Sehnsucht nach Differenz,

bester Jagothello, wurde tatsächlich 1999 verfaßt, jedenfalls steht es so bei Lettre zu lesen: Sommer 1999. Es gesondert zu vermerken, das schien mir nicht notwendig. Unter Berücksichtigung von Produktionszeiten und was sonst noch dazugehört im Betrieb solcher Publikationen, die obendrein ohnehin nicht von allzu umfangreichem Personal begleitet sein dürften, ist es denkbar, daß Benvenuto den Essay auch früher geschrieben hat. Für mich, der ich das aus den USA kommende Geschehen immer einigermaßen im Blickfeld hatte, nicht zuletzt wegen übriggebliebener Verwandtschaft, und sei es geistiger, ist das auch unerheblich, denn es dient mir in erster Linie als Erinnerungs- oder Erweiterungskrücke. Dennoch kamen mir, als ich, der ich mich auch Frankreich betreffend für einigermaßen gut informiert hielt, aus Rick Fantasias Aufsatz Amerika in unseren Köpfen in Le Monde diplomatique Neuerungen entgegen, die offensichtlich aus des Soziologen Erfahrungsschatz stammten, die bis 1985 zurückreichten. Und auch die hier im Vorfeld meiner Links-rechts-Drehungen bereits erwähnte Akte Henry Kissinger aus Lettre International, die mich dann doch recht erschütterte, dürfte ncht an einem Tag gebaut worden sein.

Mir jedenfalls hilft es, die Ereignisse immer wieder mal abzurufen und sie durch «eigenes», letzendlich auch wieder aus anderen Quellen, nenne ich sie mal vertraulichen Charakters, erhaltenen Wissens, zu ergänzen. Es geschah bis zur Jahrtausendwende ja selten genug, tiefer in den Morast einsteigen zu können, da einem die gängigen Medien ein solches Schlammbad in Informationen nicht gönnten, obwohl sie es durchaus hätten tun können. Oder vielleicht auch wieder nicht, weil es dem Einen oder der Anderen aus der Zunft des investigativen Journalismus untersagt gewesen sein mag, allzu offenherzig zu sein. Es waren immer irgendwie unabhängige Publizisten, die bereit waren, sich weit aus dem Fenster zu lehnen, wobei sich zugestandenermaßen häufig Forscher darunter befanden, die befreiter aufschrei(b)en konnten, da sie entsprechenden Rückhalt hatten, der eben nicht allein nach dem US-amerikanischen, von der Wirtschaft dirigierten Prinzip der Nützlichkeit dirigiert worden war. Und es hat den Anschein, es könnte bei diesen Status quo geblieben sein, wenn heutzutage auch weitaus mehr ans Tageslicht kommt als noch vor zehn, zwölf Jahren. Aber man ist nach wie vor auf entsprechende Post angewiesen. Um so bedauerlicher empfinde ich es, daß, wie gestern hier erwähnt, wenn sich jemand aufmacht, im Stil einer Online-Zeitung «unabhängig» zu berichten, letztendlich doch nicht mehr dabei herauskommt als beliebige, bloggerübliche Polemisiererei, bei der erst gar nicht der Versuch gemacht wird, über die üblichen Informatiönchen hinauszugelangen. — Eine, gemäß meinem Verständnis von Kürze entsprechende Anmoderation.

Ich stimme Ihnen absolut zu. Benvenuto dürfte heute weitaus radikaler geschrieben haben, oder es hätte zumindest zwangsläufig radikaleren Inhalts sein müssen, hat uns der bildungstechnische Utilitarismus doch längst voll im Griff. Das Apodiktische sei mal dahingestellt. Der zehn Jahre junge Bologna-Prozeß wurde ja gerade gebührlich still und leise bejubelt, etwas lauter allenfalls von denen, die daraus ihren Gewinn ziehen, etwa die Arbeitgeber, die über einen Bachelor rascher an die heiß ersehnte sogenannte Fachkraft kommen, und sei es, daß die junge Bachlorantin, die wie eine Verrückte, bis hin zum jugendlichen Ausgebranntsein, das nicht einmal Zeit ließ für überlebens-notwendige Jobs beim Einsortieren von Waren beim Billigheimer, der bereits seine Stammkräfte lebensunwürdig bezahlt, prächtig auszuschlachten ist in noch 'nem Praktikum in der Werbeagentur, die den Markenkonsumismus bewirbt. Unlängst erklärte mir ein, ach ja, Kunsthändler, aber einer von der umfangreicheren Art, er könne mit diesem Bacholores nichts anfangen, da sie in der Regel nicht einmal einen Anflug selbständigen Denkens mitbrächten, er aber brauche das, da er sonst alles gleich selber machen könne, denn Hilfe sei ihm dieses hilflose, semitheoretische Herumhantieren in der Logik keine, manche verwechselten das mittlerweile mit der aus dem Militärischen stammenden Logistik. Da greife er lieber zu bei Absolventen des an sich schon kuriosen Studiengangs allgemeine Kulturwissenschaften, die wüßten zwar auch nicht sonderlich viel von Kultur und gleich gar nichts von Wissenschaften, aber das seien verwert- und verwendbare Ansätze. Ihm sei allerdings grund-sätzlich jemand, der sich im Laufe eines Studiums ausführlich mit der Materie befaßt habe, angenehmer, die Praxis im Berufsleben stelle sich bei Menschen rascher ein, die das Denken gelernt hätten, sie seien letztendlich effektiver, meinet-, seinetwegen effizienter einsetzbar als diese verlängerten Pennäler. Da lege er gerne einen Dollar drauf.

Ich bin davon überzeugt, daß es diese global operierenden Konzerne sind, die eine entscheidende Rolle in diesem System spielen, die es, ja, nicht nur fördern, sondern es sich ausdenken, begründen, um die Menschen zur Hochzeit ihrer Leistungsfähigkeit besser nutzen zu können. Nützlich-keitsprinzip unter dem Deckmantel der Identifikationsmöglichkeit für Ich-Suchende im Kreis der Familie genannten Firma. Im Alter von vierzig Jahren sind sie dann ausgelaugt und kommen in die Abstellkammer Psychatrie, einer Berufsgruppe, die dann auch nochmal reichlich Gewinne dort heraussaugt. Auch das ist meines Erachtens typisch US-amerikanisch, das in nächster zeitlicher Nähe auch den Süden des Kontinents okkupieren wird, die Ausbeuter nicht nur der Bodenschätze sind bereits anwesend. Man will keine mündige Menschen, die in der Lage sind, selbständig zu denken. Denn es könnte zur Folge haben, daß diese diesen Rummel um den Konsum, der die kulturellen Unterschiede bis zur Unkenntlchkeit auflöst, nicht mitzumachen bereit sind. Dann wären all die schönen Gewinne dahin. Ja, das ist Ur-US-amerikanisch, nur zu gerne übernommen mitten in Europa und längst auch in Asien. Und es scheint weiten Teilen der Völker gut zu gefallen, wie die Nominierung des, fast steht es zu befürchten, kommenden US-Vize-Präsidenten andeutet. Andererseits, die dortige demokratische Partei als politisch «links» einzuordnen, wie das in Europa häufig geschieht, halte ich für ebenso waghalsig wie diesen Kapitalismus, der von den meisten Republikanern und durchaus auch von Demokraten propagiert wird. Warten wir's ab, wie lange es noch dauern wird, bis die Monsantos und wie sie sonst noch alle heißen, sich auch das Recht auf menschliches Leben werden patentieren lassen. Bei den Tieren, also nach der Devise Fleisch ist mein Gemüse, geschieht das bereits mittels Klonen. Verfügten die Bevölkerungen, ob in Frankreich oder in Deutschland oder in den USA oder sonstwo, wobei es mir in Mutti Merkels Land bald so heftig zu sein scheint wie bei unseren amerikanischen Freunden, über umfassendere Ausbildungen, sie würden diesen Tanz ums goldene Kalb nicht mittanzen.

Ach, ich bin ein offenbar hoffnungsloser Romantiker, der entgegen seiner ständigen Verlautbarungen des Nichtglaubens, dann doch glaubt, daran möglicherweise, wie gut alles hätte werden können, hätten die Deutschen die Care-Pakete zurückgeschickt und den Marshall-Plan verweigert. Dann klaffte vermutlich heute nicht so eine riesige Schere zwischen arm und reich, vor allem aber zwischen geistiger Armut und nach wie vor erstrebtem Glück durch Schein. Aber der Romantik gegeben ist nunmal, jedenfalls im weit verbreiteten Verständnis, der Glaube, meinetwegen an das Gute im Menschen. Hier zitiere ich gerne aus der Erklärung von Wikipedia: «Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern», außen glanz- und prachtvoll, innen aber hohl. «Das heißt, die mit dem Terminus Romantiker bezeichneten Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich ab von klassischen Formen, was aus der nachträglichen und historischen Perspektive die Vorliebe für eine fragmentarische Schreibweise in der Romantik erklärt. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutete zugleich eine stärkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters.» Aus dieser geographisch dem Süden zuzuschreibenden Epoche stammt auch der von mir immer wieder erzählte Roman: ziemlich lang und voller Mythen. Die jedoch, das sei abschließend angemerkt, nichts anderes bedeuten als Überlieferung, erzählte alte Welt. Und Mittelalter paßt auch gut. Ich bin ungefähr mitten im Alter. Im Jüdischen gratuliert man mit den Worten zum Geburtstag: Bis 120. Wenn ich auch nicht daran glaube.
 
So, 12.08.2012 |  link | (2381) | 13 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Gesellschaftsspiele


jean stubenzweig   (12.08.12, 13:26)   (link)  
US-Türen der Wahrnehmung
«Wenn jedermann an etwas glaubt, ist es vermutlich falsch. Wir nennen das

Alltagsweisheit.

In Amerika ist Alltagsweisheit mit Massenakzeptanz zumeist so entstanden: Jemand hat dafür bezahlt. Beispiele:

Warum Amerikaner beinahe alles glauben».

Geliefert vom hinkenden Boten.

Ich gehe jetzt an den Bach, einen nehmen, mal bei den Störchen ins Nest schauen und ein wenig mit ihnen plaudern. Die hören mir geduldig zu.


enzoo   (14.08.12, 08:57)   (link)  
ich ging gestern
auch an den bach, allerdings nicht, um mit den störchen zu plaudern, was schon allein daher schlecht ginge, weil es dort keine gibt, sondern an einen rauschenden wildwasserbach, eine stunde von wien entfernt aber doch ein richtiger gebirgsbach, höllental nennt man den abschnitt, wo ich den forellen mit der fliegenrute nachstellte, und das entlarvt mich nun endgültig als zumindest des mordes am tier fähigen und dank erfolgreicher wahl der kunstfliegen und angelstellen auch schuldigen. damit kann ich leben, denn dafür sind sie ja wohl auch da, unseren gaumen zu erfreuen, diese pfeilschnellen und kräftigen torpedobolzen, die sich mit wilden fluchten und sprüngen des ohnehin widerhakenlosen fliegenimitats entledigen wollen, was den geschicktesten unter ihnen manchmal ja doch gelingt, und dann freue ich mich. das klingt jetzt etwas seltsam, denn das ziel des angelns ist es ja wohl, fische zu fangen, und nicht, sie zu verlieren? stimmt, aber der erfolgreiche fang endet, wenn man der meinung ist, es sollte auch einer in die bratpfanne, mit der unschönen tätigkeit des tötens dieser wunderbaren geschöpfe, was ich auch nach vielen jahren des anglerdaseins noch immer nicht nebenbei und gedankenlos tue, sondern mit schlechtem gewissen und stummen entschuldigungen vor dem tödlichen stich ins herz, der so ein kühles leben plötzlich beendet.

aber wie herrlich, einen tag in den schluchten des höllentales zu verbringen! grob zerklüftet erheben sich felspfeiler neben dem wasserlauf, weisser wasserbart sprudelt über die stromschnellen, leuchtend dunkelgrün verheissen tiefe gumpen kräftige forellen und äschen auf deren grund. wiederholter weise und auch gestern fällt mir, wenn ich das sehe, joseph von eichendorff ein und sein taugenichts, den ich vor einigen monaten mit großem vergnügen wiederlas, denn so stelle ich mir die welt vor in diesem road movie, wie man heute sagen würde: wildromantisch eben. und ich kann sagen, dass ich mich in diesen stunden in dieser kulisse völlig frei und erfüllt und voller leben fühle, und dass ich keinen gedanken daran verliere, was wikipedia zur romantik zu sagen hat.


jean stubenzweig   (14.08.12, 13:36)   (link)  
Gumpen
Das höre ich, auch das Lesen ist ja Ton, nehme ich Celatis Gebrauchsanweisung zum Leben zuhilfe, seit Jahrzehnten zum ersten Mal wieder. Ich diente, neben der Gastronomie und der Benzinversorgung, ich war jung und brauchte das Geld, unter anderem kurzzeitig dem geheimen Rath Goethe (nachzulesen unter Belgischer Adel) und lebte seinerzeit in einer, na ja, nicht eben wildromantischen Gegend, hatte die kürzlich mal wieder erwähnte Sepplhosen-Architektur die Romantik doch schon damals arg in Richtung des heutzutage völlig von der flachbildschirmartigen Ästhetik okkupierten Auslegung dieser scheinbar nur aus Schönheit bestehenden Epoche im Griff. Aber ich hatte Wohnung mit freiem Blick, zwar nicht zum Mittelmeer, aber übers voralpenländische Moos, das Kandinsky angezogen hatte und dessen von ihm mitgezeugtem Blauen Reiter mich hinterher. Das Motel, wie wir's nannten, ich weiß gar nicht mehr, ob es seinerzeit schon den Namen Hotel Alpenhof trug, nein, so ein Gehabe verlinke ich nicht, mit seinen Besserverdienenden lag unerblickbar unter mir. Mit Bekannten bis Freunden zog ich in freier Zeit des Sommers hinüber an die Ausläufer der schon damals als Trinkwasserversorgung Münchens bekannten Wildbäche, die sich in eben diesen Gumpen stauten. Die Mutigen unter ihnen sprangen von den etwa fünf bis zehn Meter darüber thronenden Felsen ins nahezu eiskalte Wasser. Der einzige, der nicht mutig war, suchte sich einen Weg, um ebenfalls in die Erfrischung zu gelangen. Nun ja, die kamen eben alle bereits mit wildromantischen Abfahrtski an den Füßen zu Welt, während ich kaltes Wasser zwar aus dem Norden Europas kannte, aber das Hineinspringen mir nicht angeboren war. Es soll ja auch gesundheitlich vorteilhafter sein, langsam hineinzugleiten.

Direkte Nachbarn hatte ich mit meinem Blick bis beinahe an die Zugspitze, hätten sich da nicht so ein paar großtuerische Berglein davorgetan. Es bestand aus einem Ehepaar, er ein anfänglich lediglich in seiner Freizeit und nahe dem Ruhestand geradezu hauptberuflich aquarellierender, in der Region bis in die Landeshauptstadt wegen seiner Liebe zur luftigen, aber dennoch regionaltypischen Bauweise durchaus renommierter Architekt*, sie war die haus- und auch den Rest haltende beziehungsweise dirigierende Gattin, darunter Hausmusik, der auch, trotz recht gepflegtem katholischen Glauben, ein nicht begradigter Bach, womit ich zwischenzeitlich wieder bei der Romantik wäre, nicht fremd war. Ein sanftes Ehepaar war es, mit dem ich mich aufgrund seiner Offenheit bald anfreunden sollte, wenn ich auch mit Skepsis beäugt worden war wegen meiner möglicherweise schlechten Einflüsse auf die vielen Kinder, wenn ich mich recht erinnere, waren's fünf, gab ich doch zuweilen seltsame Ansichten von mir, die etwa, sich bloß nicht alles gefallen zu lassen von den Alten. Deren wohl nicht nur der lieben Kinderlein wegen etwas rundlicher geratene Mutter stand bald nach meinem Einzug in das dezent-moderne, vom nordrhein-westfälischen Eigentümer erbauten Haus eines Tages unversehens neben mir auf meiner südlagigen Terrasse weit oberhalb des etwas neureich wirkenden, also protzigen Hotels, das bereits damals eine neue, in der Umgebung vermutlich als avantgardistisch oder wie das G'lump heißen mochte beschimpfte Küche offerierte und sprach mich mit einem nicht anders als verzweifelt zu charakterisierenden Gesicht an: MegnS eigentlich, Herr Nachbar, Sie, an Fisch?

Ohne ihre Gabenbereitschaft schmälern zu wollen, sie hatte tatsächlich im besten Wortsinn ein großes, nämlich den Umfang betreffendes Problem. Der Zweitälteste, nach ihm kamen nur noch drei entzückende Mädchen, der alterstechnisch über ihm stehende Bruder sollte später ein beachtenswerter, der väterlichen Bedächtigkeit nachkommender Architekt werden, die es verstand, seinen nicht nur den Glauben an das Gute im Menschen beglaubigenden Verstand intellektuell einzusetzen, schmiß, kaum war er aus der Schule gekommen, den Ranzen Muttern vor die Füße, ein einziger, winziger Anflug von dem, was in von der Anarchie regierten Städten gang und gäbe war, der antiautoritären Erziehung, wenn hier auch ohne theoretischen Überbau, sondern eher mütterliche Gelassenheit, packte, ohne dafür einen SUV oder zumindest Golfwagen zu benötigen, seine Angelruten und ging ins heute von natursehnsüchtigen städtischen Freizeitlern zumindest wochenendlich überbevölkerte, seinerzeit wildromantische Moos hinterm Ramsachkircherl. Täglich kam er am allerspätesten Nachmittag, also kurz vorm Zubettgehen, die gymnasialen Hausaufgaben wollten schließlich auch noch, wenn auch mit links, die Fragen nach dem rechtsdurchdrehenden Gehirn waren zu dieser Zeit noch nicht unbedingt aktuell, in Bayerns höheren Lehranstalten reichte es aus, mittels des reinen Auswendiglernens von Dreidreidrei, Issos Keilerei auf die Spitze der olympischen Malus-Bonus-Wertung zu gelangen, erledigt werden, mit einem Eimer voller Forellen und ähnlichem immer noch Quicklebenden zurück. Die aufgrund dieser jugendlichen jungenhaften Lebensmaxime in nicht mehr vorstellbarem Ausmaß angeschafften Tiefkühltruhen reichten nicht mehr aus. Zwei Erwachsene samt fünf sehr, sehr gerne, durchaus auch noch, aber doch nicht nur Fisch essenden Kindern bekamen nicht mehr vertilgt, was der Vierzehn-, vielleicht Fünfzehnjährige anschleppte.

So kam ich fortan nicht nur in den Genuß immer frischer, gegen den Strom schwimmender Bachraubtiere, auch eine tiefgefrorene Reserve stand mir allzeit zur Verfügung, wenn mal wieder Schönwetterbesuch aus dem städtischen Norden auf der abend-, ach was, immersonnigen weiß-blauen Terrasse, also quasi ex terra stand, der sich zuvor die Füße samt Landschafts-, heute Naturschutzgebiet vertreten hatte. Es war ein leichtes, nicht bittend zur Hotelküche eilen zu müssen, das Wirthaus an der Ramsach gab derart Leckeres ohnehin nicht her, allenfalls O'batzten (Lieblingsrezepte der benachbarten Österreicher), obwohl die Bäche direkt nebenan mänanderten, ein paar Schritte nur nach nebenan, und ich hielt, soviele ich haben wollte, Forellen in den Händen; wie deren ebenfalls äußerst schmackhaften Verwandten heißen, weiß ich nicht mehr. Sie aufzutauen war kein Aufwand im Backofen. Dann aber kamen sie, wir sind uns da einig, in die Pfanne, ein-, zweimal wurden sie auch blaugemacht, die Fische. Und Bier, das ich heute kaum noch trinke, hatte ich immer im Haus, solches aus dem anderen, wo damals (heute noch?) unter anderem ein wahrhaft köstliches, in der Marktgemeinde gebrautes Weißbier noch in Flaschen angeboten wurde, nach dem sogar meine Marines and Antiques sammelnde Verwandtschaft aus Seattle im Staate Washington schriftlich verlangte, weil sie es während eines Kurztrips nach Europa einmal geschmacket hatte, daß sie meinten, sie wären beim alten Luther** zu Gast gewesen.


* Fritz Hierl, 16.09.1920 München †2005 Murnau.

** Für unsere, hier ebenfalls kürzlich zur Sprache gekommenen amerikanischen Freunde:
Als das Gespräch auf Bücher kommt, erwähnt der eingeladene Gast aus den USA, er habe viele Jahre lang eine alte Bibel im Haus gehabt; sie habe aber so gestunken, daß er sie einer Tante geschenkt habe. Der Gastgeber stutzt: «Wie alt war das Buch?» — «Weiß nicht, gedruckt von einem gewissen Gurkenberg oder Guggenheim in Mainz.» Der Gastgeber läßt die Gabel fallen: «Gutenberg? Nicht Guttenberg?» — «Was weiß ich. Hatten diese armen Leuchter da überhaupt mehr als ein T? Ja, Gutenberg, so hieß er, glaube ich.» Der Gastgeber springt auf: «Los, wir chartern ein Flugzeug. Wo wohnt Ihre Tante?» Der Amerikaner winkt ab. «Ach, lassen Sie's. Der Schinken ist völlig verdorben. Er muß ursprünglich einem gewissen Mack Lutter gehört haben — und der hat ihn total verkritzelt!»



jean stubenzweig   (12.08.12, 18:51)   (link)  
Panta rhei den Bach runter
Nachdem ich am lauschigen Ort mit immerhin Wochenendbewirtung einen genommen und bei der Gelegenheit bei Marie Louise Syring* über Jean Clair** gelesen habe, der geschrieben hat, «daß es der Malerei schlecht gehe und die Museen für zeitgenössische Kunst sich in Gerümpelkammern verwandelt hätten. Namentlich Westdeutschlandland sei eine Kolonie der amerikanischen Kunst geworden».

Grenzüberschreitende Flüssigkeitsholung der bacchantischen Antike


über den roman(t)ischen Bach in Protestantien.


Derweil die fünf Jungen (in Deutschland!) schonmal vorausgeflogen sind in den Süden, wahrscheinlich in die Antike. Was beim Erzeuger dann doch irgendwie Kopfjucken zu verursachen scheint.

* Auf Im Irrgarten der Kunstkritik von Marie Louise Syring, soeben erschienen als Band 22 in den von Walter Vitt herausgegebenen Schriften zur Kunstkritik, die den im Frankreich der neunziger Jahren «überaus hitzigen Diskurs» beleuchtet, komme ich dieser Tage noch zurück. Aber vielleicht ist mir doch mehr nach den Bäumen und Beinebaumeln am Bach. Wie sagte doch der große deutsch Philosoph Franz Beckenbauer: Schau'n mer mal.

**Considérations sur l'état des beaux-arts. Critique de la modernité, Gallimard, Paris 1983



jagothello   (13.08.12, 16:39)   (link)  
Imperieller Habitus
Ich denke nicht, dass derjenige romantisch veranlagt ist, der sich frustriert, angewidert zu Wort meldet ob solcher Tendenzen. Kürzlich las ich in einem ganz anderen Zusammenhang ein Interview mit dem Hirnforscher Manfred Spitzer, der angesichts der seiner Ansicht nach klar belegten Tatsache, dass jedweder Medienkonsum untrainierten (Kinder)- hirnen schadet, fragt, wer eigentlich davon profitiere, dass ein klassischer Bildungsbegriff so dermaßen aus der Mode gekommen sei und dass mit einem irrwitzigen Marketingaufkommen so vehement um die Begriffshoheit rund um das Wortfeld Lernen gerungen werde. Spitzer beantwortet seine rhetorische Frage selbst: Firmen wie Google und Apple machen sich die Welt untertan, sehr subtil, sicher. Verantwortung lehnen sie selbstredend ab. Und so geht eben alles seinen gefährlichen Gang.


jean stubenzweig   (13.08.12, 19:27)   (link)  
wollte die Studierenden
nicht blamieren, las ich vor ein paar Minuten im Café Kaskade, in das ich zuvor noch nie eingekehrt war. Das habe ich zwar, wenn ich mich recht erinnere, bereits 1995 bei einer Dissertation erlebt, Der Prüfling der Germanistik meinte zu der Zeit zu den kritisierten fünfzehn Rechtschreibfehlern pro Seite: Man möge sich doch nicht so haben, man solle doch mal ins Internet schauen. Aber so weit habe ich es dann doch nicht kommen sehen.

«157 Studenten schreiben eine Interpretation über eine Karikatur als Abschlussklausur nachdem sie die Vorlesung: Einführung in die Soziologie gehört hatten.

In der FAZ hat der Dozent Georg Kamphausen unter dem Titel: Wie Studenten denken, öffentlich gemacht, dass nicht einer der Studenten diese richtig interpretieren konnte – ja, dass 12 Studenten Karikatur mit drei "r" geschrieben haben und dass man erst die Klausuren von gröbsten Rechtschreibfehlern befreien musste um sie lesbar zu machen. ‹Es geht mir nicht darum, die Studierenden zu blamieren, indem man auf die verbreiteten Grammatik- und Satzbaufehler oder die mangelnde Textkohärenz hinweist.›, so der Dozent in der FAZ.

So schlimm ist es? Eine größere Blamage ist kaum möglich! Kein Wunder, dass sich Unternehmen immer wieder über mangelhafte Bildung beschweren. Ein Waterloo der Wissensvermittlung ...»

Daß die Unternehmen im wesentlichen ein gerüttelt Maß daran teilhaben, weil sie bis hin zu den seitens der Politik hochgelobten mittelständischen durch ständiges Antreiben in Sachen Tempo-Studium diesen Zustand mit herbeiführen, darüber hat der (vermutlich junge) Mann wohl noch nicht weiter nachgedacht. Und seine Interpunktion hat er sicherlich auch nicht vom alten Gevatter Duden, jedenfalls nicht von dem vor einer sogenannten Rechtschreibreform.

Das von Manfred Spitzer habe ich ebenfalls gelesen, was mich ein wenig elektrisierte, da ich ja seit Tagen damit beschäftigt war, auf dieses ständige, einen verrückt machen könnende, einen andauernd von rechts nach links und wieder zurück schickende Gehirn zu verweisen. Ich war kurz davor, darüber das Wort zu erheben, doch der Dialog in mir endete in der Aufforderung, den permanent erhobenen Finger mal wieder zu senken. Mir war dann die Gefahr doch zu groß geworden, von einem dieser Unternehmen mittels eines zu eindeutigen, allzu großzügigen Angebots vom Markt der Altersblogger genommen zu werden. Früher hieß es, ich war jung und brauchte, heute ist festzuhalten, ich bin alt und brauche das Geld.

Doch, ich bin durchaus romantisch veranlagt. Aber nicht ganz so im landläufigen Sinne roter Rosen beim kerzenschimmernden Menü zu zweit am elektrisch betriebenen Kamin. Ich habe hier ja schon mehrfach auf die schönen Worte von Johen Gerz hingewiesen, die ich nur allzu gerne erneut einsetze, da sie für mich selbst in Einzelteilen etwas über den gemeinplatzigen Aphorismus hinaus haben, da sie tiefer in diese kulturelle Epoche hineingehen, weshalb ich im Blog den gesamten Aussageblock nochmals zitiere:
«Ich schätze die Hoffnungslosigkeit der Romantiker, die Politisiertheit der Romantiker. Ich halte Novalis für einen ausgesprochen scharfen Denker.

Eine Arbeit wie die von Jean Paul, in der er alle Utensilien in seinem Zimmer notiert, ist beeindruckend. Es ist klar, daß da eine Panne im Programm ist. Der Künstler hat ‹nichts› mehr zu sagen. Die Kunst verläßt den Kontext, für den sie geschaffen war. Der Auftrag ist zu Ende, das Programm ist aus. Daß die Kunst auch der Kurzschluß ihres Systems sein kann, das hat mich beeinflußt. In der Romantik kommt es zur Panne des Auftrags, eigentlich ein schöner Moment, unglaublich scharf und ohne jede Entschuldigung. Scharfgestellt wird auf die Kunst, und was da steht, nackt und alleine, das ist eben die Kunst. Die Kunst ohne Dauer, Publikum, Auftrag. [...] Das ist auch politisch. Das entspricht einem fast französischen Begriff des Politisierten [...]. Das allerwichtigste: daß sie eine relativ würdige, unexpressive Haltung eingehalten haben des totalen Fehlens von Anlaß zu Hoffnung. Die Romantiker waren total getrennt von ihrer Liebe, ihrer Sehnsucht, ihrem Verlangen nach Ursprung oder Zukunft, von ihrem eigenen Bewußtsein, von ihrem Programm, und ohne zu klagen und zu lamentieren und ohne sich zu verbohémisieren haben sie das ausgehalten.»
Aber vielleicht ist's doch mehr die französische Romantik.


jagothello   (15.08.12, 10:10)   (link)  
Coda
Und kann ich nicht sein
Mit dir zu zwein,
So will ich, allein,
Der Schwermut mich weihn!

(J. Eichendorff)

Deutsch-romantischer geht es wohl nicht mehr. Da schimmert alles durch: Einsamkeit, Hoffnung, Weltekel, Melancholie, Kontemplation... und Sehnsucht. Bei Gerz ist das wohl eine kleine rhetorische Schwäche. Die Romantiker waren nicht getrennt von ihrer... Sehnsucht, sondern vom Gegenstand ihrer Sehnsucht.


jean stubenzweig   (15.08.12, 14:44)   (link)  
«Rhetorische Schwäche»
Da mögen Sie durchaus recht haben mit Ihren Appendix. Das Zitat stammt aus einem aufgezeichneten Gespräch, das inmitten eines Ausstellungsaufbaus quasi nebenbei stattfand. Gerz hätte es sicherlich gerne redigiert und damit korrigiert, was ich wiederum nicht mag. Wer sich ein wenig in der Romantik auskennt, der dürfte wissen, was damit genauer gemeint war. Doch ich kann es im nachhinein auch anders, ein wenig vielleicht in seinem Sinn auslegen. Er, der bis vor einiger Zeit über dreißig Jahre in Frankreich gelebt hat, ihm war sicherlich auch die interpretatorische Perspektive des Landes im Blickfeld, in dem die Romantik etwas anders beleuchtet war und ist, vor allem eben nicht derart deutsch-dichterisch, sondern doch etwas distanzierter, nenne ich's mal intellektualisierter, etwa näher an der «Tradition» der Aufklärung. Oder so herum: Gerz erwähnt Jean Paul, ich würde beispielsweise noch E.T.A. Hoffmann hinzufügen. Aber auch Eichendorff läßt sich anders lesen. Helmut Prang meint zwar in seinem Buch Die romantische Ironie: «So wie ihm das Geistreich-Witzige und Kokett-Verspielte oder gar das Satirisch-Aggressive in der Erzählkunst weniger lag […], so fehlte ihm offenbar das intellektuelle Vergnügen an ironischen Scherzen.» Aber das ist auch schon etwas älter, es stammt aus dem Jahr 1972. Wende ich mich meiner Ansicht gemäß aktuelleren Erkenntnissen zu. Klaus Jarchow hat sich kürzlich zu dessen Ironie quasi entgegengesetzt geäußert: «Oder aber, Eichendorffs romantische Prinzen mit ihrem Gefolge reiten – arm, aber glücklich, und turmhohe Menschheitsgedanken trällernd – unter freiem Himmel auf Bergeshöhen unter raunenden Fichten herum; das wahre Leben aber mit seinen Posthornklängen, Philistern und Fleischtöpfen, das spielt sich unten in den geschäftigen Tälern mit ihrem Werktagscharakter ab, dort, wo das Volk die Kunst allenfalls in homöopathischer Dosis zum Nachtisch genießt. So etwas wäre dann eine ‚ironisch gebrochene Landschaft‘.» Wobei hier ohnehin wohl eher der Taugenichts im Blickfeld gewesen sein dürfte und nicht so sehr die von Eichendorff verehrte, von Ihnen dargebrachte Poesie des deutsch-romantischen Weltschmerzes, der bekanntlich fast eine ganze Generation und später noch einmal eine, die der späteren Nachkriegszeit, in den Goethe-Tod stürzen sollte. Sogar manch ein Zauberlehrling des Meisters, der die Geister rief, empfing noch einmal den Liebesschmerz.

Dem Herrn Geheimrath bin ich allerdings ohnehin nicht so zugeneigt wie Sie. Der mochte zwar wie sein Kollege Eichendorff die Philister seiner Zeit ebenso nicht wie ich die der damaligen und noch weniger die der Jetztzeit nicht mag, aber die Ironie als Stilmittel, da wäre wiederum Jarchow zu widersprechen, die war meines Erachtens nicht unbedingt Eichendorffs Stärke. Es waren wohl eher Witzelein gegen den Klein- oder auch Spießbürger dieser Epoche, an und mit denen diese Weltschmerzler die Feder wetzten, und nicht so sehr die Ironie. Mir wärmen die Sarkasmen der Pauls und der Hoffmanns eher das Herz. Das ist eben die andere Seite des Bachs der Romantik, die ich sehe, wenn ich als als spät gewordener Möchtegern-Taugenichts die Beine baumeln lasse. Die Leidenschaften der Eichendorffs und Göthes und wie sie alle heißen, die habe ich allerdings selbst in ganz jungen Jahren lediglich eher marginal mitgelebt, sondern sie immer eher skeptisch, also distanziert gelesen. Das mag mit ein Grund dafür sein, weshalb mir das verbreitete Geschwafel von der guten alten Zeit, vor allem aber das mediale Gesäusel über das Romantische so auf die Nerven geht. Ich sehe das innerhalb der Historie eher, wie Jochen Gerz sich dem anähernd geäußert hat, im französischen Sinn politisch und nicht derart, wohl überwiegend aus Unkenntnis, und die auch noch befeuert von den Medien der Massen: behübschend oder auch verlogen, wie es heute hierzulande und durchaus auch aus andren Landen daherkommt. Also nicht unbedingt getrennt vom Gegenstand, der Sehnsucht.

Mir liegt die Sichtweise auf die Romantik näher, mit der beispielsweise Hubert Salden unter Zuhilfenahme des berühmten, ohne jeden Zweifel romantischen Gedichtes von Jacques Prévert Für dich, Geliebte das Bild der Kunst, hier zu der von Lore Heuermann, zu ergründen sucht. Prévert, um bei ihm zu bleiben, hat die sogenannten kleinen Leute, deren Lebensweise nie verherrlicht, wie das heutzutage, ach was, seit Jahrzehnten mit der allenthalben geliebten Nostalgie geschieht, der Sehnsucht, von der somit nichts anderes bleibt als die Verklärung der Erinnerung. Prévert ist letztendlich mit dem Seziermesser an diese Romantik gegangen, er hat letztlich immer «scharfgestellt», wenn sicherlich auch nicht nach hölderlinschem Geist, sondern eher vereinfachend. Dennoch wird Für dich, Geliebte nach wie vor mißverstehend als romantische Hymne gesungen.

Daß ich mit Geschwafel und Gesäusel nicht Sie meine, der Sie sich aufgrund Ihres Wissens ohnehin in einer anderen Position befinden, das dürfte Ihnen klar sein, also auch, daß die Romantik nicht allein von der Liebe genährt ward. Aber hier lesen noch drei andere mit.


jagothello   (15.08.12, 16:26)   (link)  
Drei?
nun beginnt das neue Schuljahr und meine schöne Aufgabe ist es wieder, einen "schulinternen Lehrplan" Deutsch zusammenzuschustern, der sich freilich sehr, sehr eng auf die Rahmenvorgaben des Ministerium zu beziehen hat, die ich, qua Amt und in Personalunion, auch noch zu überwachen habe. Auf diese Art und Weise bleibe ich stets eingedenk des bürokratischen Auftrags. Das nun wieder kann ja nicht schaden vor dem bildungsblassen Hintergrund, den wir hier schon des öfteren beklagen mussten.
Die Ministerialen jedenfalls wollen, dass sich die künftige Akademikerelite in Vorbereitung ihrer diversen Praktika, sagen wir mal, bei einer Spedition(!), mit der deutschen Romantik (obligatorisch: Heine) befasst und zwar namentlich mit einem thematischen Schwerpunkt Liebe. Das sagt ja wohl schon alles. Ihr Verweis auf die französische Sektion ist natürlich dennoch völlig richtig, ich habe ihn verdient. Ich überlege jedenfalls, um den Kreis mal zu schließen, um den ich mich da drehe, aus Ihren Mitteilungen hier zur Sache etwas für die Schule zu machen. Sozusagen als authentische, zeitgenössische Beiträge eines Liebhabers. Zu lernen gibt es da genug.


jean stubenzweig   (15.08.12, 20:09)   (link)  
Ich, als Liebhaber
im nordrhein-westfälischen Curriculum. Das muß meine Mutter jetzt gerade ziemlich heineisch um ihren Schlaf gebracht haben, ich sehe sie da unten im Modder der Erdgeschichte sich drehen wie der berühmte Papagei im Ventilator. Sie, meinem Vaters war's eher wurscht, der wollte, daß es mir gutgehe, sah mich immer irgendwie in etwas Anständiges gewandet, am liebsten in eine Robe, einen Volkswirt hätte sie auch gerne kommen gesehen. Ich habe mich gerächt und bin, quasi aus Protest, nach einer kurzsemestrigen Versuchsanordnung wie weiland die Mediziner bei ihren Dissertationen (vermutlich auch heute Status quo), es ließe sich auch behaupten, wie die Germanisten der Universität zu Graz in den Siebzigern, die daraufhin durch Spötter einen Dr. graz verliehen bekamen, zunächst via Erziehungswissenschaften und dann geistiger nichts Anständiges geworden. Aber nun einen, nenne ich's mal so, professionellen Liebhaber als Sohn zu haben, das würde sie, wäre es noch möglich, doch sehr arg entblößen. Denn mit der Liebe hatte sie's nun wirklich nicht, schon gar nicht mit faire l'amour. Als eines Tages jemand ungebeten ins Bad kam, machte sie sofort das Licht aus. Und dann kam ich, ein Kind der Dunkelheit, dem erst sehr spät das Licht auf- oder anging, um es dann dem Lehrer mitzuteilen, auch, daß es daselbe wieder gelöscht habe. Schluß mit den Schweinigeleien.

À propos: Ich habe mir heute vormittag ein paar Notizen über die zunehmende Nacktheit der westlichen Welt gemacht. Der Titel thront bereits darüber: Nackedeiereien. Wenn ich nicht weiterhin so unsäglich faul wie ein Taugenichts bleibe, der immer nur an das eine denkt, nämlich fortwährend daran, die Beine baumeln zu lassen, kriege ich das morgen früh ausformuliert, heute mag ich nicht mehr, das viele Faulenzen strengt so an. Vielleicht können Sie's dann noch in ihren Lehrplan hineinflickschustern, auf daß noch ein wenig mehr französisches Beiwerk in die nachbarliche deutsche Romantik einfließe, die Melange schmackhafter werde. Man darf ja richtig betrübt darüber sein, daß Frau Angela nicht mehr in den Genuß der Bises durch Herrn Nicolas kommt.

Auf jeden Fall bedanke ich mich für die Ehrung. Aux vilains matous les belles chattes. Pratiquement.


jean stubenzweig   (18.08.12, 20:43)   (link)  
Auf Deutschlandradio
geht's gerade um E.T.A. Hoffmann! In der Kulturwelle.

Und um Jacques Offenbach. Der mit dem kleinen Zack. Der hatte auch schön einen in der Krone. Heute nennt man das wohl einen an der Waffel.


leftlibertarian   (13.08.12, 21:09)   (link)  
Interessant
sehr interessant


jean stubenzweig   (14.08.12, 20:43)   (link)  
Das geht mir
genauso.















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Jean Stubenzweig motzt hier seit 3855 Tagen, seit dem Wonne-Mai 2008. Letzte Aktualisierung: 30.10.2015, 03:53



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