Zur Rarität



mache ich mich zur Zeit; das wäre «legales Leben», vielleicht auch ein legalisiertes, schließlich dürfen Rentner nicht immer nur im Weg herumstehen, und wer leben will, der muß auch etwas dafür tun.
Also: Bevor Bücher gelesen werden können, müssen erstmal welche geschrieben werden. Na ja, im konkreten Fall nichts fürs Herz und auch nichts mit Schmerz, eher so etwas ziemlich Nüchternes über eine nicht mehr sonderlich gefragte Kunstgattung, die gleichwohl von Leidenschaft geprägt war, und auch kein ganzes fettes Buch, sondern ein, wie ein zellforschendes Töchterlein es nennen würde, dickeres Paper, das dann in ein Bändchen gegossen werden wird, über den links nebenan Schreitenden und ein paar weitere, die mit ihm gegangen sind. Einer von ihnen, der hier Zugetextete, hat im übrigen insofern einige wahrlich höchst sehenswerte Filme gedreht, als sie belegen, daß die wahre Kunst, also die mit H, ohne das wirkliche Leben eigentlich gar nichts bewegt. Nicht einmal ein paar Aktien.
 
Di, 20.04.2010 |  link | (3560) | 8 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Artiges



 

Regales Leben

Ich habe, nach meinen «Lesegewohnheiten» gefragt, die ich nicht habe, weil ich mich nicht (mehr) langweilen muß, der Einfachheit halber da unten rechts, unter meiner Blogrolle vorwärts und vor meinem musikalischen Befindlichkeitsbulletin, nun ein literarisches gestartet. Von ihm weiß ich bereits nach kurzer Zeit, daß die Auswahl ebenso ungenügend sein muß wie die aller meiner anderen Erinnerungen. Ursprünglich hatte ich vor, die Gelegenheit zu nutzen und mir selbst rückwirkende Eintragungen darüber zu machen, womit ich mich tage- oder auch wochen- oder auch monate- oder auch jahrelang vom wirklichen Leben fernzuhalten versucht habe. Das wird wohl nicht möglich sein. Denn wann auch immer ich nachschlage, um einen allumfassenden oder auch einzelnen Link zu setzen, gerate ich an den nächsten erinnernden Hinweis. Das muß scheitern. Doch da ich so oft gescheitert bin in den Regalen meines Lebens, denen ich immer wieder mal ein neues Ordnungssystem aufzuzwingen versucht habe, in dem ich mich dann garantiert noch weniger auskennen sollte als im vorherigen, suche ich eben weiter. Bis ich im einzelnen fündig geworden bin, setze ich eben Übersichten rein, quasi Orientierungshilfen für diejenigen, die mich darum gebeten haben. So mögen denn auch andere teilhaben an meinen konsequent durchgehaltenen Irrungen und Wirrungen, die Gradlinigkeit nie zuließen, weil ich einer Sippe heimatloser Mäander angehöre, die ihren Lauf ständig verändert und dennoch immer irgendwie ankommt, obwohl sie gar kein Ziel hat.

Als ich eben auf der Suche nach den von mir tatsächlich gelesenen Büchern von Jean-Paul Sartre war, landete ich innerhalb dieses mich auch ohne alle diese sozialvirtuellen, eben fleischlosen Marktplätze bereits völlig überfordernden, als wäre ich ausgerechnet diesem FAZ-Herausgeber geistesverwandt, grobmaschigen Internetzes bei Alfred Anderschs Roman Die Rote (ich hätte im Regal sicherlich nach einem roten Einband oder unter dem Buchstaben R geschaut, bekam aber mit einem Mal die Eingebung, daß ich mal wieder das System geändert haben und er auch schwarz gewesen sein und unter A zu finden sein könnte). Damit ging es nämlich damals los; die Kinder- und Jugendbücher vernachlässige ich jetzt, da es mir ohnehin an Erinnerung mangelt. Trotz eindeutigen Verbotes schlich ich mich in die giftschrankgleich verriegelte private Bibliothek meiner mehr oder minder zufällig im selben Jahr wie Witold Gombrowicz geborenen Mutter; die ansonsten in der Wohnung verteilten Bücher meiner Eltern übten nicht den Reiz des Rätselhaften aus.

Irgendwann stand die Tür einen Spalt weiter offen, ich flitzte hinein und schloß ab. Mein Fehlen wurde nicht bemerkt, war ich ohnehin ein stilles Kind, später ein braver Junge, der immer irgendwie schmökernd im Verborgenen hockte. Ich erinnere mich nicht genau daran, wie alt oder besser jung ich damals war, auf jeden Fall älter als vierzehn, als man mich im Internat abgegeben hatte, hin und wieder durfte ich nachhause, wo ich dann endlich wieder lesen durfte und nicht Sport treiben mußte; was ihn nicht hinderte, mich trotzdem in seinen Bann zu ziehen, bis mit dreiundzwanzig das Gewebe riß und ich das Rauchen und Saufen begann. Vermutlich befand ich mich zwar noch immer im Alter für Karl May, von dem es auch ein paar Exemplare gab bei uns. Aber der langweilte mich eher, Abenteuer in Wüsten- oder Dschungeleien interessierten mich nicht so sehr, das hält bis heute an, ich ahnte bereits ein wenig von der Civilisation, vermutlich keimte vage die Hoffnung, auf diese Weise die Welt der Erwachsenen besser zu verstehen. Der Titel Die Rote schien mir assoziativ am ehesten dafür geeignet. Fasziniert fraß ich mich etwa bis zur Hälfte durch dieses Buch. Worum es ging, verstand ich nicht unbedingt, Robert Neumann hat's mir dann allerdings aus einem alten Zeitungsstapel heraus erklärt, aber zur Zeit der Lekture muß es voller Abenteuer gewesen sein, aus denen meine Mutter mich herausriß, als sie an der verschlossenen Tür rüttelte. Das Geschrei war außerordentlich, was ich ebenfalls nicht verstand, vor allem aber das daraufhin gestrichene Dessert. Doch Kindern gegenüber — und damals war man in diesem Alter noch Kind, jedenfalls bei uns zuhause — galt es, die Moral zu wahren; es gab da durchaus Unterschiede zwischen kindlicher und erwachsener. Es war also zu dieser Zeit vermutlich so eine Art Porno, den ich mir da zur Hälfte reingezogen hatte. Von solchen Substanzen standen offensichtlich einige herum im Giftschrank meiner Mutter. Mein Vater benötigte solche Behältnisse nicht. Er interessierte sich qua Berufung nahezu ausschließlich für Geröll und Gestein und für Karten aus wüsten Ländern, ähnlich den Schilderungen von Karl May.

Sobald ich aus dem Haus und in Berlin und zwischenzeitlich auch an anderen Orten angekommen war, stürzte ich mich in sämtliche Giftschränke der Welt. Eine ganze Weile sollte es dauern, bis ich zu ahnen begann, was sich alles an Ungeheuerlichkeiten darin befand; von manch einer weiß ich bis heute nicht, ob ich sie damals verstanden habe; wenngleich das erneute Lesen des einen oder anderen Buches zumindest zum späteren Verständnis beigetragen haben könnte. Zur lerneifrigen, dann doch so etwas wie Zukunft andeutenden Zeit erhielten die Enzyklopädisten besondere Bedeutung, zu denen sich dann noch die deutschen Romantiker gesellten, allesamt fochten sie ihre Sträuße dann in meinem bescheidenen Hirnstübchen aus, in dem sich bereits zuvor privat die Existentialisten breitgemacht hatten. Ziemlich eng wurde es. Denn es kamen weitere Interessen hinzu, ausgelöst wohl durch diese ganze Lese- und Plauderei, darunter die Architektur, die bildende sowie die darstellende Kunst, also das Theater, an dem ich zunächst auch und ziemlich unversehens eine Berufung fand, nachdem ich des Insulanertums überdrüssig geworden und, einmal mehr, ganz woanders hin mäandert war. Auch in der folgenden, einige Jahre andauernden Tätigkeit beim Rundfunk durfte ich nicht nur schreiben, sondern hatte zuvor einiges zu lesen, wollte Passables dabei herauskommen. Dann aber war ich runde zwanzig Jahre lang gezwungen, nur noch zu lesen und das auch noch zu korrigieren, was mich zusehends in Richtung der «spontanen» Aussage der Siebziger trieb: «Das bißchen, das ich lese, kann ich mir auch selber schreiben.» Nun aber, auf dem Abstellgleis des Alters, darf ich's machen wie Aloisius und alles vergessen, was mir da irgendwann von irgendwoher verordnet wurde. So greife ich dann und wann ins Regal meines Lebens und lese dank dieses wunderschönen Altersheimers quasi jedesmal ein neues Buch.

Eines ist mir in besonders schöner Erinnerung, und allzu gerne tät' ich's nochmal lesen: Vorletzte Worte, erschienen 1970 im bunten Umschlag von Bärmeier & Nikel, herausgegeben vom wunderbaren Karl Heinz Kramberg> und mit diesem im Wortsinn köstlichen Text des immerfort reisenden Horst Krüger, der immer eine Flasche feinsten Whiskys im Handschuhfach seines Autos parat hatte, und all den vielen anderen, die ich zum Teil persönlich kennengelernt und die ich (fast alle) gerne gelesen habe.* Aber ich weiß nicht, nach welchem neuen System ich's eingeordnet habe.

* Schriftsteller schreiben ihren eigenen Nachruf. Die Autoren dieses Buches (diejenigen, von denen ich ansonsten nichts weiter gelesen habe, lasse ich unverlinkt): H. G. Adler; Frank Arnau; Arnfried Astel; Martin Beheim-Schwarzbach; Rolf Bongs; Peter O. Chotjewitz; Herbert Eisenreich; Gisela Elsner; Humbert Fink; Werner Finck; Albrecht Goes; Max von der Grün; Peter Härtling; Geno Hartlaub; Friedrich Heer; Ernst Jandl; Josef W. Janker; Uwe Johnson; Hermann Kesten; Rudolf Krämer-Badoni (ouf!); Karl Krolow; Horst Krüger; Günter Kunert; Kurt Kusenberg; Dieter Lattmann; Hans Leip; Hermann Lenz; Alexander Lornet Holenia; Ludwig Marcuse (nicht jeder mochte ihn; ich schon); Kurt Marti, Ulf Miehe; Robert Neumann; Hans Erich Nossack; Felix Rexhausen; Oda Scheafer; Paul Schallück; György Sebestyen; Johannes Mario Simmel; Wolfdietrich Schnurre; Jürgen Thorwald; Friedrich Torberg; Thaddäus Troll; Karl Wittlinger; Gabriele Wohmann
 
Di, 13.04.2010 |  link | (5284) | 13 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Kopfkino



 

Ehernes Recht

Ich war einmal nach deutscher Gesetzgebung verheiratet. Es ging nicht anders. Obwohl ich's, nein, obwohl wir's versucht haben. Ein paar Tage, nachdem meine Freundin, eine Lebensabschnittgefährtin kannte man zu dieser Zeit noch nicht, und sich zu verloben, das war uns damals, wie es im heutigen Neudeutsch hieße, zu oldschool, meine schnuckelige Wohnung im pulsierenden Herzen Mainhattans, die ich für die Dauer zweier Semester gemietet hatte, nicht mehr nur schmückte, sondern diese nicht nur durch dauerhaftes Räkeln auf dem Sitzsack oder dem seinerzeit finnischen (das Schwedische gehörte damals noch nicht zum Standard jugendlicher Möblierung) Lustlager verschönerte, da klingelte es. Nein, die Polizei hatte seinerzeit zuviel zu tun mit Aufsässigen, die eigentlich schön brav studieren sollten statt zu protestieren, und bereitete sich vermutlich vor auf den Angriff der deutschen roten Armee. Ein Ehepaar mittlerer Jahre war's, zwar nicht eines von den Zeugen vom Wachturm oder einer ähnlich wehrhaften geistigen Institution, aber es erschien mir so. Ich öffnete ein wenig die Wohnungstür, um den beiden einen auch zu dieser Zeit bereits geübten Vortrag zu halten über deren Fehlsteuerung, wollte anheben, doch da befand sich bereits ein Herrenschuh zwischen Tür und Angel, wie man das so kennt bei denen, die meinen, sie hätten etwas wichtiges vorzutragen wie über die Vorteile eines Zeitschriftenabonnements oder einer Rechtsschutzversicherung. Einfach zur Seite geschoben wurde ich, der Herr des gesetzeswidrig blockierenden Fußes trat sich Bahn hinein in die Mitte des zentralen Raums, gefolgt von einer vermutlich etwas jüngeren Begleiterin. Das sei mit ihm als Mann nicht zu machen, verkündete er lauthals im offenbar gewohnten Befehlston, dabei den rechten Arm in Schulterhöhe ausgestreckt beinahe arretierent und benickt von der ihn begleiteten Dame. Entweder es würde geheiratet oder die Tochter packe auf der Stelle ihren Koffer und kehre wieder zurück an den elterlich-mütterlichen Herd.

Wir kannten uns seit ein paar Wochen. Sie war mir in diesem Tanzlokal mit zwar lebenden, aber nicht sonderlich lebendigen Musikern erschienen wie die deutsche Version dieser jungen Frau, die mich in Paris schier von Sinnen gebracht hatte. Tatsächlich kam über den zunächst etwas robusteren dann ein engerer Tanz sowie ein anschließendes Gespräch zustande, aus dem sich der gemeinsame Wunsch nach schier grenzenloser Freiheit ergab. Kurze Zeit danach war sie zum zentralen Punkt dieser Wohnung geworden, die ihr Vater dann temporär und unter Mißachtung jeder Gesetzbarkeit okkupieren sollte.

Weshalb ich das erzähle? Nun, ich hatte dieser Tage eine Andeutung gemacht. Um das neue Eherecht ging es dabei, das, wenn ich mich recht entsinne, 1973 inkraft treten würde. Wir hatten nach der drohenden elterlichen Entführung aus meinem bescheidenen Serail eine baldige Heirat zugesagt, um weiterhin zusammenbleiben zu dürfen; eine Flucht auf eine einsame Insel und somit den Verlust des Elternhauses hätte die damals ohnehin noch nicht Volljährige (sie war noch nicht einundzwanzig) auch nicht verkraftet. Unsere elterlich genehmigte Hochzeit fand ein Jahr nach dem statt, in dem das Hippietum, das ich während eines längeren USA-Aufenthaltes kennenlernen sollte, sich in Berkeley in politischen Protest umgewandelt hatte, der sich an europäischen Universitäten fortsetzte und als '68 nicht nur in die Geschichte sämtlicher heutiger Schuldzuweisungen eingehen sollte. Es war auch auch der Beginn unvorstellbarer Grabenkriege an den harten Fronten unterschiedlicher Auffassung von Moral. Ein vorsichtshalber eingeholtes Gesuch beim damaligen Wohnungsvermieter zur auch außerehelichen Nutzung eines Paares hatte sich somit erübrigt. Dem Hausherrn, der bereits qua Herkunft ausreichende weltmännische Erfahrung mit Wohnungssuche gesammelt hatte und obendrein ein Freund der Familie war, focht das allerdings ohnehin nicht an, er setzte sich über den damals noch existierenden Kuppeleiparagraph hinweg, nach dem er für diese Tat mit Gefängnis hätte bestraft werden können. Überdies sah er als Jurist das Ende einiger nicht nur moralischer Gesetze voraus.

Er war es auch, der mich lächelnd aus einer unangenehmen Situation befreien sollte, in die ich noch während der Zeit des standesamtlichen Aufgebots geraten war, das jedermann und -frau öffentlich in Schaukästen die Verlobungen auswies. Noch einmal sollte ich, nein, sollten wir, meine dann Verlobte und ich, Besuch eines Ehepaars bekommen. Es hatte die Veröffentlichung gelesen, die unter anderem deshalb aushing, auf daß man beispielsweise gegen eine im Christentum ungesetzliche geplante Mehrfachehe vorgehen konnte (die seinerzeit zumindest in Städten bereits praktizierte, aber eben nichteheliche Promiskuität auch von Christen unter einem Dach verhinderte das schon nicht mehr). Dieses Ehepaar bat freundlich um Einlaß, der auch gewährt wurde. Es eröffnete uns beiden noch nicht gesetzlich Gepaarten ältere Rechte am männlichen Teil. Ich hätte einige Zeit zuvor seiner Tochter die Ehe versprochen. Ein sehr lang anhaltendes Gespräch war das, das ich aus der Erinnerung gar nicht mehr wiedergeben könnte; ein wenig scheint mir noch das ahnende, nachdenkliche Gesicht meiner mir entschwindenden Angebeteten auf. Aber an das Fazit erinnere ich mich noch sehr gut: Entweder hier würde eine Trennung vollzogen und ich heiratete des Ehepaars Töchterlein, das ihm von meinem Eheversprechen berichtet hatte, oder ich würde verklagt nach dem sogenannten Kranzgeldparagraph. Zwar erinnerte ich mich an die Liaison mit der jungen Frau vom Lande, nicht aber daran, mich mit ihr verlobt und ihr somit ein gemeinsames Leben bis daß der Tod euch scheide versprochen zu haben. Doch ich war durchaus verängstigt. Deshalb suchte ich meinen rechtsberatenden Vermieter auf und ersuchte Hilfe. Er schmunzelte und riet mir, zunächst abzuwarten, ob denn überhaupt etwas komme. Es kam. Ein gerichtliches Schreiben, dem zu entnehmen war, daß eine gegen mich gerichtete Klage nach Paragraph 1300 des Bürgerlichen Gesetzbuches vorläge (für Interessierte: hier das pdf einer rechtsgeschichtlichen Arbeit der Ruhr-Universität Bochum zum Thema). Mein Ratgeber durfte es nicht mehr erleben, daß dieser Paragraph 1998 (sic) gestrichen wurde (gleichwohl die Brautgeld genannte Variante später wieder Einzug nehmen sollte an deutschen Gerichten, wie auch die kosmetische Operationsindustrie einen zuvor wohl nicht erwarteten Aufschwung des Umsatzes zu verzeichnen zu haben scheint). Aber es war ihm seinerzeit immerhin gelungen, den leitenden Richter davon zu überzeugen, die Klage abzuweisen unter dem Gesichtspunkt, selbst wenn tatsächlich ein Eheversprechen in Tateinheit mit einer erfolgten Entjungferung stattgefunden hätte, dem sein Mandant widerspräche, so sei von einer Verurteilung doch abzuraten, da man noch Platz benötige in den Gefängnissen für aufsässige Studenten. So hat er's selbstverständlich nicht geschrieben, schon etwas kanzleideutscher, aber mir gegenüber hat er so seine Argumentation vorgewitzelt.

Für meine Scheidung benötigte ich keinen Rechtsbeistand mehr. Eingereicht hatte sie meine Ehefrau, etwa ein Jahr, nachdem sie mit mir in dann unser Zuhause im guten alten Spree-Athen gezogen war. «Böswilliges Verlassen» hatte vorgelegen als Begründung für die Schuld, die nach dem damals noch gültigen Eherecht noch nachgewiesen werden mußte. Einen «Sühnetermin» gab es noch, etwa zwei Jahre nach der Trennung von Tisch und Bett, zu dem mich meine fröhliche Freundin begleitete. Mit ihm sollte der Versuch einer Wiederherstellung der Ehe, also eine «Versöhnung» durch den Richter vollzogen werden. Zur Klärung des Sachverhalts wurde zu dieser Zeit noch gefragt, wann der letzte eheliche Verkehr stattgefunden habe. Meine Antwort brachte mir seitens des Richters eine Rüge ein, da ich empfahl, meine mich keines Blickes würdigende Gattin zu fragen, denn die habe sicherlich Buch geführt. Ich brauche gar nicht mehr wiederzukommen, meinte der Vorsitzende des Familiengerichts. Die Scheidungsurkunde würde mir postalisch zugestellt.

Wir haben uns danach nie wieder gesehen, meine erste und einzige Ehefrau und ich. Ob sie sich noch einmal hat scheiden lassen müssen, entzieht sich deshalb meiner Kenntnis. Mir haben nicht nur meine (vorehelichen) Kinder abgeraten, es erneut zu versuchen, ich sei für bestimmte Lebensformen nämlich ungeignet.
 
Fr, 09.04.2010 |  link | (8968) | 14 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Seltsamkeiten



 







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