Von der Maas bis an die Memel,

von der Etsch bis an den Belt.

Einige Tage bevor ein Kanzelminister typischen deutschnamens Pofalla wohl stellvertretend für alle erdenklichen Politiker der Europäischen Union die Angelegenheit ein für alle Male als erledigt bezeichnete, referierte im Fernsehen etwa eine Stunde lang ein Herr, der seit Jahrzehnten die Praktiken der Geheimdienste aller Herren Länder verfolgte, sie untersuchte und darüber auch ein Buch veröffentlichte. Seit Adenauers Zeiten sei Horch auch in der BRD gängige Praxis, das sei jedem einigermaßen informationswilligen Bürger nicht nur des freien Westens hinlänglich bekannt, ebenso die Tatsache, daß es seit Jahren der Internationale der Ab- und Aushorcher möglich sei, kodierte Mitteilungen per Mobiltelephon oder eMail et cetera zu entschlüsseln; größtenteils hätten etwa soziale Dienste, auch bekannt unter der Bezeichnung Netzwerke, jene, die sich mittlerweile darüber beklagen, sie seien ebenfalls abgehört worden, sowie an den Börsen notierte mehrwertorientierte Neumedien-gesellschaften bereitwillig zum Entkodierungsrätsel beigetragen. Dabei hätten die deutschen und anderen europäischen Lauscher sich stets an die Gesetze gehalten, angezapft worden sei jeweils außerhalb des Gebiets des vereinigten Europas.

Man hat diese Aufzeichnung einer Hörfunksendung des Südwestdeutschen Rundfunks notgedrungen auf einen Sendeplatz um drei Uhr früh gesetzt; vermutlich war die Hauptsendezeit durch andere Tatorte belegt. Leider steht mir die Aufzeichnung nicht mehr zur Verfügung; der der sozialen Gemeinschaft äußerst dienliche Vertrag zwischen privatwirtschaftlichen Zeitungsverlagen und öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten hat sie im Nirgendwo verschwinden lassen.

Glücklicherweise haben seit den Aufklärern Denis Diderot et all noch einige ihrer Art überlebt. Einer von ihnen hat vor ein paar Tagen festgestellt: «Merkels Handy soll abgehört worden sein. Seit 2002. Oh Gott! Was für eine sensationelle Neuigkeit?» Eine Einführung in die

Politische Wissenschaft.
 
Sa, 02.11.2013 |  link | (3700) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Gesellschaftsspiele


prieditis   (06.11.13, 01:40)   (link)  
Die kleine Schwester
Oh, sooo schön, daß Sie wieder hier schreiben! Das vorweg.

Man darf eben heutzutage keine Vorhänge mehr an den Fenstern haben! Das macht per se verdächtig.
Freunde mit Geheimnissen, das sind keine wahren und erst recht keine echten Freunde.
Freunde sind transparent! Immer und überall!*

Aber lediglich ein "omnia schnuppe" hinaus zu posaunen, das klingt doch recht elitär und ein wenig überheblich gegenüber den unbedarft uninteressiertenformierten Mitbürgern.

*und dann muss man sich andauernd rechtfertigen und beschwichtigen, man habe das ja alles nicht so gemeint. Oder gar gewusst.


jean stubenzweig   (06.11.13, 10:12)   (link)  
Richtig, keine Vorhänge,
man muß lediglich hinüberschauen zu den Nachbarn im nördlichen Westen oder Norden, je nach geographischer Sichtweise. Deren reformierte Protestler machen das seit ewigen Zeiten vor: In unsrer Stub, da gibt’s koa Sünd. Und das sind doch wahrlich echte (europäische) Freunde, also ganz alte, die aus der alten Welt. Da herrscht Transparenz, wie die Sichtbarmachung des Wahren, Edlen und Guten heutzutage so richtig klassisch deutsch genannt wird.

In Deutschland und anderswo gibt es offensichtlich noch immer viel zu viele Katholen. Die reden sich dann ständig heraus mit ihrer Beichte. Anläßlich der der schwarze Vorhang des Vergessens vorgezogen wird. Man hat lediglich fünfzigmal zu beten, das Herz sei rein. Um anschließend wieder gut Freund zu sein mit dem Allgewaltigen und es direkt danach wieder ordentlich krachen zu lassen auf der Party des Alltags.

Ich bin unbedingt für eine Rekatholisierung der Gesellschaft(en). Der Katholik kennt keine Geheimnisse. Die Moraltheologie oder auch –philosophie des Protestantismus, der in den USA so friedliche Urständ feiert, kommt dieser Art von unsittlicher Verhüllungspraxis aber auch zu sehr entgegen. Bacchanalien haben staatlicher Regulierung zu unterliegen.

Vor einiger Zeit hatten wir am ovalen Wein-Tisch ein Gespräch zum Thema, darin kamen diese ganzen Horden nach der Bergpredigt usw. lebenden Menschen vor, die bis vor gar nicht so langer Zeit rübergemacht sind in den freien Westen, diese ganzen Amishen, Calvinisten, Pietisten et cetera. Es wurde vom für seine vielen gewonnenen subtilen Verbalschlachten berühmten Igor F. Bergher abgeschlossen mit der Feststellung, die ich ungefähr zusammenfasse: Immer dann, wenn die Deutschen mit Waffengewalt andere Menschen überfallen und deren Länder okkupiert hätten, sei es irgendwie schiefgegangen. Dabei hätten sie lediglich altes Wissen abzurufen brauchen: daß sie ohne Dicke Bertas, Panzer, Raketen und Schießgewehre vielmehr Unheil angerichtet haben. Sich dessen zu erinnern, dafür habe selbst das genialische historische Einnerungs-vermögen des größten Feldherrn aller Zeiten nicht ausgereicht.


if bergher   (06.11.13, 12:23)   (link)  
Die Reste von Griechenland
bilden doch eine treffliche Illustration meiner -zugegebenerweise vom genannten ovalen Tisch zusätzlich befeuerten- Grundthese, daß Waffengewalt den Blutsdeutschen meist nur zu kurzen, wenn auch verheerenden Betriebsausflügen verholfen hat.
Die subtile Vereinnahmung Griechenlands dagegen singt das hohe Lied der Kaufmannskunst. Man verkauft den tumben Athenern solange Panzer und U-Boote ohne Zahl und auf Kredit, und zwar zur Sicherung ihrer Landesgrenzen, bis sie sich genötigt sehen, unter germanische Schutzschirme zu flüchten. Der wirtschaftlichen Resteverwertung steht nun nichts mehr im Wege. Zwar ist auch hier ein gewisser Blutzoll zu entrichten, der aber allein auf Seiten der Unterlegenen, während unsere herrliche Bundeswehr die europäischen Werte am Hindukusch nachdrücklich zu verteidigen vermag.
Ein unlösbares Problem allerdings scheint mir auch diese Art der Invasion und Übernahme mit sich zu bringen: eines nicht allzu fernen Tags wird diese unsere Wirtschaft draußen im Lande mit der Tatsache konfrontiert werden, daß mit der Konkursmasse Griechenlands auch die einst arbeitsplatzsichernd verkauften Panzer und U-Boote unzerstört den Weg zurück finden. Da aber Rüstungsproduktion, die damit verbundenen qualifizierten Arbeitsplätze sowie Forschungsinstitutionen von einer beständigen Nachfrage nach neuen Gütern abhängen, droht hier eine verhängnisvolle Schleife. Wohin damit?
Wieder Polen überfallen, um wenigstens die gröbsten Restbestände veralteten Materials einer schnellen Verschrottung zuzuführen?
Hier hatte meines Erachtens der österreichische Gefreite die Nase vorn: die russischen Ölfelder zu erobern, allein um die Panzer zu befeuern, die nur dazu dienten, ebendiese Felder zu erreichen, ist im Sinne einer Arbeitsplatzsicherung in der Heimat (sic!) ökonomisch sinnvoller, wenn auch recht kurzfristig.
Eher gangbar scheint mir der Weg wie der Germanisierung "Malliorkas" (Tegtmeier). Markante Auswüchse deutscher Kultur konnten klammheimlich ausgelagert werden (Drews ua), und die deutsche industrielle Alkoholindustrie hat einen zuverlässigen Partner gefunden. Hier, deucht mir, liegt noch viel Potential verborgen.
Möchte sein, daß es dem kömmenden Wirtschafts- oder auch Verteidigungsminister gelingt, einen Deal zur Verteidigung der mallorcanischen Küsten einzufädeln (hellenische U-Boote und Panzer)?
Damit wäre nicht nur unserem Volksganzen, sondern auch Griechenland und insbesondere Polen gedient.


jean stubenzweig   (06.11.13, 15:44)   (link)  
Wer wird schon wissen,
wem als nächstem der Saft ausgeht. Und den Deutschen der Wind ausbleibt, Raps und Mais ausgehen, weil alles die US-amerikanische Pflanz-Patent-Industrie für sich reklamiert. Dann wird eben beispielsweise den Saudis empfohlen, doch ein paar ihrer Inseln zu privatisieren. Andererseits ist Deutschland doch mit denen befreundet, jedenfalls indirekt. Und gegen Freunde tut man doch nichts Schändliches. Obendrein dürften die noch ein paar andere als Daimler-Aktien an den deutschen Börsen liegen haben. Also wäre Vorsicht geboten. Denn ob die rommelsche Afrika-Erfahrung heutzutage noch ausreichte?

Aber was rede ich da?! Von deutschem Boden ausgehen wird nie wieder ein Krieg. Und außerdem gehört Afrika (noch) nicht zu Europa, sieht man von diesem kleinen marokkanischen Zipfel ab.

Aber da ich gerade im Land bin: Spanien hätte übrigens auch ein paar Eilande, die es privatisieren könnte, falls ihm das Geld ausginge. Allerdings bin ich nicht sicher, ob diese Inseln sich nicht ohnehin bereits im Besitz deutscher Fernsehschauspieler und anderer Mediengrößen befinden.

Gestern, das am Rande, habe ich übrigens in einem Blog gelesen, es habe Schwierigkeiten gegeben, die gefallsüchtige Mutti samt Rollator plus Papi in einen Ferienflieger hin zu den kanarischen Inseln zu verfrachten, weil es Probleme mit der technischen Abwicklung gegeben habe; auch sei das Bodenpersonal äußerst unfreundlich gewesen. Was haben Franzosen es da doch leicht; zumal sie die Höflichkeit erfunden haben. Wer in die Karibik oder in die Südsee reisen möchte, bucht einen Inlandflug, und alles wird, auch in Übersee, mit Euro bezahlt und von einem stetigen Lächeln belohnt. Das mit der Kolonialisierung hat bereits der letzte deutsche Kaiser nicht richtig hingekriegt. Und der aus dem Östereichischen stammende Gefreite* gleich gar nicht, weder zu des Kaisers Zeiten noch während seiner Regentschaft.

* Das Volkslexikon Wikipedia meldet dazu: «Er trat am 16. August 1914 als Kriegsfreiwilliger in die Bayerische Armee ein und wurde am 8. Oktober 1914 auf den König von Bayern vereidigt, weil man ihn bei seiner Meldung wohl irrtümlich für einen Bayern hielt. Die von ihm später behauptete, kurzfristig beantragte österreichische Sondergenehmigung gilt als Legende.»


if bergher   (06.11.13, 18:34)   (link)  
Stümperhafter Kolonialismus
ist dem heutigen Deutschland ohnehin strafverschärfend anzurechnen. Welches zivilisierte Volk käme wohl auf die Idee, seine "Hauptstadt" (früher Bundeshauptstadt, noch etwas früher Reichshauptstadt) in die gerade frisch besetzten Kolonien zu verlegen?
Der Deutsche tat es.
Unfähig und unwillig, nach einem grandios verlorenen Krieg ausgerechnet die Stadt der ersten demokratischen Nationalversammlung als Hauptstadt zu wählen, floh man in die tiefste Provinz. Bonn mußte es sein, in unmittelbarer Nähe der Adenauerschen Rosengärten. Geschaffen als ewiges Provisorium, bis daß das Vaterland (für meine Generation allerdings schon Großvaterland) sich wieder vereine.
Und erneut wurde die Stadt des preussischen Militarismus ausersehen, eine Ansammlung von Dörfern auf märkischem Sand. Nun aber nicht mehr wenigstens inmitten Preußens. Nein, nun bei Polen. Die Stadt, auf die kein Volk der Welt mehr sehen will, seit sie ihre jahrzehnetelang idenditätsstiftende Mauer zerbröselte bis zur Unauffindbarkeit.
So teilte man den Neukolonien mit, daß fürderhin die Banane eine deutsche Frucht sei, und das Altreich gewillt, aus der Schwarzen Pumpe und ähnlich abschreckenden Destinationen blühende Gärten zu zaubern. Und zwar gleich, wenn nicht sofort.
Sogar die heiß begehrte Westmark ward den Neukolonialien zum Lohn, die sich einer "friedlichen Revolution" rühmten, wo sie sich erneut und ohne Not unterworfen hatten.
Schlimmer noch: sogar die Zungen, in denen sie quakten, nöhlten und zischten, galten nunmehr als deutschsprachig.
Hier, besonders hier zeigt sich die falschverstandene, wenn nicht komplett absente Qualität eines gepflegten Kolonialismus. Das vollständige Fehlen des imperialen Überbaus.
Wollten nicht dereinst Spanier und Portugiesen, später dann auch Engelländer und Franzosen den Wilden Segensreiches bringen? Wollten sie nicht im Dunkel der Barbarei das Licht des Christmannstums entzünden? Haben sie nicht dem Neger (und der Negerin) deutlich gemacht, daß der Weg zur Zivilisation zwar dornig und langwierig, aber sozusagen alternativlos sei? Haben sie nicht zuvörderst die Peitsche gezeigt, den verstockten Heiden den Weg zu weisen?
Wie anders in unserer unglücklichen gewesenen Heimat. Ohne Not und Vernunft wurden unsere Urgroßbrüder und -schwestern dem einst blühenden Volkskörper einverleibt..
Nicht sahen diese Peitsche noch Umerziehung, gar die Christianisierung blieb aus. Man nahm sie, wie sie aus der Russenfron kamen.
Dies alles schreibe ich nieder aus tiefster Not. Aus einer vergessenen, blühenden Heimat nahe Frankreich, die wegen gründlich falsch verstandener Neukolonialisierung wohl für immer verging. Als Gefangener einer ostdeutschen Pfarrestochter und eines ostdeutschen Pfaffen, die höchste Staatsämter okkupiert halten.
Möge, Schicksal, unser Frankenreich einen neuen Befreier senden. Er muß ja nicht unbedingt aus Korsika abstammen.


jean stubenzweig   (06.11.13, 18:56)   (link)  
Mir fehlen die Worte
angesichts dieser flammenden Rede für das Frankenreich; jedenfalls für die nächsten Augenblicke.

Doch heute wird mich wohl kaum mehr einer überkommen, solch ein Augenblick der annähernd kongenialen Danksagung. Also belasse ich’s erstmal dabei: Dank und Verbeugung für diesen grandiosen Wortschwall.















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