Und ganz früher,

bei den alten Juden, da hat man die Ehebrecher gesteinigt. Ich kann mich noch gut erinnern ...
[...]
XARE ... wie ich mich als Bub immer gewundert hab', wo die in der Wüste die ganzen Steine hernehmen. Ich hab' nämlich gedacht, die Wüste, das wär' nur Sand und sonst nix, so eine Art Bibione, nur daß der Strand tausend Kilometer tief ins Land geht. Das mußt du dir mal vorstellen: Du steigst in Bibione aus der Adria und gehst und gehst und ständig ist Strand. Keine Alpen, kein Bayern, kein Sachsen. Nix. Nur Sand. Erst irgendwo in der Nähe von Berlin wird's allmählich wieder normal. Bibione bis nach ... Deutet mit dem Kinn vage nach Norden, wo er Norden und damit Preußen vermutet ... Preußen rauf, hab' ich mir gedacht, damals als Bub. Is' natürlich ein Schmarrn, weil später hab' ich gelesen, daß die Wüste auch ganz schön steinig sein kann. Is' ja auch logisch, weil wenn nicht, dann hätten die alten Juden die Leute ja nicht gesteinigt, sondern einfach in den Sand eingegraben. [...]


Ich wollte eigentlich, wie üblich, in den Keller runtergehen zum lachen. Das hab ich auch getan, denn ich will mir ja treubleiben und außerdem niemanden stören mitten in der Nacht mit meinem seltsamen Bio-Rhythmus, der immer – na ja, Sie wissen schon. Aber dann habe ich nicht nur das ganze Haus, sondern komplett das Dorf aufgeweckt. Der gesamte Grund meines Gebrülls:

Der Franze hat gsagt

Auf den Franze gehoben wurde ich durch den hinkenden Boten.
 
Sa, 20.12.2008 |  link | (631) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Fundsachen



 

Helios

hat seinen Wagen wieder aus der Garage geschoben, na ja, ein paar Stunden dauert es schon noch, bis Arno Schmidts Sonne wieder aufgeht, wenn sie sich denn überhaupt blicken läßt hier in Kurz-vor-hinter-Sibirien, aber mein etwas konfuser (Bio-)Rhythmus(-wecker) hat eben gesagt: aufstehen, Büro gehen, du solltest auch mal was sagen, hier in deinem kleinen Forum, du hast das schließlich ausgelöst.

Andererseits machen die Damen und Herren das hier so fundiert, daß mir kaum etwas zu sagen bleibt, bis vielleicht auf zarten Hinweis, unterm Strich dann doch nicht über eine ganz so undifferenzierte Auffassung zu verfügen, sondern schlicht vereinzelt eine andere Sichtweise zu verfolgen, mir dabei allerdings das eine oder andere Häppchen aufzubewahren für den Fall, daß ich den Mund auch mal wieder aufkriege. Aber wer schläft, der kriegt nix. Im wesentlichen schließe ich mich an, denke hier ähnlich wir der eine, stimme dort der anderen zu oder mit allen überein oder auch nicht, überlasse ihnen das Feld, nur weiter im Symposion, vielleicht treffen wir uns demnächst, eventuell in der Nähe von Witten-Herdecke, Frau Herzbruch, oder rechts der Isar, gerne das UKE, lieber noch in dieser Gegend auf reichlich Nektar und sprechen das buchreif. Ich aber öffne jetzt ein neues Türchen in meinem lustigen Adventskalender.

Einen von Mark erwähnten Aspekt will ich herausgreifen: «Werbung sei Kunst.» Davon mal abgesehen, daß ich in den achtziger Jahren die Tatsache an die öffentlich-rechtliche Pforte genagelt habe: die Werbung klaut bei der Kunst, tendiere ich auch heute noch nicht dazu, Michael Schirner rechtzugeben. Sicher, die Zeiten haben sich insofern geändert, als die Werbung sich nicht mehr nur sämtliche Anregungen anderswo herholt, sich also abgenabelt, gar laufen gelernt hat. Die Werber hatten eine Zeitlang Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl; sie wollten irgendwann auch, wie die Architekten der achtziger Jahre wieder, Künstler sein. Vielleicht haben einige auch noch heute kleine Schwierigkeiten mit ihrem Selbstverständnis und befragen sich das eine ums andere Mal nach ihrer Daseinsberechtigung in dieser Gesellschaft, aber die dürften in der Minderzahl sein, da eine Welt ohne Konsum und das nicht endenwollende Getöse um ihn heute nicht mehr vorstellbar ist. Auch sind Berührungsängste kaum noch vorhanden, fließen doch die Kreativkräfte der Künstler seit den Neunzigern häufig direkt ein, die Grenzen sind oftmals nicht nur aufgehoben, sondern sie steigen längst selber ein und partizipieren an diesem Mixed-Media, verdienen sich zwischen zwei Filmen oder Bildern ein paar Tütchen Rosinen dazu. Wie der Journalist, der auch manchmal gerne Künstler sein möchte, etwa dort, wo er sich Kritiker heißt, aber letztlich lebt der davon, wenn er seine Nahrung aus demselben großen Topf bezieht; was man Zeitungsartikeln oder Fernsehbeiträgen oft genug ansieht. Wir sind grenzenlos geworden, nicht nur innerhalb Europas. Alles fließt ineinander, gerne nennt man interdisziplinär, was nichts anderes ist als das Verwischen von Unterscheidungsmerkmalen.

Es hat oftmals Unterhaltungscharakter, wenn ein pfiffiges, zudem technisch perfektes Filmchen daherkommt, das nichts anderes sein will und nebenbei auch noch die Intention des Auftraggebers erfüllt, auf ein Produkt aufmerksam zu machen. Dem entziehe auch ich mich nicht, bin ich darauf aufmerksam gemacht worden. Da habe auch ich meinen Spaß, sehe vor allem die Urwurzel dieses Genres: auf die Existenz einer mehr oder minder schlichten Sache hinzuweisen. Das kann künstlerisch auftreten. Aber in der Regel ist es nichts anderes als Kunsthandwerk. Letzteres wird nur zu gerne als Kunst bezeichnet. Da sind wir dann wieder zurück bei dem anderen Problem, dem der Bildungseinrichtung, die zwar den Unterschied lehrt zwischen ein mal eins und Daumen mal Pi, aber andere Nuancen durch den Rost eines etwas an den Rändern liegenden Alltags fallen läßt, der jedoch nicht minder zum Leben gehört. Also: selbst dann, wenn einer so einen Werbefilm perfekt gedengelt hat, mag er sich als Handwerker bewährt haben, aber Kunst ist das noch lange nicht. Und ganz arg wird es dann mit dem Selbstverständnis, wenn der Werber erstmal was Überflüssiges erfinden muß, ein paar augenwischerische (um ärgere Formulierungen zu vermeiden) Ingredienzien untermischt und das dann Kunst nennen mag. Ja doch, der Künstler produziert auch nicht unbedingt Überlebensnotwendiges, aber er tut jedenfalls nicht so, als sei es dieses. Ich mag ja ein etwas altbackenes Verständnis von künstlerischer Intention haben, aber die Formel Werbung ist Kunst löst bei mir nicht unbedingt den Prozeß der Erkenntnisfindung aus. Der eine oder andere hat sich darin vor Jahrzehnten schon an mir versucht. Manch ein Steinbruch wurde da verbal gekloppt; der Granit ist nicht weicher geworden. Und auch dann greift die Losung nicht, wenn sie von einem ehemaligen Papst der Produktplazierungsartisten mit Netz und doppeltem Boden erdacht wurde, der später auch noch mit einem Kunstprofessorentalar behängt wurde, obwohl er nichts anderes gemacht hat als Werbung.

Aber letzteres wäre dann schon wieder ein neu zu öffnendes Türchen im froh und glücklich machenden Adventskalender.

Falls mal wieder nicht alles gesagt sein sollte — hier ist ja Platz genug.
 
Fr, 19.12.2008 |  link | (3028) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Artiges



 

Leere das Leben

Nach meinem morgendlichen Mittagessen (jedem seinen Rhythmus!) pflege ich, um dem Nickermännchen die Landung in meinem abseitigen Schlafzentrum zu erleichtern, eine Programmhüpferei zu veranstalten. Ich bin dabei eigentlich nur auf der Suche nach einem Brabbelplatz, der mir das Einschlafen erleichtert; das funktioniert allerdings nur auf den von mir bevorzugten Sendeplätzen, da es auf anderen in der Regel nur schlaffes Getöse gibt, das die Lücken zwischen den Werbeblocks zu füllen hat. Dabei kommt es jedoch vor, daß ich hängenbleibe und das Absegeln so ein wenig verschiebe, da sich interessante bewegte Bilder zeigen. Das war der Fall, als ich aus dem Mund einer circa Fünf-, Sechs-, Siebenundzwanzigjährigen in etwa hörte:
Wie sind die Werbeagentur Immerneu und erfinden im Auftrag eines unserer Kunden ein neu auf den Markt zu bringendes Produkt. Wir versuchen nun Wurst für Kinder so zu entwickeln und zu präsentieren, daß die Zielgruppe optimal erreicht wird.
Heraus kam Wurst aus der Tube. Ich könnte das nun alles ziemlich komisch finden, auch, daß ständig irgendwelche fernsehverseuchten Klein- und Großschratzen irgendwo an und in irgendwelchen Fläschchen und Döschen und sonstwas nuckeln, lecken und schlabbern, die die Werbewirtschaft nur für sie entwickelt und plaziert hat, ebenso, daß solches Zeugs dann auch tatsächlich massenhaft in den Einkaufskörben landet und die Alten dafür berappen, weil's sonst Ärger mit den lieben Kleinen gäbe, den es tunlichst zu vermeiden gilt, will man doch auchmal seine Ruhe haben. Lachen könnte ich auch darüber, daß der offensichtlich extremistisch wirtschafts- und regierungsfreundliche WDR nach dem Motto Wir spielen Werbeagentur die Rettung des Konsumterrorismus betreibt, indem er solches in aller Ernsthaftigkeit thematisiert: vier-, fünfjährige Kinder lernen werbetexten mit dem Ziel: Vermarktung der vom Kreativkreis Mütter für Leben & Mittel e. V. hausgemacht zusammengerührten Limonade. Vorschule zur Steigerung des Bruttosozialprodukts. Aber so sehr ich mich auch bemühe — ich kann's nicht komisch finden. Das einzige, was mir momentan dazu einfällt, ist: Sei froh und glücklich, Alter, daß du ein Alter bist und du das nicht mitmachen mußt, was da an Gülle über die Jungen gekippt wird. Aber so einfach ist's dann eben doch nicht, denn so ungeschoren kommt man eben nicht davon, wenigstens, solange man noch in die Patte greifen muß, um diesen lebensfernen Müll zu bezahlen. Daran ändert auch nicht die voraussichtliche Tatsache, daß sie später einmal, wenn sie so richtig drinstecken im konsumbeseelten Leben und das Geld dafür haben, und sei es aus der Portokasse des Herrn Hartz, das selbst bezahlen, was sie garantiert nicht benötigen.

Und so stelle ich mißmutig fest, daß es mir noch lange hin ist bis zu der Gelassenheit, von der ich gerne meine, ich hätte sie, kreisen die Gedanken dann doch, finden sich dann weitergedacht anderswo wieder, etwa bei Gorillaschnitzel.
 
Do, 18.12.2008 |  link | (4456) | 23 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Gesellschaftsspiele



 







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Jean Stubenzweig motzt hier seit 6598 Tagen, seit dem Wonne-Mai 2008. Letzte Aktualisierung: 07.09.2024, 02:00



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