Afrikanisches Biermoosgebläse

Eines hat mir die öffentlich-rechtliche Aufbereitung der Kickerei in Südafrika gebracht: Es gab für sogenannte Nischenkucker einen Rahmen, der den Inhalt bei weitem überwog. Nachdem ich mich gleich zu Beginn des Spektakels bald ausgeklinkt beziehungsweise zu arte hingerettet hatte, erlebte ich beinahe eine ganze Nacht lang eine außergewöhnliche Berichterstattung über die Zustände in Südafrika, zwanzig Jahre nach Ende der Apartheit. Und auch gestern sah ich mich gezwungen, über Wiederholungen nicht nur nicht zu schimpfen, sondern sie hoch zu preisen. Da geriet ich nämlich erneut in den Bann dieses Landes, in dem ich als Junge nicht mal eben so mit dem anderen von nebenan plaudern durfte, wie das einer aus der großen Familie der Biermösl-Blosn tat. Die hat nämlich 2007 eine nicht nur musikalisch intensive Reise in den Süden dieses Kontinents unternommen, die beeindruckend abgefilmt wurde.

Nun gut, ich habe die musizerenden Weil-Brüder immer gemocht, von Anfang an, noch bevor sie begonnen hatten, mit Gerhart Polt gemeinsam zu wirken. Sie haben mir, der ich sehr bald nach meiner Ankunft im Land der Baiern wieder ausreisen wollte, da ich mich an Düsseldorfs Kö wähnte und beruflich zudem an den Rand eines Getriebes geriet, das ohne jede Übertreibung in Kir Royal geschildert wurde, Rossini nicht zu vergessen. Meinen Aufenthalt im Land haben mir ein paar wenige erträglich gemacht, die sich als Eingeborene nicht haben wegspülen lassen von dieser Sturmflut an Freizeitasylanten aus West-Nordwest. Alleine sie haben verhindert, daß mir nicht fortwährend schwarz vor Augen und Ohren wurde, alleine durch sie habe ich feststellen dürfen, daß es in diesem schwarzen Staat ebenso großartige Menschen gibt wie in einem noch immer nicht von Schwarzen beherrschten.

Eindrucksvoll haben das die Weils vorgeführt. Nein, nicht nur vorgeführt im Sinne ihrer musikalischen Virtousität, einer Grandiosität, die mich einmal mehr verblüffte. Ihr Umgang mit den Einheimischen, deren unbefangene Nähe, die Gemeinsamkeiten waren von einer Fröhlichkeit, die ihresgleichen suchte. Aber eben auch die aus dem Biermoss gewohnt kritischen, weit über die Musik hinausgehenden Töne haben mir vor Augen und Ohren geführt, weshalb ich es im Land der Bayern dann doch fast dreißig Jahre ausgehalten habe. Eine aus dem Off lakonische weilsche Stimme hat das im besonderen Maß belegt: daß es erschreckend sei, wie die rassistische Apartheit durch die kapitalistische abgelöst worden und das bei den deutschstämmigen Weißen in Namibia noch nicht einmal angekommen sei. Doch ich will das diejenigen erzählen lassen, die diese Reise getan haben: Hans Weil hat nämlich Tagebuch geführt. Aber auch der Hinweis auf den Film möge nicht untergehen. Sollte sich jemand die Gelegenheit bieten, ihn anzuschauen, dem sei das dringendst angeraten, denn offensichtlich steht es auch außerhalb des Öffentlich-Rechtlichen noch auf dem Programm, das Plattln in Umtata.
 
Fr, 02.07.2010 |  link | (1722) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Ich schau TeVau


einemaria   (09.07.10, 10:11)   (link)  
Biermoss-countrystyle
da ich einer dieser von Freizeitasylanten Gelfluteter bin, kann ich Sie nur mit der Tatsache beruhigen, daß die deutsche Flagge, die Farben betrachtend, eigentlich eine verbrannte bayrische Fahne ist. Das mit dem Entfernen des gelben Streifens hilfts natürlich auch.


jean stubenzweig   (09.07.10, 11:39)   (link)  
Eine Weile hat's gedauert,
bis ich das verstanden habe. Das ist allerdings mein normaler Zustand, bei mir braucht's des öfteren etwas länger. Allerdings hat mir die Lekture in Ihrer Harten Linie auch weitergeholfen. Danke. Auch dafür, daß Sie zu blogger.de gefunden haben. Das tut den Gliedern der Gemeinde sicherlich gut. Vor allem denen, die gerne (etwas mehr) lesen.

«Gelb mit Schwarz ist der Egoismus, die Lüge.»















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