Ehernes Recht

Ich war einmal nach deutscher Gesetzgebung verheiratet. Es ging nicht anders. Obwohl ich's, nein, obwohl wir's versucht haben. Ein paar Tage, nachdem meine Freundin, eine Lebensabschnittgefährtin kannte man zu dieser Zeit noch nicht, und sich zu verloben, das war uns damals, wie es im heutigen Neudeutsch hieße, zu oldschool, meine schnuckelige Wohnung im pulsierenden Herzen Mainhattans, die ich für die Dauer zweier Semester gemietet hatte, nicht mehr nur schmückte, sondern diese nicht nur durch dauerhaftes Räkeln auf dem Sitzsack oder dem seinerzeit finnischen (das Schwedische gehörte damals noch nicht zum Standard jugendlicher Möblierung) Lustlager verschönerte, da klingelte es. Nein, die Polizei hatte seinerzeit zuviel zu tun mit Aufsässigen, die eigentlich schön brav studieren sollten statt zu protestieren, und bereitete sich vermutlich vor auf den Angriff der deutschen roten Armee. Ein Ehepaar mittlerer Jahre war's, zwar nicht eines von den Zeugen vom Wachturm oder einer ähnlich wehrhaften geistigen Institution, aber es erschien mir so. Ich öffnete ein wenig die Wohnungstür, um den beiden einen auch zu dieser Zeit bereits geübten Vortrag zu halten über deren Fehlsteuerung, wollte anheben, doch da befand sich bereits ein Herrenschuh zwischen Tür und Angel, wie man das so kennt bei denen, die meinen, sie hätten etwas wichtiges vorzutragen wie über die Vorteile eines Zeitschriftenabonnements oder einer Rechtsschutzversicherung. Einfach zur Seite geschoben wurde ich, der Herr des gesetzeswidrig blockierenden Fußes trat sich Bahn hinein in die Mitte des zentralen Raums, gefolgt von einer vermutlich etwas jüngeren Begleiterin. Das sei mit ihm als Mann nicht zu machen, verkündete er lauthals im offenbar gewohnten Befehlston, dabei den rechten Arm in Schulterhöhe ausgestreckt beinahe arretierent und benickt von der ihn begleiteten Dame. Entweder es würde geheiratet oder die Tochter packe auf der Stelle ihren Koffer und kehre wieder zurück an den elterlich-mütterlichen Herd.

Wir kannten uns seit ein paar Wochen. Sie war mir in diesem Tanzlokal mit zwar lebenden, aber nicht sonderlich lebendigen Musikern erschienen wie die deutsche Version dieser jungen Frau, die mich in Paris schier von Sinnen gebracht hatte. Tatsächlich kam über den zunächst etwas robusteren dann ein engerer Tanz sowie ein anschließendes Gespräch zustande, aus dem sich der gemeinsame Wunsch nach schier grenzenloser Freiheit ergab. Kurze Zeit danach war sie zum zentralen Punkt dieser Wohnung geworden, die ihr Vater dann temporär und unter Mißachtung jeder Gesetzbarkeit okkupieren sollte.

Weshalb ich das erzähle? Nun, ich hatte dieser Tage eine Andeutung gemacht. Um das neue Eherecht ging es dabei, das, wenn ich mich recht entsinne, 1973 inkraft treten würde. Wir hatten nach der drohenden elterlichen Entführung aus meinem bescheidenen Serail eine baldige Heirat zugesagt, um weiterhin zusammenbleiben zu dürfen; eine Flucht auf eine einsame Insel und somit den Verlust des Elternhauses hätte die damals ohnehin noch nicht Volljährige (sie war noch nicht einundzwanzig) auch nicht verkraftet. Unsere elterlich genehmigte Hochzeit fand ein Jahr nach dem statt, in dem das Hippietum, das ich während eines längeren USA-Aufenthaltes kennenlernen sollte, sich in Berkeley in politischen Protest umgewandelt hatte, der sich an europäischen Universitäten fortsetzte und als '68 nicht nur in die Geschichte sämtlicher heutiger Schuldzuweisungen eingehen sollte. Es war auch auch der Beginn unvorstellbarer Grabenkriege an den harten Fronten unterschiedlicher Auffassung von Moral. Ein vorsichtshalber eingeholtes Gesuch beim damaligen Wohnungsvermieter zur auch außerehelichen Nutzung eines Paares hatte sich somit erübrigt. Dem Hausherrn, der bereits qua Herkunft ausreichende weltmännische Erfahrung mit Wohnungssuche gesammelt hatte und obendrein ein Freund der Familie war, focht das allerdings ohnehin nicht an, er setzte sich über den damals noch existierenden Kuppeleiparagraph hinweg, nach dem er für diese Tat mit Gefängnis hätte bestraft werden können. Überdies sah er als Jurist das Ende einiger nicht nur moralischer Gesetze voraus.

Er war es auch, der mich lächelnd aus einer unangenehmen Situation befreien sollte, in die ich noch während der Zeit des standesamtlichen Aufgebots geraten war, das jedermann und -frau öffentlich in Schaukästen die Verlobungen auswies. Noch einmal sollte ich, nein, sollten wir, meine dann Verlobte und ich, Besuch eines Ehepaars bekommen. Es hatte die Veröffentlichung gelesen, die unter anderem deshalb aushing, auf daß man beispielsweise gegen eine im Christentum ungesetzliche geplante Mehrfachehe vorgehen konnte (die seinerzeit zumindest in Städten bereits praktizierte, aber eben nichteheliche Promiskuität auch von Christen unter einem Dach verhinderte das schon nicht mehr). Dieses Ehepaar bat freundlich um Einlaß, der auch gewährt wurde. Es eröffnete uns beiden noch nicht gesetzlich Gepaarten ältere Rechte am männlichen Teil. Ich hätte einige Zeit zuvor seiner Tochter die Ehe versprochen. Ein sehr lang anhaltendes Gespräch war das, das ich aus der Erinnerung gar nicht mehr wiedergeben könnte; ein wenig scheint mir noch das ahnende, nachdenkliche Gesicht meiner mir entschwindenden Angebeteten auf. Aber an das Fazit erinnere ich mich noch sehr gut: Entweder hier würde eine Trennung vollzogen und ich heiratete des Ehepaars Töchterlein, das ihm von meinem Eheversprechen berichtet hatte, oder ich würde verklagt nach dem sogenannten Kranzgeldparagraph. Zwar erinnerte ich mich an die Liaison mit der jungen Frau vom Lande, nicht aber daran, mich mit ihr verlobt und ihr somit ein gemeinsames Leben bis daß der Tod euch scheide versprochen zu haben. Doch ich war durchaus verängstigt. Deshalb suchte ich meinen rechtsberatenden Vermieter auf und ersuchte Hilfe. Er schmunzelte und riet mir, zunächst abzuwarten, ob denn überhaupt etwas komme. Es kam. Ein gerichtliches Schreiben, dem zu entnehmen war, daß eine gegen mich gerichtete Klage nach Paragraph 1300 des Bürgerlichen Gesetzbuches vorläge (für Interessierte: hier das pdf einer rechtsgeschichtlichen Arbeit der Ruhr-Universität Bochum zum Thema). Mein Ratgeber durfte es nicht mehr erleben, daß dieser Paragraph 1998 (sic) gestrichen wurde (gleichwohl die Brautgeld genannte Variante später wieder Einzug nehmen sollte an deutschen Gerichten, wie auch die kosmetische Operationsindustrie einen zuvor wohl nicht erwarteten Aufschwung des Umsatzes zu verzeichnen zu haben scheint). Aber es war ihm seinerzeit immerhin gelungen, den leitenden Richter davon zu überzeugen, die Klage abzuweisen unter dem Gesichtspunkt, selbst wenn tatsächlich ein Eheversprechen in Tateinheit mit einer erfolgten Entjungferung stattgefunden hätte, dem sein Mandant widerspräche, so sei von einer Verurteilung doch abzuraten, da man noch Platz benötige in den Gefängnissen für aufsässige Studenten. So hat er's selbstverständlich nicht geschrieben, schon etwas kanzleideutscher, aber mir gegenüber hat er so seine Argumentation vorgewitzelt.

Für meine Scheidung benötigte ich keinen Rechtsbeistand mehr. Eingereicht hatte sie meine Ehefrau, etwa ein Jahr, nachdem sie mit mir in dann unser Zuhause im guten alten Spree-Athen gezogen war. «Böswilliges Verlassen» hatte vorgelegen als Begründung für die Schuld, die nach dem damals noch gültigen Eherecht noch nachgewiesen werden mußte. Einen «Sühnetermin» gab es noch, etwa zwei Jahre nach der Trennung von Tisch und Bett, zu dem mich meine fröhliche Freundin begleitete. Mit ihm sollte der Versuch einer Wiederherstellung der Ehe, also eine «Versöhnung» durch den Richter vollzogen werden. Zur Klärung des Sachverhalts wurde zu dieser Zeit noch gefragt, wann der letzte eheliche Verkehr stattgefunden habe. Meine Antwort brachte mir seitens des Richters eine Rüge ein, da ich empfahl, meine mich keines Blickes würdigende Gattin zu fragen, denn die habe sicherlich Buch geführt. Ich brauche gar nicht mehr wiederzukommen, meinte der Vorsitzende des Familiengerichts. Die Scheidungsurkunde würde mir postalisch zugestellt.

Wir haben uns danach nie wieder gesehen, meine erste und einzige Ehefrau und ich. Ob sie sich noch einmal hat scheiden lassen müssen, entzieht sich deshalb meiner Kenntnis. Mir haben nicht nur meine (vorehelichen) Kinder abgeraten, es erneut zu versuchen, ich sei für bestimmte Lebensformen nämlich ungeignet.
 
Fr, 09.04.2010 |  link | (6031) | 14 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Seltsamkeiten


nnier   (09.04.10, 08:43)   (link)  
Was für eine schöne Geschichte! Leider wurden die folgenden, wunderbaren Zeilen erst nach den geschilderten Ereignissen gesungen, sonst hätten Sie damit womöglich auch ausgestreckte Arme zum Erweichen gebracht:
I hob doch nix von Liebe gsogt
Des miaßt i wissn
I hob bloß gsogt des i di mog.
Schau mi doch net so traurig o
Sonst plogt mi 's Gwissn
I hob bloß gsogt des i di mog.



jean stubenzweig   (09.04.10, 14:49)   (link)  
Eine bayerische Reaktion
aus Bremen auf eine Geschichte oberhalb des Weißwurstäquators? Aber dabei fällt mir ein, daß zu der Zeit, als ich aus Bayern meist ebenfalls in der Realität Satirisches nach Radio Bremen funkte, der zuständige Redakteur, ein heute unter höheren Kulturweihen und somit protestantischen des NDR tätiger Hamburger, jeweils mit dem antwortete, das er nach einer Überspielung mal so vernommen hatte: Lluja, sog i Was soviel hieß wie: Wir haben zwar wieder alle nichts verstanden, aber lustig war's wieder einmal, immer her mit dem Zeug. Also, dieses «I hob bloß gsogt des i di mog» gib tjubmäßig nichts her, «kein Video vorhanden». Aber ich nehme an, es sollte die Spider Murphy Gang trällern. Irgendwie hob i do noch dunkel (your hells and my dunkels) was in mei'm Hirnkaschterl.


nnier   (09.04.10, 15:26)   (link)  
Ja, die warn's, und ich versuche es nun noch einmal ohne das "ü" im Suchbegriff, woran sich die Tjub wohl verschluckt hat: Pfüati Gott, Elisabeth - trotz des unverschämten Reims von "Elisabeth" auf "Wasserbett ein von mir immer gerne gehörtes Stückerl Achtzger.

(Den wunderbaren Aloisius habe ich ewig nicht gesehen. Ganz große Trickfilmkunst.)


jean stubenzweig   (09.04.10, 17:04)   (link)  
Welch' lose Moral!
Ja, da schwingt einiges mit aus der Zeit, als die politische Intention zugunsten der promiskuitiven reinen Fröhlichkeit zurückzutreten begann; na ja, nicht so streng – als es wieder leicht hippieartig wurde. Ich habe die Achtziger genossen, mit allem anhängenden Kneipenzickzack. Und so waren diese Jungs tatsächlich. Ich habe sie, wenn ich mich recht erinnere, kennengelernt im Münchner Marienkäfer unter der Ägide von Marianne Sägebrecht, die damals ihre boulevardjournalische Tätigkeit drangegeben hatte und als Biene Maja moderierte (ich finde leider kein Bild dazu; richtig, ich ertrage sie bis heute nicht), wo auch der Wecker Konni seine ersten Willis (Kommentare beachten!) gab. Auch haben sie mir mal im BR-Studio für eine meiner Sendungen etwas eingespielt, da sie gerade im Haus waren bei ihrem überaus engagierten Förderer Georg Kostya, ich meine, es war die fällige Rock-Replik aufs Bruttosozialprodukt; daraus entstand ein kleines Portrait. Meine Musik war das nie, aber der Texte wegen habe ich gerne zugehört. Weshalb macht so etwas heute eigentlich niemand mehr? Oder weiß ich's einfach nicht?


pastiz   (09.04.10, 15:02)   (link)  
Sie haben's gut...
...lieber Herr Stubenzweig, das Strandgut von Ihrem Schiffbruch "im sicheren Hafen der Ehe" scheint doch einiges zum Schmunzeln übriggelassen zu haben.


jean stubenzweig   (09.04.10, 18:15)   (link)  
Bei so vielen Angriffen
über die Jahrzehnte hin von stürmerisch kämpferischen Monsterwellen auf meine operationsfrei wiederhergestellte Jungmännlichkeit kann doch nur ein Lächeln übrigbleiben. Und schön war's schließlich auch noch. Wie lernte ich bereits zu meiner berlinischen Anfangszeit einiges vor '68 witzeln: Wat ham wer jelacht bei de Beerdigung. De Kinner wollten in'n Sarch rin.

Aber eigentlich hat die Geschichte ja auch einen Hintergrund, nicht nur den der Kuppelei, die ja teilweise noch heute strafbewehrt ist, genauer: bei Minderjährigen. Sie erinnert an unseren Patchwork-Jüngsten. Als der heute Zweiundzwanzigjährige noch ein großartiger fünfzehnjähriger Punker war, kamen mir eines Mittags, die Zeit des langsamen Erwachens dieser Generation, wie bei der unsrigen damals auch, aus seinem nahezu ausnahmlos aus Bett mit Musik bestehendem Zimmer vier vermutlich noch etwas jüngere Grazien aus allen erdenklichen Ländern entgegen. Da kam sichtbar Freude auf. Mittlerweile ist er schon so lange mit ein und derselben zusammen, daß ich eine nahende Heirat befürchte. Der ältere Bruder, dieser Tage fünfundzwanzig geworden, hat bereits unter Kirchengeläut und zuvor durch Staatsbeamte vollzogen geehelicht und ist vierfacher Vater, auch dabei hat's zweimal gepatchworkt. Und wenn ich all die anderen Beziehungsturbulenzen bis mittleren Katastrophen betrachte, ich bin schließlich auch außerhalb dieses wunderschön bunten Flickerlteppichs reichlich versorgt, da könnte mir allerdings das Lächeln wieder vergehen. Andererseits: Jeder ist sein eigener Grubengraber, da muß jeder selbst seine erdischen Erfahrungen machen. Es gibt viel zu tun, warten wir's ab, plapperte ich schon immer gerne den Spontis nach. Ich sitze also nur noch im Aussichtsturm. Und lächle.

Sie etwa nicht? Dann wird's Zeit, daß Sie nach einem Turm Ausschau halten.


kid37   (11.04.10, 01:10)   (link)  
Ah, ganz außer Atem waren Sie damals. Verstehe, da hätten mich nicht erst die Eltern zur Ehe drängen müssen. Den berüchtigten Paragrafen kenne ich nur noch aus witzelnden Drohungen, als ich selber außer Atem geriet, war er dann doch aufgehoben. Damals konnte ich das überhaupt nicht nachvollziehen, so altbacken schien mir das. Man hatte ja gar keine Begriffe, daß das sozusagen just erst passé war. So wurde ich auch nie gezwungen und kann daher gar nicht sagen, ob ich für diese Lebensform geeignet wäre.


jean stubenzweig   (11.04.10, 19:54)   (link)  
Ja, atem- und rastlos.
Altbacken schien mir das eben auch damals schon, hatte ich doch eher so ein bißchen die bourgeoise Gelöstheit etwa von Sartre und de Beauvoir in der noch frischen Erinnerung an meine elterlichen Verhältnisse, in denen so etwas wie Ehe nicht zulässig war; was aber auch dazu beigetragen haben könnte, daß ich deshalb leichten Herzens in eine solche hineingeraten bin, war mir die Sehnsucht nach familiarer Geborgenheit doch sozusagen Trieb. Und dann erhielt ich eben von der Wirklichkeit einen ordentlichen Tritt in den Hintern. Selbst in den Großstädten war damals ein solches Leben nicht ohne weiteres möglich. Ich hatte mit meiner Wohnung das Glück eines in jeder Hinsicht aufgeklärten Vermieters. Aber in der Kleinstadt, aus der meine Angetraute stammte, oder gar auf dem Dorf war eine solche Lebensform seinerzeit undenkbar. Eine nicht verheiratete Frau mußte seinerzeit enorme Anstrengungen unternehmen, um einen Arzt zu finden, der ihr die Pille verordnete; oder gar weite Reisen nach Amsterdam, wenn die Moral gesiegt hatte.

Einige Zeit danach, es war ironischer- oder vielleicht auch bezeichnenderweise auf der Rückreise von meinem Sühnetermin in der nordhessischen Stadt nach Berlin, wurde ich aus einem lieblichen Dörfchen vertrieben, wo ich auf einer Party, zu der mich offensichtlichen Exoten Jüngere herzlich eingeladen hatten, unter der Droge Bridge over troubled water zunächst Wange an Wange und anschließend mit ziemlichem (Ent)Gegendruck erfolgreich um eine junge Ortansässige warb. Man sah das derart ungern, daß etwa die Hälfte der Einheimischen, allen voran die Gastgeber der Party, antrat, eine Art Rammbock mit absichernder Barriere bildete und mich über die Brücke, die über eine kürzlich gebaute, den Ort von der Welt abtrennenden Umgehungstraße führte, ins noch kleinere Nachbardorf hinüberbugsierte, wo mir dann etwa gleichaltrige Wirtsleute ein Zimmer vermieteten. Einige Wochen blieb ich dort, und die Schöne besuchte mich dort regelmäßig, oftmals, bevor sie frühmorgens zur Arbeit ins nahegelegene Städtchen fuhr, und in der Regel auch nach Feierabend. Unser zauberhaftes Verhältnis wurde beendet, nachdem ihre Eltern sie unter Hausarrest gestellt hatten; irgendjemand hatte ihnen davon erzählt, daß ihre Tochter nach wie vor mit diesem Fremden herumhure.

Doch auch heute noch oder wieder (?) ist der Mensch, nicht nur der jüngere und nicht nur der des Dorfes erst dann glücklich, wenn geheiratet wird. Zwar hat man sich daran gewöhnt, daß es meistens nicht erst nach dem verflixten siebten Jahr und auch nicht immer mit Mord und Totschlag endet, aber eine Hochzeit ist schon enorm wichtig. Aus welchem Grund auch immer. Aber letztendlich läuft alles darauf hinaus, daß ich nicht anderes bin als ein zurückgebliebenes Ekel.


lorilo   (11.04.10, 20:08)   (link)  
So sehr ich Sartre verehre und den Ekel selbstverständlich; so hätte ich Sie damit nie in Verbindung bringen können, es gelingt mir nicht. Entschuldigen Sie das ungelenke Kompliment.


jean stubenzweig   (11.04.10, 20:23)   (link)  
Sartre hat mir
sozusagen meinen Humus bereitet, quasi zu meiner Existientz beigetragen. Nicht nur er, seine Simone schon auch. Aber das habe ich erst sehr viel später verstanden. Wenn ich überhaupt je etwas verstanden habe.


jean stubenzweig   (11.04.10, 20:38)   (link)  
Zur Verdeutlichung
ein Nachtrag: Sartre war wohl ein bürgerliches Ekel, das auch erst später, nicht zuletzt mithilfe seiner aufgeklärteren, vermutlich weitsichtigeren Dame begriffen hat, wogegen er sich auflehnen muß. Möglicherweise gehören die beiden deshalb zu meiner geistigen Verwandschaft. Gegen die ich mich allerdings genauso auflehne wie gegen die meine des Blutes. Es gibt niemanden, der in irgendeiner Form irgendwie recht hatte oder hat.


lorilo   (12.04.10, 17:33)   (link)  
Geistige Verwandschaft nicht, Nähe ja. Doch.


kid37   (12.04.10, 18:12)   (link)  
Ich las neulich von einer Studie (gut, derer gibt es viele und mit mannigfaltigen Ergebnissen), daß Männer länger und gesünder leben, wenn sie verheiratet sind oder, das fand ich bemerkenswert, irgendwann einmal waren. Die Interpretation zielte ein wenig in Richtung eines durch Ringetausch grundsätzlich stabilisierten Seelengerüsts. Mal sehen, ob die Krankenkasse mir eine Gattin verschreibt.


jean stubenzweig   (12.04.10, 19:52)   (link)  
Da ist was dran.
Dieser Tage geriet ich in eine der vielen televisionären Erinnerungsmaßnahmen zur guten alten Zeit der fünfziger Jahre, bekannt geworden durch einen Rosenzüchter vom Rhein, der auch den katholischen Nierentisch und das Gelsenkirchner Barock erfunden haben soll. Auch dabei ging es in gewisser Weise um gesundes Leben, um Fußball. Irgendein Oberspielleiter unweit Ihrer Kindheit und Jugend (?) befahl nicht nur die Eleven dieses Ballballets, sondern auch die dynamischen Jungmänner abends um halb zehn ins Bett, am liebsten noch in ein eheliches, weil sie auf diese Art ausgeglichener seien.

Sollte man die Zeitmaschnie anwerfen und wieder zurückkehren? Dann würden Sie sich nicht mehr unter Ledergesichtrigen in rotlichtigen Etablissements herumtreiben, sondern nach der Fabrikarbeit brav die Suppe auslöffeln, die Ihnen Ihr beringtes Seelengerüst aus dem Rheinland verabreicht hat. Dann bräuchte es keine Krankenkasse, die Kosten blieben in der Solidargemeinschaft; die somit für Kommendes zeitgemäß etwas ansparen könnte, für eine Unterbringung in der Psychatrie vielleicht, da die Eheberatung negativ verlaufen wäre.















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