß auf sich selbst. Die Gefahr, in sich umzukommen, war nicht so elementar, als durch eine Liebe hingerichtet zu werden, die einem ein anderer Mensch abverlangte. Sobald sich erste Anzeichen einer Gefährdung der inneren Sicherheit ergaben, wurde das platonische Prinzip hochgelobt, im Härtefall nahm er auch das Argument gleichgeschlechtlicher Neigung zuhilfe, was allerdings noch mehr Nähe zur Folge haben konnte, worauf die Verbindung strikt unter-, nein, abgebrochen wurde. Um des eigenen Seelenfriedens willen geriet er auch körperlich zum Eremit. Aber das ist ja wohl auch der Sinn eines solchen Daseins. Andererseits taugt zu einer solchen Existenz nur der, der dafür geschaffen ist, der Frieden mit sich oder einer höheren geschlossen hat. Bei ihm war es eine Tugend, die ihm die Not einer Einsamkeit geschaffen hatte, die nur im Alleinsein erträglich war.

Manchmal stahl er sich winzige Berührungen des Inneren über das Äußere bei Anlässen, bei denen er sich nicht unbedingt dem Verdacht aussetzte, gefühlsselig zu sein. Eben nur dann, wenn ein Ast aus einem fremden Garten überhing. Aber es geschah nie bei solchen höchst seltenen Wesen wie dem, das in diesem gleichermaßen gefahrvoll nahen wie endlos fernen Badezimmer wünschte, ausgerechnet ausschließlich von ihm gereinigt zu werden. Von ihm, dem der Angstdreck aus allen Poren lief, er könnte in einen Abgrund geraten, aus dem er sich vor langer Zeit gerade mal eben noch hatte retten können. Es war die peinigende Furcht, es könnte eine Liebe heranwachsen, sie durch Zärtlichkeit noch befruchten, die irgendwann am Zenit angelangt sein würde. Und der Zenit ist der die Zeit tötende Übergang aus der Gegenwart in die Vergangenheit. Die Zukunft wäre damit eliminiert. Und mit der getöteten Zukunft wäre auch die Hoffnung gestorben — die Hoffnung wenigstens auf das Standbild einer Episode. Er als Bewahrer des Stillstands aber wollte diese gerade langsam wieder in Bewegung geratenen Bilder nicht. Der Film wühlte sich ohne Rücksicht auf seine Sehnsucht nach immerwährender Dunkelheit aus den Abgründen seines Gedächtnisses ins Licht des Projektors. Hauptdarstellerin war diese Frau, der er die Zukunft geraubt hatte, indem er ihr gegenüber Regungen zeigte, die sie für Liebe hielt. Und das alles nur, um sein Bild von Gegenwart zu konservieren. Mochte Pygmalion doch Aphrodite herbeipfeifen, um seine Statue zu beleben — er hatte Angst vor dieser Göttin. Und wenn er jetzt in dieses Badezimmer ging, das ohnehin immer auf Körpertemperatur gehalten war, würde Blut fließen. Aphrodite hatte wahrscheinlich ihr Operationsbesteck schon wieder vorbereitet. Mochte die sich überall einmischende Schaumgeborene doch anderen ihren Genitialienmeerschaum injizieren. Er wollte sein reines, strahlendes, unbelebtes Elfenbein behalten, das ihm Leben gab. Wie es war, in seiner göttlichen Konsistenz.

Doch dann ... Die zweite Flasche eines einige Jahre alten Gloria hatte die Erinnerung in ihm abgerufen und sie mit Sehnsucht gepaart. Wie der Kleinwüchsige aus Albi kam er sich vor in diesem angenehmen Etablissement mit dem freundlichen Personal. Dann stand auf einmal sie vor ihm und lächelte ihn an. Sie hatte sich verändert und hier ihre Position eingenommen. Ihretwegen ließ er fortan alle seine Grundsätze fahren, er wurde ständiger Gast des Hauses. Es folgten beinahe tägliche Spaziergänge im Jardin, dann regelmäßiges frühabendliches Speisen drüben bei ihrem Landsmann im Dreizehnten, jeweils bevor sie ihrer Tätigkeit an der Place de la Bastille nachging. Immer öfter kam sie danach zu ihm hinauf unters Dach und unter die Decke. Zusehends enger wurde es in der kleinen Behausung, die dem unauffälligen, weil hellhäutigen Sans Papier für nicht wenig Geld untervermietet worden war, nicht nur der Koffer und Taschen wegen, die sie nach und nach mitbrachte.

Nun sitzt er am Tisch wie der Rest eines zerrütteten Denkers. Die Tür des Badezimmers öffnet sich. Aus der Perspektive des diffusen Sonntagswinterlichts im Flur strahlen die fünfmal sechzig Watt des Badezimmers sie von hinten aus, als ob’s in einem dieser schrecklichen Fünfziger-Jahre-Filme aus Hollywood stattfände. Aber das ist eben nicht Doris Day oder Ava Gardner und sonst eine dieser Vorläuferinnen der Barbie-Puppen. Das ist eine olivfarbene Statue, bekleidet von seinem weißen Frottéebademantel, den sie einmal um sich herumwickeln könnte, der jedoch lose und offen an ihr herabhängt. Er möchte Elfenbein riechen. Aber der Geruch von Meeresschaum dringt in ihn ein. Gäbe es nicht eine Vergangenheit zwischen dieser Skulptur und ihm, sie begänne wohl in diesem Augenblick. Es ist jedoch bei weitem nicht nur der zum Duft mutierende Geruch, der ihm den Atem nehmen will. Es ist die Zukunft, die ihm die Luft abschnürt. Dieses Morgen, das ihm sein Standbild verwackelt. Die Angst rüttelt in seinem Kopf. Doch das Leben ist bereits anwesend. Es ist in sie gefahren.

Er würde nun wohl weiterziehen müssen.


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Mi, 23.09.2009 |  link | (2779) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Im Elysium

Mit einem Mal schießt es mir in den Kopf — ich habe vergessen, mein Medikament einzunehmen. Fünf Stunden ist es über die Zeit. Das geschieht sonst nie. Es ist eine Arznei, die Hirnaussetzer verhindern soll. Solche, das mir so eine Art kleinen, na ja, nicht diesen zu recht berühmten französischen kleinen Tod, der ist in bestimmten Bereichen ohnehin Frauen vorbehalten, wenn das auch diskutiert wird, aber doch einen sehr schönen, weil absolut schmerzfreien bescheren kann — wenn es stattfindet wie vor ein paar Jahren.

Mir ist seltsam zumute. Nicht, daß mein Körper das Fehlen des Medikamentes spürt. Doch ich denke darüber nach, wie es wäre, jetzt ein Ende zu machen. Das wäre doch die im Wortsinn heilvolle Beendigung eines Kapitels, unter das längst ein Schlußstrich gezogen gehört. Seit langer Zeit gelten meine Überlegungen immer wieder den eventuellen Versuchen, allem ein Ende zu machen, dieses jammervolle Dasein der Einsamkeit zu beenden. Hier und jetzt. Das wäre es doch. Vielleicht geschieht es noch einmal wie damals. — Ganz leicht entgleitet alles. Ich sehe mich liegen. Ich höre die Stimmen der anderen Menschen um mich herum. Eine Frau ruft nach dem Notarzt. Ein Galerist, der zuschaut, wie ich langsam in mich zusammensinke, schaut unsäglich dämlich, vielleicht aber auch nur hilflos drein. Später werden sich die Ärzte aus beruflichen Gründen um mich sorgen. Im Krankenhaus habe ich mehrere dieser Anfälle. Das jeweilige Erwachen danach ist nicht so schön wie beim ersten Mal, als ich mich über allem fühle. Aber die Hoffnung, es könnte wieder einer dieser Anflüge des Elysischen sein, wünscht weitere herbei. — Doch es wird nie wieder so sein.

Aber jetzt. Das wäre eine Gelegenheit. Einmal noch. In Anwesenheit, besser: unter diesem Engel auf Erden, der offenbar nicht nur alle Menschen liebt, sondern auch mich. Dafür alleine liebe ich ihn. Weil er mich liebt. Vielleicht wenigstens so, wie Slavoj Žižek Hegel paraphrasiert hat: «Wir lieben uns nicht direkt — was wir wirklich lieben, das ist, von anderen geliebt zu werden, was nichts anderes heißt als: Wir lieben andere dafür, daß sie uns lieben.»* Das wäre doch ein Gnadenakt — in den Armen dieses zauberhaften Geschöpfes zu sterben. Und dabei vielleicht auch noch daneben zu stehen und zuschauen zu dürfen. Ein Dankeschön für alle diese Unbilden, die man mir ins Leben geworfen hat. Nach dem mich niemand gefragt hat. So, wie mich niemand gefragt hatte, ob sie mich denn zurückholen sollen aus diesem Zustand. Ich war sehr böse gewesen deshalb.

Ob mir nicht gut sei, fragt sie mich und fügt an, vielleicht solle man doch besser keinen Wein mehr trinken. Doch doch, entgegne ich, gerne noch mehr Wein. Lediglich am Nachdenken sei ich, und dabei sähe ich immer krank aus. Krank, nein, das sähe sie nicht so. Aber seltsam durchaus, absentiert irgendwie, weit weg von der Welt.

Sie nimmt mich in den Arm. Die Welt zerfließt in Myriaden von Bächlein, die über üppiges, unglaublich facettenreiches Grün harmonisch polyphon die Hänge hinunterhüpfen. Ich schwimme ins Elysium. Im Elysium. Zu Lebzeiten. Alles in mir wird zu dem, was es ist: Wasser. Salzwasser. Ich bin das Meer. — Ich schwimme im Toten Meer des Selbstmitleids. Ich schwimme in Kitsch. Ich beschließe, das Medikament wegzulassen. Lieber eine platzende Illusion als einen Eimer voll ätzender Lebenslauge. Mir ist übel. Kommt es daher, daß ich widerlich bin? Ich löse mich von ihr. Wir werden etwas essen, befiehlt sie.

Erneut nimmt sie mich an der Hand und zieht mich. Ich trotte hinterher in die Küche. Sie öffnet erneut den Kühlschrank, sie wühlt in ihm herum, nimmt dies in die Hand, begutachtet es, verwirft es. Sie schaut in das Gefrierfach des Kühlschrankes. Lachend und kopfschüttelnd registriert sie drei Einliterpackungen Mövenpick-Eis derselben Sorte. Wenn mir etwas schmeckt, dann esse ich es, bis ich schon die Verpackung nicht mehr sehen kann. Schon wieder will ich mich für diese Peinlichkeit entschuldigen und hebe an. Sie dreht den Kopf, das Gesicht ist beißende Ironie. Na ja — ein wenig gemildert von einer Paarung aus Sanft- und Langmut und Amusement. Sie zuckt mit den Schultern. Sie scheint ein wenig ratlos. Dann entdeckt sie das Gemüsefach und zieht heraus: vier große Packungen italienischer grüner Nudeln — die in meiner Junggesellenmaschine von Moulinex innerhalb von drei Minuten zum Mundverbrennen heiß sind. Selbstverständlich esse ich sie nicht ohne Beilage. Das wäre selbst mir zu trocken. Sie entdeckt fünf kleinere Kunststofftüten Sauce Florentina. Ich werde mir der Groteske bewußt. Schriebe dies jemand in ein Drehbuch, ich hielte es für einen platten Gag. Aber ich befinde mich nicht in einem Filmchen. Ich stehe neben der Wirklichkeit, als sei ich der Besuch. Und der schüttelt ungläubig lächelnd den Kopf. Solches hätte ich früher verabscheut, merkt sie beiläufig an. Aber es würde gehen. Sie reißt die Tür zum Gefrierfach wieder auf und entnimmt eine Packung gefrorener Kräuter. Ich protestiere. Diese italienische Sauce bestünde nahezu ausnahmslos aus Kräutern. Und sie schmecke sehr gut ... «Ah ! Taratata.»

Ich lasse mich zur Seite schieben, zum Rollkoffer hin, der zur Nebensache geworden ist. Nebensache zur Nebensache. Aber ich habe Beschäftigung. Ich bugsiere ihn in den von mir kokett Lagerzimmer genannten Raum: Die Kunst und ich und andere Nebensächlichkeiten werden darin gelagert.

«Naziza!» rufe ich vernehmlich, als ob es eine Situation wäre, die sich seit zwanzig Jahren wiederholt, und eile in die Küche zurück. Ich hätte doch noch etwas Eßbares. Ich beuge mich nach unten zu dem Bereich des Gefrierschranks, den sie offensichtlich nicht wahrgenommen hat. Dort lagere ich Vorräte, die ich teilweise selbst zubereitet habe, um nicht an der Eintönigkeit zu ersticken und aus dem Haus zu müssen, wenn mir nicht danach ist. Und mir ist fast nie danach. Was soll ich dort, wo längst alles gesagt ist, was es an Bedeutungslosigkeiten gibt? Oft genug muß ich ja zu denen, die sogar dem noch Wirkung zumessen — Hauptsache, sie haben es persönlich abgelesen. Erbsen- und Linsensuppe befindet sich in der Vorratshaltung. Ebenso schmackhafte, pikante Fleischsauce, von der ich allerdings weniger esse. Ohne trivialpolitischen Zwang oder Ekel vor toten Tieren — oder vielleicht doch ein bißchen beides? — hat sich mein Geschmack mehr zum Gemüse hingewurzelt. Möglicherweise aber hat, wie beim Verzicht auf größere Mengen Alkohols, jemand in meinem Kopf auch hierbei den Schalter umgelegt. Alles ist portionsweise eingefroren und liegt neben Kaninchenfleisch und Knoblauchbutter und Knochen zum Zubereiten von Grundsaucen. Und auch die vorgekochten kleinen Kartoffeln sind nicht nur praktisch zu verarbeiten, sondern auch aus Frankreich.

Ich bin fast sicher, daß sie nicht weiß, was Erbsensuppe ist. Jedenfalls nicht auf deutsch. Ich grübele. Im Süden, zumindest in der Provence, werden Eintöpfe ja gegessen. Ich sollte es wissen. «Purée de — pois?» Leicht irritiert schaut sie mich an. Dann lacht sie. «Ah. Oui. Nicht Nebel. Sondern Erbsensuppe. Wie Berlin. Aschinger. Nicht Purée de pois, sondern Soup aux pois. — Nein. Das mag ich jetzt nicht. Lieber diese Nudel hier.»

Es kommt Wind auf, wie fast immer aus dem Westen. Es schlägt etwas Dunkles, für sie nicht einordenbar, gegen das Küchenfenster. Ein wenig erschrickt sie. — «Keine Angst. Es ist kein Gespenst. Oder vielleicht doch. Denn es kommt wie Du aus Frankreich. Und es gerät immer dann in Erregung, wenn es Besuch bekommt aus der Heimat.»

Photographie: leromanais (der Inhalte wegen unbedingt anklicken!)

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Flaggeleien

«Was hast Du getan?» fragte die ungläubig schmunzelnde Freundin, die aus Kurz-vor-Afrika zu Besuch gekommen war und der ich die Geschichte erzählt hatte. «Hast Du geschossen? Mit French frites und der Marseillaise? Und wenn ja, gegen wen?»

So ähnlich, berichtete ich. Da erdreistete sich gegenüber, dort oben in der letzten Etage, jemand, Stars and Stripes ins Küchenfenster zu hängen. Nicht so extrem, sie wollten ja noch durchschauen können, vielleicht so groß wie ein DIN-A-4-Blatt. Aber es hat mich geärgert. Ziemlich. Und da bin ich am nächsten Tag losgezogen und habe einen schön großen drapeau national gekauft. Bei dem ebenfalls heimatlosen André, der den Deutschen recht erfolglos Kultur in Form von Baguette beizubringen versuchte und sich deshalb mit dem Verkauf von weiteren französischen Devotionalien über Wasser hielt. Das Mehl fürs Baguette bezog er aus dem Ursprungsland für gutes Weißbrot, aber die Tricolore lieferte eine Fahnenfabrik in Thüringen. Und da es frühsommerlich warm war, habe ich einen der beiden dreißig Jahre alten, aber immer noch fein tösenden Lautsprecher zur Tür der Loggia hingeschoben und dann die Marseillaise donnern lassen. Ich hätte ja La fanfare en pÈtard abspielen können, diese köstlich-wilde Schrägheit. Aber das wäre möglicherweise am Ende für einige gar dauerhaft genußverheißend geraten. Der persönliche Mitschnitt war da doch geeigneter: eine phantastisch eiernde Aufnahme des Blasorchesters der Feuerwehr von Grandrieu, die es zwar hervorragend verstand, Durst zu löschen, es aber mit dem Blasen ansonsten nicht so hatte. Wenn ich mich recht erinnere, ungefähr eine halbe Stunde lang oder auch länger. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich gleich für alles mögliche an Lärm gerächt, was als Musik aus allen Richtungen auf mich losgelassen wurde.

Am nächsten Tag war die Amiflagge weg.»


>* Slavoj Žižek: Wie Hegel einmal Nietzsche in Afghanistan traf. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 43, 28. Oktober 2001, Feuilleton, S. 24

 
Di, 08.09.2009 |  link | (1470) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Fertig mit Essen

Mir ist gar nicht nach essen. Ich habe in angespannten Situationen nie Hunger, und wenn er vorhanden ist, wird er bei intensiverem Nachdenken zurückgedrängt, verdrängt. Essen kann und mag ich eigentlich nur in völlig entspannter Stimmung. Hunger habe ich des öfteren, richtiger Appetit kommt bei mir jedoch erst dann, wenn sich alle Anspannung gesenkt hat. Wenn ich spüre, daß ich unbedingt etwas essen muß, reiße ich eine Packung mit Fertigsalat oder ähnliches auf, stopfe ich irgendwas in mich hinein. Überhaupt habe ich das Kochen aufgegeben. Früher, ja, als ich des öfteren, häufig langanhaltenden Besuch hatte, da stand ich stundenlang in der Küche und habe mit den bescheidenen Kenntnissen, aber eben durchaus genießbar arrangiert, was an Phantasie und Wissen zur Verfügung stand. Es war nicht ganz wenig, was mich dieses Schlitzohr von Koch gelehrt hatte in den drei Monaten, die ich bei ihm — eigentlich als Küchenhelfer — durch sein, hier würde man sagen «gutbürgerliches» Restaurant gehetzt (worden) war. Nie wäre mir danach in den Sinn gekommen, irgendein Fertigprodukt zu kaufen. Alles bereitete ich selbst zu. Immer hatte ich drei verschiedene Fonds hergestellt und portionsweise eingefroren, immer nahm ich nur frische Gemüse und Kräuter. Und ich hatte immer jemanden, der es gerne aß. Doch nun eben nicht mehr.

Ich ging essen, wenn ich auf Reisen war, manchmal in ein gutes Restaurant, dann achtete ich nie auf das Geld. Darum ging es ohnehin nicht. Ich hatte genug davon, auch weil ich kaum welches ausgab, allenfalls unterwegs eben, denn gute Hotels müssen bei mir immer sein. Die Qualitätsbezeichnung gut beinhaltet bei mir keine Sterne, gleichwohl sie bei Herbergen wohl unabdingbar scheinen, nicht grundsätzlich, aber eben in der Regel, in Deutschland allemale; doch auch damit kann man schwer in die Bredouille geraten. So mußte ein Restaurant wirklich gut sein. In Frankreich ist das gefahrloser, wenn man sich nicht an die Gastronomieführer für Touristen hält, da ist die gesellschaftliche Einstellung vor, die Essen und Trinken nicht als notwendiges Übel oder das Übel des Kultischen für mit der Zeit und in deren Geist lebende Menschen zum Inhalt hat. Rechtsrheinisch bin ich zurückhaltender, am liebsten gehe ich dorthin, wo ich weiß, was mich erwartet. Etwa die kleine, ruhige, schlichte Restauration dieses Parisers, der es seit bald dreißig Jahren am Charlottenburger Savignyplatz betrieb; keiner dieser Modeläden, die immer abgefüllt waren mit besserverdienenden Globaldenkern — Hauptsache, sie waren aus der scheinbar italienischen, völlig überteuerten Hochfrequenz, die von München aus vor allem nach Berlin geflossen war. Wenn es hieß, wir gehen zu dem oder dem Italiener, dann war ich in der Regel müde — ich hatte ja immer eine gute Entschuldigung mit meiner «Krankheit», die ein vermeintliches frühes Ruhen erforderte. Und dann ging ich meistens unweit des Hotels zu dem Asiaten an irgendeiner Kantstraße, mit Blick auf diese Paris-Bars, rechts das Abgehangene, besser das Abgehängte mit den arg Zuspätgekommenen, denn die Künstler gingen schon seit Ewigkeiten nicht mehr dorthin, nur noch die Camarilla der dritten Generation und deren Groupies, links der Versuch, die jungdynamischen Kunstverweser, richtiger wohl eine Art Dealer, samt Gefolge zu versammeln, ihnen mittels Mittelprächtigem den Eindruck ihrer Höherwertigkeit zu bestätigen. — Ach, Kundera, ich paraphrasiere dich mal ein bißchen: Kitsch wird in erster Linie von Spießern produziert, die sich nicht dafür halten. — In der Regel bekam ich bei meinen chinesisch-thailändischen Roten Khmer der Küche etwas nach meinem Geschmack serviert. Und unter gebratene Nudeln mit Gemüse konnte man nur schwerlich Hunde- oder Katzenfutter rühren (obwohl das sogar für Vegetarier geeignet sein dürfte, da das handelsübliche meist nicht mehr als zwei Prozent Fleisch enthält).

Seitdem das Gehirn sich mit seinem Ausfall auf das Wesentliche reduziert und mich in die innere Emigration, in die Höhle der Einsicht geführt hatte, kam es zuhause allenfalls mal zum halbstündigen, allerdings konzentrierten und sorgsamen Prozeß des Zubereitens von Fleischsoße, anderswo gerne Bolognese genannt, auf daß der Speiseplan nicht allzu eintönig würde. Nichts durfte mehr Zeit wegnehmen von der wenigen, die mir bleiben sollte. Ansonsten nahm ich nur noch schmackhafte Salate und bereits Vorgekochtes mit nach Hause. Allerdings war das Angebot auch enorm verbessert worden in den letzten Jahren. Da muß ich der wegen ihrer Gleichmacherei ungeliebten Europäisierung dann doch mal einen Stein in den Garten schmeißen. Dadurch, daß die Grenzbalken hochgingen, gelangten seit Ende der neunziger Jahre auch andere Geschmäcker ins deutsche Land. Und da es sich in den romanischen Ländern selbst Nahrungsmittelfabriken nicht leisten konnten (oder wollten), Geschmacklosigkeiten wie die deutschen in den Marktumlauf zu bringen, kam Abwechslung in die Fertiggerichteküche. Das war dann doch mal ein positives Ergebnis des grenzenlosen Waren-Hin- und Hergeschiebes auf den LKW quer durch Europa. Doch in erster Linie lag es wohl daran, daß es außer mir noch ein paar gab, die sich Single nannten, obwohl den meisten diese Bezeichnung wahrlich nicht gebührte, denn ihr Alleinstehen hatte überwiegend unfreiwillige Ursachen — während der Single in ursprünglicher Bedeutung ja bewußt partnerlos lebte. Aber auch das ist untergegangen in der mittlerweile arg kurzlebigen modernen Zeit des viel- und gernzitierten Sprachwandels. Eine Zeit gab's, da hielt das entschiedene Einzelwesen seinen Status hoch wie einen Schild gegen die Vereinnahmung. Heute ist es ein beklagter oder beklagenswerter Zustand einer Gesellschaft, die nicht mehr mit sich klarkommt.

Ich sollte mal wieder wenigstens einen trinken gehen. Ach nein, ich lasse es lieber. Denn dann werde ich rausgeschickt auf die Straße, wenn ich eine rauchen möchte.

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Sa, 05.09.2009 |  link | (2064) | 14 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Kennst Du,

Didier, diese kleine Erzählung von Antonio Tabucchi, diesen kleinen Brief von Calypso an Ulysse? Darin trauert sie weniger der Vergangenheit wegen, in der sie ihren Gefährten durch dessen Flucht verlor. Viel stärker ist die Trauer über ihre Unwissenheit. Sie würde gerne wissen das Wesen der Zeit. Sie beneidet Ulysse und die anderen Sterblichen. Und sie möchte wieder mit ihm sein, aber nicht wie einst in der ewigen Jugend. Sie schreibt ihm, sie träume von sich als einer anderen, die alt ist, weiße Haare hat, kraftlos und gefällig.

Die Frau von Porto Pim

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Mi, 26.08.2009 |  link | (1280) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 

Sensible Männer

Aus dem Monolog eines Mannes, hin und wieder unterbrochen von Anmerkungen einer Frau.

Paula Jacques* meinte: Wenn Hitler mit dreiunddreißig Prozent an die Macht gekommen sei, dann deshalb, weil sensible Geister es abgelehnt haben, sich mit anderen empfindsamen Köpfen zusammenzuschließen, um ihm die Straße zu versperren.


Solange es keine Reflexion gibt über das Tun, kommt nicht wirklich eine Überzeugung dabei heraus. Damit meine ich durchaus auch mich selbst. Ich muß also davon überzeugt sein, um es wirklich gerne zu tun. Möchte ich mich aus Überzeugung um eine saubere Umwelt bemühen, oder will ich es, weil der Nachbar es auch tut? Und werde ich — in Folge dieses sogenannten Umdenkens oder dieser Umerziehungsmaßnahme — deshalb zum Denunzianten des wieder anderen Nachbarn, den ich dabei beobachtet habe, wie er seine Zigarettenkippe auf die Straße geschmissen hat? Ergo: Will ich ein besserer Vater, will ich ein besserer Partner meiner Frau sein, weil ich es will? Oder weil es alle tun, weil es Mode ist. Ist doch schick, ein guter Vater zu sein. Besser als garnix.

Ihr Männer müßt euch ändern! Wir wollen euch. Doch wir wollen euch an unserem Bauch nicht nur für das Hinein und Hinaus.

Davon spreche ich doch. Müssen wir anders sein, weil der Stammvater als Ernährer der Familie aus der Mode gekommen ist? Das Namensrecht beispielsweise sieht es ja längst nicht mehr zwingend vor. Obwohl auch das nichts anderes ist als ein beschönigendes Kaschieren der Wirklichkeit. Denn es hat sich nicht wirklich was geändert. Selbst nach deutschem Recht war es auch früher möglich, wenigstens nach außen hin den Mädchennamen beizubehalten, als Buchautorin beispielsweise oder sonstige Berühmtheit. Aber hör dich doch mal rum — Papa will ‘nen Sohn. Als Stammhalter. Und auch: Wenn der Vater mit dem Sohne. Das ist doch die Wirklichkeit. Die fünf Männchen, die nur Mädels wollen! Das sind diejenigen, die kein gesellschaftliches Umdenken brauchen. Diese Männer wollten schon immer Hausfrau und Mutter sein. Der Unterschied zu früher ist, daß man sie jetzt eher läßt. Sogar auf dem Land.

Derweil die Frau die Kohle ranschafft. Von mir aus mit heranschafft. Manche müssen es ja ohnehin, weil's sonst nicht reicht. Das ist Wirklichkeit! Eine bisweilen tragische. Aber oft genug tun sie's ja auch, weil sie sich so einen klinkerverblendeten Betonpalast von der Fabrikstange weit draußen am Rand der großen Stadt gekauft haben, weil ihnen das Elternhaus mitten im Dorf nicht modern genug war. Daß sie damit die Landschaft verschandeln, dafür reicht die Denkkapazität schon nicht mehr aus. Eigener Herd und so, und noch 'nen Baum pflanzen, Kinder sind schon da, vielleicht macht man noch eines, damit der Mutter ausgelastet ist, fürs Buch gibt's schließlich das Weblog. Oder sie wollen einen neuen BMW. Besser noch ein BMW-Cabriolet. Von mir aus auch’n Saab- oder Peugeot-Cabriolet, so eines dieser unsäglich ausschauenden, pseudofuturistischen, nach oben zusammengedrückten Flundern. Um den Lehramtsanwärterinnen oder Praktikantinnen zu imponieren. Wurscht. Oder — wie gesagt — sie will auch Karriere machen. Was ich noch am ehestens verstehe. Denn ein bißchen Selbstverwirklichung via Beruf möchte schon auch sein. Aber wichtig ist der Sohnemann. Noch so‘n Langweiler.

Er wird dazu gemacht! Von dieser Gesellschaft oder einer anderen. Das ist doch das Problem. Es muß nicht sein. Ein Sohn kann auch ein anderer werden. Du bist ein anderer geworden. Wenn auch vielleicht nicht ganz so sensibel ...

Wenn dem so sein sollte, dann lag's nicht an der Gesellschaft.

Es ist auch ein Cliché, das diese Gesellschaft formt. Et vice versa.

Gut. Klischee. Aber im Prinzip bin ich vermutlich keinen Deut besser. Mittlerweile vielleicht ein bißchen. Weil ich im Gegensatz zu früheren Zeiten in der Lage bin, einmal Theoretisiertes umzusetzen. Darin enthalten ist, daß ich im Lauf der Zeit zur Erkenntnis gelangt bin, daß ein höherer Bekanntheitsgrad nicht einhergeht mit einer höheren Stufe des Glücks. Also. Es gibt ein paar Ausnahmen. Klar. Wie in allen Bereichen. Aber wenige. Ich kenne ein paar. Aber die haben wahrscheinlich eine relativ hohe Prozentzahl X-Chromosomen erwischt, um es mal ein wenig sehr salopp zu formulieren. Wenn die sich allerdings in dieser Komposition auch als höchst diffizil erweisen kann. Denn ein hochsensibler Mann ist die Hölle. Er verliert meistens jeden Bezug zur Umgebung. Ich kenne da einen. Du kennst ihn auch. Aber ich kenne auch einen, den Du nicht kennst. Der hat sich mit seiner inneren und äußeren Therapie in Zielrichtung Selbstfindung selbst so kaputtgemacht, daß der sich so herauskristallierte feine Charakter vor keiner Schlechtigkeit haltmacht. Und selbst die vor ihm flüchtet. Ach, er ist ja so sensibel. Deshalb läßt man ihm alles durchgehen. Man hatte mich vor ihm gewarnt. Aber ich habe ihn nur verteidigt. Bis ich das gewaltige Nachsehen hatte. Was soll's — ein Beispiel.

Was ist geschehen? Du hast vielleicht einen Freund gesucht?! Vielleicht hättest Du das nicht tun sollen. Du weißt, daß man sie nicht suchen soll. Sie kommen von alleine — wie Kinder. Oder Katzen. Und sie gehen wieder, wenn es ihnen beliebt. Aber sie bleiben Freunde.

Sehr weise! Ohne jede Ironie! Es ist richtig. Wahrscheinlich habe ich ihn benutzt wie einen Prostituierten. Indem ich mir Zuwendung erkaufen wollte. Ich habe ihm gegeben, was ich geben konnte. Vermutlich in der Hoffnung, etwas zurückzubekommen. Ich hätte wissen müssen, daß man das nichtmal im Puff bekommt. Und Liebe — ach, Du hast es gerade gesagt. Die sollte man nicht suchen. Sie kommt. Dann ist sie da. Wenn sie nicht kommt, dann hat man Pech gehabt und sollte sich damit abfinden.

Zurück zu diesem Mann. Du warst sehr enttäuscht?

Übel. Er hat mich ganz schlimm hintergangen. Allerdings habe ich es wohl mir selbst zuzuschreiben. Ich war einfach zu eigennützig. Womit wir wieder bei Hegel beziehungsweise Žižek wären. Ich liebe dich dafür, daß du mich liebst. So etwas paßt nicht zur Liebe. Es ist keine Liebe. Was ist das überhaupt? Vor allem eins: ein anderes Thema. Wie auch immer — es hat meine Bande zu sensibleren Männern, zu Männern insgesamt nicht eben gefestigt. Er hat aus seinem Leid — wenn es das denn überhaupt gibt und er nicht Theater spielt — eben nicht die Konsequenz gezogen, die daraus zu ziehen wäre.

Lieber einsam bleiben?

Die Erkenntnis, es zu sein, möglicherweise gar dafür bestimmt zu sein, kann die Einsamkeit auflösen helfen. Zumindest lindern helfen. Im Idealfall weicht die Einsamkeit dem Willen nach dem Alleinsein. Es gibt ein Beispiel der konsequenten Umsetzung dieser Erkenntnis. Du kennst es beziehungsweise ihn.

Dieser Mann vom Massif central? Dieser Mönch ohne Religion?

Ja. Gérard. Er hat irgendwann festgestellt, daß er für Gemeinsamkeit nicht geschaffen ist. Daraufhin hat er sich zurückgezogen — und lebt seine Schrullen alleine aus. Mit seinen Katzen. Und die machen, was sie wollen. Wie früher seine Frauen. Die ihn nie haben machen lassen, was er wollte. Ob er glücklich ist? Ich wage es zu bezweifeln. Aber auf jeden Fall nervt er niemanden. Und er hat Kontakt zur Außenwelt! Er geht täglich ins Städtchen, und zweimal im Jahr fährt er seine alte Mutter besuchen. Dafür spart er. Von dem Wenigen, das er hat! Er hat ja seine Praxis verkauft, um vom Erlös zu leben bis zum Ende seiner Tage. Und das wird vermutlich noch eine Weile andauern. Ab und zu fährt er auch in die Nähe des Meeres, wo ihm das Haus einer ehemaligen Gefährtin zur Verfügung steht. Aber er hat immer und jederzeit die Möglichkeit, sich in sich selbst zurückzuziehen. Ohne andere in Mitleidenschaft zu ziehen. Ich habe große Achtung vor ihm. Oft muß ich an ihn denken, wenn es darum geht, wie angenehm das Dasein ohne die Rennerei nach Glück sein kann. Vor allem nach Substitution, nach Kompensation im Materiellen. Früher habe ich häufig den Kopf geschüttelt über ihn. Doch seit einiger Zeit weiß ich, daß er den vermutlich einzig richtigen Weg gegangen ist.

Du sprichst in hoher Achtung von ihm.

Er hat sie verdient. Schließlich habe ich mich auch bei ihm zu entschuldigen für das dämliche Denken, das ich ihm früher habe angedeihen lassen. Dieses Allerweltsdenken. Auch hier waren es wieder die Frauen, die ihn am besten verstanden haben. Ich habe mit einigen darüber gesprochen. Die ihn aus vergangenen Jahren kannten und ihn besucht haben. Daß es bei ihm mit ihnen meistens ungünstig gelaufen ist, lag natürlich an seiner Komplexität. Sehr schwierig. Aber verständlich. Er ist ein sehr grüblerischer Mensch. Und vermutlich hat er das Pech gehabt, wie so oft in jungen Jahren, wenn die Säfte sprießen — eben auch oder gerade bei euch Mädels —, aber da Männer eben sehr lange brauchen mit dem Nachdenken über die Vor- beziehungsweise Nachteile der postoperativen Phase des Kinderzeugens. Ihr seid da manchmal arg drängend in Eurer vitalen Natur. Alles will — im besten Wortsinn — aus euch hinaus. Da wird nicht länger nachgedacht. Was sich im Nachhinein meistens auch als richtig erweist. Aber Ihr kriegt es meistens auch in den Griff, jedenfalls öfter als wir Jungs. Während wir uns nochmal und nochmal zur Beratung in uns zurückziehen müssen. Wir sind Großmeister im Zerdenken. Wenn wir's denn überhaupt tun. Da haben wir ein gewaltiges Defizit.

Doch Du bist sehr jung Papa geworden! Hast Du dabei gedacht? Was hast Du gedacht?

Tja. Ich habe dem nachgegeben. Aber ich war ein Kind. Ein Kind gibt eher seinen Gelüsten nach. So ist ein Wunschkind entstanden. Mit dem Ergebnis, daß das Kind mich nicht zu sehen wünscht. Oder kaum. Meine Interessen tobten sich zu lange in andere Richtungen aus. Ich habe überhaupt nicht verstanden, was da geschehen ist.

Aber Deine Tochter? Deine Enkel? Du hast doch guten Kontakt?!

Na ja. Es geht. Er war mal besser. Aber auch dieser bessere Kontakt kam spät. Wohl erst dann, als ich begriffen hatte, daß ich dabei war, dieselben Fehler wieder zu begehen. Dann habe ich mich zusammengerissen und bin tatsächlich auf sie zugegangen. Doch nun ist's auch schon wieder dahin. Ich hab Dir ja gesagt, daß ich Krach mit ihr habe, weil sie so karrieregeil ist. Sie will berühmt werden. Mindestens so wichtig wie ihr Mann, der angesehene Rechtsanwalt. Dieser dröge Paragraphenzähler. Der sensible. Und ein Opa ist kein Vater. Das kommt hinzu. Er ist allenfalls Aufpasser. Kindergärtner. Ein Mann im Opa-Alter kann Vater sein. Wie mein Vater. Das ist aber was völlig anderes. Da ist der Opa Vater. Nicht nur Erzeuger. Es ergibt einen völlig anderen Bezug zum Objekt sozusagen. Hier wirkt der alte Vater mit. Er kann seine Lebenserfahrung einbringen. Als Pépé wirst du nur gebeten, wenn's ein Loch in der Zeitplanung gibt. Und dafür bin ich nicht geeignet.

Ist es auch neue Erkenntnis?

Eindeutig. Es ist wirklich sehr viel passiert in letzter Zeit. Ich bin nicht unglücklich darüber. Es relativiert vieles. Aber es schmerzt auch. Ich denke oft darüber nach, wieviel besser — nicht nur für mich! — es doch wohl gewesen wäre, hätte dieses Denken ein bißchen früher eingesetzt. Denn gerade in der Phase des Jungseins ist es wichtig. Wenn du so wesentliche Entscheidungen triffst wie das Produzieren neuen Lebens. Dann ist das neue Leben da, aber du hast eine Puppe in der Hand. Damit zu spielen hast du nicht gelernt. Was tun damit? Es ist aber so — als jüngerer Mensch, als jüngerer Mann bist du doch ausschließlich an dem interessiert, was du gerade machst. Immer im Hier und im Heute, wie es so schön heißt. Das war bei mir in jungen Jahren auch nicht anders. Bloß keinen Jota weiterblicken. So habe ich unglaublich viel Mist gebaut. Euphemistisch ausgedrückt, hieße das: Erfahrung gesammelt. Aber an der männlichen Sammelwut eigener Erfahrungen können andere sehr leiden. Es hat sich geändert bei mir. Zumindest habe ich den Eindruck. Deshalb regt mich das auch so auf bei den Männern, die ebenfalls ein paar Tage mehr auf dem Buckel haben, aber offenbar nie in die Phase der Autoreflexion kommen werden. Wollen. Denken ist so anstrengend. Denen ist es völlig gleichgültig, was sie tun. Hauptsache tun. Egal was. Autoschrauben, Waschmittelherstellung, Kunst verkaufen oder Sterne gucken. Oder Professor werden. Ach — überhaupt reflektieren. Die lachen dich aus, wenn du abwägst. Es spielt überhaupt keine Rolle, welcher Altersgruppe sie angehören. Fünfzigjährige Männer werden Väter und schauen dabei aus, als ob man ihnen ein neues Blechauto geschenkt hätte. Und ich sitze da, kann überhaupt nicht lachen und schüttle den Kopf. Im günstigsten Fall, wenn ein wenig Sympathie mitspielt, heißt es: Nimm's leicht, grüble doch nicht so viel. Nun, schon als Kind — das fällt mir tatsächlich eben gerade ein, die Kindheit holt mich ein, nein, Heimito von Doderer stülpt sie mir über den Kopf: «Ein Leben lang rinnt das an uns herunter ...»


* Paula Jacques ist 1948 in Kairo in einer jüdischen Familie geboren, die wie weitere achtzigtausend Juden 1957 aus ihrem Land gejagt wird. Ihre Kindheit verbringt sie in Israel in einem Kibbuz, bevor sie nach Frankreich geht. In Paris hat sie alle möglichen Jobs getätigt, bis sie 1971 an der Comédie de Saint-Etienne Erfolg hat. Seit 1975 ist sie Journalistin. Sie schreibt und produziert bei Radio France. 1999 hat sie ein Kulturmagazin gegründet: Cosmopolitaine und auch einige Bücher geschrieben, unter anderem La descente au paradis, Les femmes avec leur amour (Die Frauen mit ihrer Liebe) oder Gilda Stambouli souffre et se plaint.

Siehe auch: Recht auf Blasphemie

Zwei Tage • Eine sentimentale Reise • Erzählung

 
Sa, 15.08.2009 |  link | (2122) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Zwei Tage



 





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