Früher oder später Straßenbau

Photographie EJP Photo (CC)

Endlich ist es soweit. Die Antwort auf die Frage nach «dem Leben, dem Universum und allem» kann man vom 28. Dezember (1982) an im Bayerischen Rundfunk erhalten. In sechs Folgen zu je fünfzig Minuten versucht der britische Hörspielautor Douglas Adams mittels seiner Science-fiction-Satire Per Anhalter ins All erschöpfend Auskunft zu geben über die brennenden Probleme der Menschheit: Warum wir leben, warum wir sterben und warum wir zwischendurch soviel Zeit mit Digitaluhren am Handgelenk verbringen. Der Bayernfunk hat mit diesem Sechsteiler sein teuerstes Hörspiel produziert, SWF (ab 12. Januar wöchentlich) und WDR (ab 13. März) halfen als Coproduzenten bei dem 150.000-Mark-Projekt.

Das Spektakel beginnt mit der Apokalypse und bringt gleich britischen Humor ins Spiel. Arthur Dent, ein Erdling wie wir, sieht sich eines Morgens Preßlufthämmern und Bulldozern gegenüber: Sein Haus soll abgerissen werden, um Platz für eine Umgehungsstraße zu schaffen. Seinen Sitzstreik beendet Arthur allerdings nach wenigen Minuten, da sein Freund Ford Prefect auftaucht und ihm klarmacht, es gäbe Wichtigeres: Die Welt geht unter, weil draußen im grenzenlosen All eine Bauflotte der Vogons, eine Art galaktischer Techno-Faschisten, den Auftrag hat, die Erde zu beseitigen, um eine intergalaktische Umgehungsschneise zu bauen. Und es passiert: Unser Planet wird zerstört. Doch damit geht's erst richtig los: Arthur und Ford können nämlich gerade noch per Anhalter mit einem Raumschiff ins All entwischen. The Hitchhiker's Guide To The Galaxy bescherte der BBC im Jahr 1978 die höchsten Einschaltquoten. Hierzulande wurde man erst wach, nachdem Hans Pfitzinger den Stoff der Hörspielabteilung des Münchner Senders vorschlug. Er rannte offene Türen ein. Science-fiction, und auch noch komisch — das war endlich mal was. Ernst Wendt, Regisseur und Chefdramaturg der Münchner Kammerspiele, übernahm die Regie, und eine Reihe prominenter Mimen trat die galaktische Sprachreise an: Dieter Borsche, Markus und Rolf Boysen, Hans Korte, Klaus Löwitsch, Felix von Manteuffel, Hans Reinhard Müller und Helmut Stange. Die Frauen im All sprechen Barbara Freier und Doris Schade, Bernhard Minetti reiste für den einzigen Satz des durch den Raum schwebenden Wals an, die Musik komponierte Frank Duval, und die Toneffekte, mit denen das ganze Audio-Unternehmen steht und fällt, stammen von dem Toningenieur Günther Hess ... Die beiden Helden abenteuern vorwärts und rückwärts durch Raum und Zeit, bedienen sich des galaktischen Kreuzers Herz aus Gold und der neuesten Entwicklung auf dem Gebiet der Fortbewegung, dem Unwahrscheinlichkeits-Antrieb.

Sie erfahren, daß der Mensch nicht, wie bisher angenommen, das zweitintelligenteste Lebewesen der Erde (nach den Delphinen) war: Die Mäuse, jene Nager, die zur Tarnung in den wissenschaftliehen Labors in Laufrädchen herumrannten, hatten ursprünglich unseren Planeten maßschneidern lassen. Sinn des Unternehmens: Die Erde sollte als Computer enormen Ausmaßes die Antwort auf die Frage aller Fragen finden. Dummerweise schlugen aber die Vogons fünf Minuten zu früh zu. Den Mäusen bleibt nichts anderes übrig, als noch einmal von vorn zu beginnen. Slartibartfast, Spezialist für Küstenlinien, der einst für Norwegen einen Preis gewann, macht sich wieder an die Arbeit.

Bis sie die Antwort erfahren (sie lautet forty-two), müssen Arthur und Ford noch mit allerlei lebensgefährlichen Begegnungen fertig werden, lernen den Erfinder des stärksten Drinks aller Zeiten (der Pangalaktische Gurgelsprenger) kennen und landen schließlich auf einer prähistorischen Erde, die von Sekretärinnen und Versicherungsvertretern bevölkert ist.

Wenn das Spektakel einschlägt, plant der BR fünf weitere Folgen im neuen Jahr. Titel der Fortsetzung: Das Restaurant am Ende des Universums.

Ich erinnere mich wie heute, ein Virus hatte mich hingestreckt, aber keiner vom Schwein oder vom Vogel, die hatten seinerzeit noch andere Aufgaben, als Gazetten zu füllen, und so nahm ich im rinnenden Schweiß meines Fiebers und unter nachweihnachtlichem Schüttelfrost die erste Folge und folglich die folgenden auf, aber die Bänder gingen verloren, als ich meine Plünnen auf verschiedene Orte verteilte. Zu dieser Zeit konnte man so etwas nicht einfach ordern, da brauchte es mehr als gute Beziehungen; wollte man an solche Bänder herankommen, mußte man mit der Redaktionsdame im vierten Jahrzehnt mindestens einmal den berühmten oder auch berüchtigten BR-Fasching durchgetanzt haben.
Weshalb darf ich so etwas nicht nachkaufen? Als Hörspiel. Nicht als Blinkegefunkel. Die Sendeanstalten bieten doch mittlerweile auch die Lindenstraße oder sogar völlig weißwaschgezeichnete Seifenopern an. Aber das sind eben alles Flimmerbilder. Einmal mehr dürfte das ein Minderheitenproblem sein.


Flohmarkt: Savoir-vivre, 1982

 
Mo, 20.12.2010 |  link | (3113) | 11 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Kopfkino


sturmfrau   (20.12.10, 11:22)   (link)  
Ich würde mich sofort einer Sammelbestellung anschließen...

Minderheiten, ja. Ich erinnere mich, wie ich einmal meinen Vater bat, mir aus "Mach's gut, und danke für den Fisch" vorzulesen, als ich mit einer Migräne samt Sehstörungen flach lag. Er gab nach vier Seiten auf und fragte "Was ist denn das für'n Scheiß?"

So ist das Leben (und das Universum und alles)...


vert   (20.12.10, 12:36)   (link)  
der hitchhiker's guide ist eins der wichtigsten literarischen werke meiner kindheit und jugend.

das hörspiel fänd ich auch interessant, gerade weil die übersetzung offenbar einige eigenheiten gegenüber der gedruckten version aufweist - in meinem leben heißt der "Pangalaktische Gurgelsprenger" zum beispiel "donnergurgler".


jean stubenzweig   (20.12.10, 15:52)   (link)  
Ihr Herr Vater?
Habe ich die letzten Tage bei Ihnen nicht gelesen, er sei ein Grandsegneur der Bildung? Nun, möglicherweise habe ich etwas falsch interpretiert und in den Ichbezogenen (naheliegenderweise) einen literarischen Freigeist hineingedacht. Aber so ist das eben mit den Mehr- oder Minderheiten und den verschiedenen Meinungen und den Irrungen, nicht nur zwischen den Generationen.


jean stubenzweig   (20.12.10, 15:54)   (link)  
Der «Donnergurgler»,
lieber Vert, stammt vom seinerzeit großartig ins Ensemble passenden Benjamin Schwarz, der den Text eigens für diese Produktion neu übersetzt hatte.


sturmfrau   (20.12.10, 20:19)   (link)  
Naja, was mein Herr Vater als Bildung respektive Literatur auffasst, war schon immer vorrangig seine eigene Interpretationssache. Insbesondere alles, was mit tiefgründigem Humor und bisweilen ausgeprägten Albernheiten zu tun hat, war nie so wirklich seins.

Literaturrezeption bestand in meinem Elternhaus aufgrund der langjährigen Mitgliedschaft im Bertelsmann-Club vornehmlich in der Lektüre zahlreicher Bände Konsalik, Kathleen E. Woodiwiss und schließlich später Rosamunde Pilcher und manchmal John Grisham. Mein Vater entwickelte dann noch einen Hang zur sogenannten historischen Literatur und las mit Hingabe wirklich richtig echt wahre Geschichten über Fugger, Wanderhuren, Medicusse und andere mittelalterliche oder weniger mittelalterliche Helden. Das sei nur als Hintergrundinformation angemerkt.

Mein Vater zu Douglas Adams verhält sich wie Eva Herman zum Feminismus.


julians   (31.05.19, 17:51)   (link)  
Migräne
ich hatte auch starke Migräne und konnte es durch verschiedene Tipps mindern.


sethos   (20.12.10, 21:12)   (link)  
Das gibt es nicht auf CD? Das finde ich aber erstaunlich.

Hitch-Hiker's Guide ist kein Minderheitengeschmack, sondern absoluter Kult und Muß bei allen Geeks. Da ist ein Markt für da.


jean stubenzweig   (21.12.10, 06:27)   (link)  
Das Hörspiel
dürfte etwas sein, bei dem es sich nicht unbedingt um absoluten Kult handeln dürfte. Ich nehme deshalb nicht an, daß dafür ein Massenmarkt besteht. Aber ein Markt sicherlich. Also richtig: erstaunlich. Um so unverständlicher scheint es mir, daß so viele alte Hörspielproduktionen auf CD angeboten werden und ausgerechnet diese nicht. Doch wer weiß, vielleicht gibt es Rechteprobleme? Was ich mir dann auch wieder nicht vorstellen kann, denn das war nunmal eine ARD-Produktion.


vert   (21.12.10, 15:55)   (link)  
gerade hörspiele verkaufen sich in den letzten jahren in deutschland wie geschnitten brot. (jenseits des rheins hingegen hat france loisirs das kostenspielige projekt "hörspiele vermarkten" gerade vor die wand gefahren. die nachbarn wollen nicht hörlesen.)
viele fans - und es sind viele - würden das alleine zur vervollkommnung der sammlung erwerben...


jean stubenzweig   (21.12.10, 18:20)   (link)  
Ich denke darüber nach,
vielleicht doch mal wieder Kontakt aufzunehmen mit meinem früheren Arbeitgeber. Mit etwas Glück erinnert sich der Hauptabteilungsleiter Kultur noch an mich, der nach meinem Abschied vom Funk Hörspielchef wurde. Er hat mal geschrieben: «Wer für das Radio schreibt, muss Radio hören, bevor eine Sendung akustisch entsteht. Wer schreibt, spricht zuerst.»


edition csc   (21.12.10, 14:54)   (link)  
Appendix zum Witz
«So kommt es, daß, was der Hang unseres Geistes zur Posse für einen schnöden Witz hält, im Denken des Autors meistens nur eine wichtige Wahrheit ist, die er majestätisch verkündet! O! der irrwitzige Philosoph, der in Gelächter ausbrach, als er einen Esel eine Feige fressen sah. Ich erfinde nichts: die Bücher der Antike haben in ausführlichen Einzelheiten von diesem freiwilligen und schändlichen Verzicht auf menschlichen Adel berichtet. Ich aber, ich kann nicht lachen. Ich habe nie lachen können, obwohl ich es mehrmals versucht habe. Es ist sehr schwer, Lachen zu lernen. Oder ich glaube vielmehr, daß ein Gefühl von Ekel gegen diese Ungeheuerlichkeit ein wesentliches Merkmal meines Charakters ist. Nun, ich war Zeuge von etwas Ärgerem: ich sah eine Feige, die einen Esel fraß! Und doch habe ich nicht gelacht; offen gestanden. keine Stelle meiner Lippen hat sich bewegt. Das Bedürfnis zu weinen überkam mich so heftig, daß meine Augen eine Träne fallen ließen.»


Lautréamont. Die Gesänge des Maldoror. Vierter Gesang, zweite Strophe. In: Das Gesamtwerk. Aus dem Französischen und mit einem Nachwort versehen von Ré Soupault. Reinbek 1963















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